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Satter Sound, souveräner Auftritt: das Posaunenensemble der Musikschule Schongau am Sonntag im Bibliotheksaal.

„musik im Pfaffenwinkel“  

Große Bühne für den Nachwuchs

Polling - Zum Saisonabschluss konzertierten junge Künstler im vollbesetzten Bibliotheksaal Polling. Ein wunderbares Podium, um ihr Können zu zeigen.

 Fast komplett ausverkauft war der Bibliotheksaal in Polling am Sonntagnachmittag, bestem Bade- und Biergartenwetter zum Trotz. „Die Künstler von morgen brauchen heute unsere Unterstützung“, brachte Karl Höldrich, Leiter der Musikschule Schongau, das Anliegen dieses Konzertes in seiner launigen Moderation auf den Punkt. Und so hatten junge, bei zahlreichen Wettbewerben preisgekrönte Musiker hier ein wunderbares Podium, um ihr Können zu präsentieren – dank des Vereins „Musik im Pfaffenwinkel“, dem die Nachwuchsförderung ein großes Anliegen ist.

Carmen Steinmeier, 19-jährige Harfenistin aus Denklingen, eröffnete den Reigen. Ihre erste Ausbildung erhielt sie an der Musikschule Schongau, wurde danach Jungstudentin an der Münchener Musikhochschule und studiert nun in Berlin. Eine zarte Erscheinung mit blondem Haar und kurzem, schwarzen Kleid, die vollkommen souverän auf der Bühne agierte und das Publikum in Claude Debussys Arabesque 1 und 2 mit flirrend-betörenden Klängen bezauberte, die Leichtigkeit des Seins beschwörend. Die Fantasie über ein Thema aus Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ entfaltete dagegen opulent-virtuose Klangpracht.

Völlig andere Töne danach mit dem Posaunenensemble der Musikschule Schongau: Ein voller, satter Blechbläsersound erfüllte den Raum mit „Gospel Time“ von Jeffrey Agrell. Anders als Carmen Steinmeier betreiben diese jungen Leute die Musik als Hobby: Julia Just will Lehrerin für Deutsch und Geschichte werden, Michael Wühr macht eine Ausbildung zum Käser, Lukas Linder studiert Landwirtschaft in Weihenstephan. Den vierten, erkrankten Musiker ersetzte kurzerhand Andreas Immler, der Leiter des Ensembles. Mit „George Gershwin: A Portrait“ bewiesen die vier Musiker noch einmal ihre hohe Qualität: absolut intonationssicher, souverän, ausdrucksvoll gestaltet. Und das berühmte „Summertime“ entfaltete hier die ganze Laszivität eines schwülen Sommertages.

„Willkommen im Pollinger Opernhaus, der Pollinger Scala“, begrüßte Höldrich das Publikum nach der Pause. Die Sopranistin Anna Elisabeth Hempel aus Rostock, die am Salzburger Mozarteum studierte und hier als Gast auftrat, und Tenor Wilfried Michl aus Schongau, der als IT-Fachmann nebenher Gesang studiert, brachten Arien von Donizetti, Verdi, Puccini, Mozart, Lortzing, Gounod und Bernstein, routiniert am Klavier begleitet von Lenka Hebr.

Michl verfügt durchaus über stimmliches Material, dessen optimale Einsatzmöglichkeiten hat er aber noch nicht gefunden. Mit irritierenden Vokalverfärbungen, Intonationstrübungen und einer manieriert wirkenden Gestaltungsweise konnte er nicht wirklich überzeugen. Hempel dagegen agierte sehr souverän, spielte ihre Bühnenbegabung aus und konnte durchaus Atmosphäre heraufbeschwören. Dass sie sich dann aber ausgerechnet die vertrackte Arie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ vornahm, war ein Fehler: Die halsbrecherischen Koloraturen gelangen nur ansatzweise, die Spitzentöne saßen nicht. Schade – denn als „Norina“ oder „Musette“ hatte sie einen guten Eindruck hinterlassen.

Sabine Näher

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