Guts-Besitzer Alois Schmid kann sich seinen Traum vom Kindergarten auf Gut Grasleiten verwirklichen.
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Guts-Besitzer Alois Schmid kann sich seinen Traum vom Kindergarten auf Gut Grasleiten verwirklichen.

Naturerlebnisgruppe für Kindertagesstätte aus Huglfing geplant

Bauernhof-Kindergärten sind selten, doch Grasleiten bekommt einen

Manchmal passen Wunsch und Wirklichkeit ideal zusammen – und führen wie in Huglfing zu einem interessanten Projekt: Die Kindertagesstätte „Huglhupf“ soll von September an um eine Naturerlebnisgruppe auf dem Gut Grasleiten erweitert werden. Eine Win-win-Situation für Gemeinde und Gutsfamilie.

Huglfing – Er hat den Traum schon seit längerem, der Agraringenieur, Waldpädagoge und Landwirt Alois Schmid. Auf seinem insgesamt 120 Hektar großen Gut, das im Mittelalter vom Kloster Wessobrunn als Schwaige begründet wurde, möchte er einen Kindergarten errichten: „Ich bin hier aufgewachsen und habe das Spielen in der Natur genossen. Das möchte ich anderen Kindern auch ein bisschen ermöglichen.“ Die Gemeinde wächst und braucht neue Kindergarten- und Krippenplätze. Bürgermeister Markus Huber: „Wir müssen was tun, wir sind rappelvoll und wollen nicht einfach nur die Kindertagesstätte erweitern.“

Mit Beginn des neuen Kindergartenjahres soll auf Grasleiten eine Naturerlebnisgruppe den Betrieb aufnehmen.

Seit 2014 führt Schmid, Vater von drei kleinen Mädchen, mit seiner Frau Romina in sechster Generation den von seinen Eltern übernommenen Bio-Grünlandbetrieb mit Mutterkuh-Haltung. Auf dem Gutshof, auf den Feldern und im Wald gibt es nicht nur viel zu tun, sondern auch viel zu sehen, zu bestaunen und mitzumachen: bisher vor allem für die Kinder und deren Eltern, die zumeist aus der Großstadt zum Urlaub auf dem Bauernhof nach Grasleiten kommen. Für Ostern sind die Wohnungen und Appartements bereits wieder ausgebucht, zumeist von Stammgästen: „Wir können sofort durchstarten, wenn wir endlich wieder öffnen dürfen“, sagt Schmid angesichts des noch immer geltenden Lockdowns für Gastronomie und Hotellerie.

Das, was er seinen kleinen und großen Urlaubsgästen zu bieten hat, ist natürlich auch hochinteressant und spannend für die einheimischen Kleinstbürger – in einem Bauernhof-Kindergarten. Davon gibt es in Deutschland nach einer Übersicht der im niedersächsischen Varel ansässigen Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof nur 32. Die Voraussetzungen für einen weiteren erfüllt Guts-Besitzer Schmid: Tiere füttern und streicheln, Pony- und Eselreiten, Hasen mit Gras versorgen, bei der Stallarbeit helfen, mit Bauer Alois Traktor fahren und Pfannkuchen backen am Lagerfeuer sind nur einige der Angebote.

Abgerundet wird das Ganze mit den vielen Spielmöglichkeiten am Hof – vom Kinderspielplatz im Garten über Fußballplatz, Spielstadl „Villa Kunterbunt“, Abenteuerspielplatz „Zwergenwald“ bis hin zur großen Strohburg. „Ein Kinderbauernhof wie im Bilderbuch“, so beschreiben Urlaubsgäste das Hofgut.

An drei Tagen sollen die Kinder die Natur- und Tierwelt auf und rund um den Hof erkunden können

Jetzt kommt Landwirt Schmid der Erfüllung seines Traums einen großen Schritt näher. Denn als im Gemeinderat die Problematik mit den notwendigen Plätzen zur Sprache kam, stand der Gutsinhaber, der selbst im Rat sitzt, bereit – und seine Kollegen griffen zu. Die gemeindliche Kindertagesstätte, bestehend aus drei Regelgruppen und einer Waldgruppe mit mehr als 100 Kindern, soll mit Beginn des neuen Kindergartenjahres eine Naturerlebnisgruppe auf Grasleiten bekommen: Etwa 15 Kinder werden an zwei Tagen den geregelten Kita-Alltag erleben und an drei festen Tagen die Natur- und Tierwelt auf und rund um den Hof erkunden können. Huber will damit den vielen Nachfragen gerecht werden: „Der Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder wieder achtsamer und bewusster mit der Natur zu vereinen, kann somit erfüllt werden“, so der Rathaus-Chef.

Die Verwaltungsgemeinschaft Huglfing, zu der noch die Gemeinden Eberfing, Eglfing und Oberhausen gehören, wird dazu in den kommenden Wochen eine Umfrage bei allen Kindergarteneltern durchführen. Wenn der Bedarf geklärt ist, werden Erlebnispädagoge Schmid, Bürgermeister Huber und die Kindergartenmitarbeiter ein Konzept erarbeiten. Auch der Transport zwischen dem „Huglhupf“ und dem sechs Kilometer entfernten Gut soll dann geklärt werden.

Schmid und Huber sehen durch die neue Gruppe die Kindertagesstätte aufgewertet: „Auch die anderen Gruppen können Ausflüge auf den Hof machen und auch übernachten“, verspricht der Gutsbesitzer. Und wenn alles gut läuft, dann soll er möglichst bald kommen – der Neubau eines Bauernhof-Kindergartens in Grasleiten mit drei Gruppen. „Das kann dann auch ein interkommunales Projekt werden“, denkt der Bürgermeister schon an die Zukunft.

Ralf Scharnitzky

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