Live zugeschaltet wurden Anahid Klotz und ihr Ehemann Gerhard Gregori (unterer Bildrand) im Petitionsausschuss des bayerischen Landtags. Wegen des Lockdowns dürfen keine Besucher an den Sitzungen teilnehmen. Screenshot/Youtube
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Live zugeschaltet wurden Anahid Klotz und ihr Ehemann Gerhard Gregori (unterer Bildrand) im Petitionsausschuss des bayerischen Landtags. Wegen des Lockdowns dürfen keine Besucher an den Sitzungen teilnehmen.

Vor dem Petitionsausschuss

Grünen-Abgeordnete kämpft für Eselfarm „Asinella“

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Mit gemischten Gefühlen hat Anahid Klotz die Sitzung des Petitionsausschusses vor dem Bildschirm verfolgt. Einerseits legte sich eine Grünen-Abgeordnete mächtig für die Betreiber der Eselfarm ins Zeug, andererseits sollen sie und ihr Mann nun doch nachträglich einen Bauantrag einreichen.

Pähl – Anne Franke war bestens informiert. Die Landtagsabgeordnete von „Bündnis 90/Die Grünen“ sprach fast zehn Minuten lang über die Eselfarm „Asinella“. Sie schilderte dem Petitionsausschuss des bayerischen Landtags die verzwickte Situation des Bauernhofes, der laut eines Bescheids des Landratsamtes Weilheim-Schongau abgerissen werden soll. Und während sie redete, saßen die Besitzer Anahid Klotz und Gerhard Gregori in Pähl vor ihrem Computer. Weil Besucher derzeit bei den Ausschusssitzungen nicht erlaubt sind, wurde das Geschehen live auf der Plattform „Youtube“ übertragen. Das Ehepaar wurde zugeschaltet, um sich äußern zu können. Bis es dazu kam, dauerte es rund 20 Minuten.

Denn Franke informierte die Ausschussmitglieder ausführlich über das Geschehen. Über den Bescheid des Landratsamtes, in dessen Augen der Hof kein landwirtschaftlicher Betrieb ist – und der deshalb auch keine Privilegierung mehr habe, um im Außenbereich zu bestehen. Zudem schilderte die „Grünen“-Abgeordnete, dass das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim (AELF) die Situation anders sehe, Klotz und Gregori durchaus als Landwirte betrachte. Deshalb hätte die Familie, die 8,98 Hektar landwirtschaftlich und 1,03 Hektar forstwirtschaftlich nutze, durchaus eine Privilegierung für Bauten im Außenbereich. Dass das Landratsamt das ignoriert, „finde ich merkwürdig“, sagte Franke. Es bestehe „überhaupt kein Grund“, die Einschätzung des AELF anzuzweifeln. Zwar stimme es, dass Gregori als Landmaschinentechniker obendrein Geld verdiene. Und auch, dass Klotz Therapien und Ausritte mit den Eseln anbietet. Aber beides stütze den Hof. „Wir wissen alle, dass so kleine landwirtschaftliche Betriebe kaum lebensfähig sind.“ Klotz und Gregori hätten einen Weg gefunden, den Bauernhof weiterbetreiben zu können.

Grünen-Abgeordnete kritisiert Bescheid des Landratsamtes

Wie Franke berichtete, bekommen sie zudem Unterstützung aus der Heimat. So hätten sich mehrere Einrichtungen aus dem Landkreis bei ihr gemeldet, die betonen, wie wichtig das Angebot mit den Eseln sei – zum Beispiel in der Arbeit mit demenzkranken Menschen.

Dass das Landratsamt trotz der anstehenden Sitzung im Landtag im Oktober zudem einen Bescheid erließ, wonach die Familie ihr Wohnhaus verlassen musste, „ist empörend“, sagte die Abgeordnete. „So wird der Druck weiter erhöht.“ Wie berichtet, kritisiert das Landratsamt die Abwasserentsorgung.

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Frankes Ausschusskollege Berthold Rüth (CSU) stimmte zwar den Ausführungen über den schönen Hof zu, stellte die Situation aber ein wenig anders dar. „Wir können das kurz und knapp behandeln“, sagte er. Klotz und Gregori seien aufgefordert worden, Bauanträge für bisher nicht genehmigte Gebäude vorzulegen. Das hätten sie nicht getan. Ein Experte im Gremium betonte zudem, dass die Einschätzung des AELF zwar „beachtlich, aber nicht bindend sei“. Rüth forderte deshalb, dass Klotz und Gregori Bauanträge für den Schafstall, ein Mehrzweckgebäude sowie ein Materiallager einreichen sollen.

Klotz war darüber verwundert, wie sie danach im Gespräch mit der Heimatzeitung sagte. Sie kann nur vermuten, dass das „Materiallager“ wohl der historische Baumstadel aus Partenkirchen ist, den sie geschenkt bekommen haben – der hat eine Fläche von fünf mal fünf Metern. „Ich weiß auch nicht, was er mit Mehrzweckgebäude meint. Ich hoffe, nicht das Wohnhaus.“ Denn das stehe wie die Stallungen bereits seit 1945 an Ort und Stelle – der Bauantrag stamme aus dem Jahr 1950.

Anahid Klotz und ihr Mann wollen sich mit ihrem Anwalt beraten

Das berichtete sie zuvor auch dem Ausschuss, in dem sie per Videochat zugeschaltet worden war. „Warum sollen wir Bauanträge stellen, die dann, wie wir befürchten, abgelehnt werden?“, schilderte sie ihre Situation. „Dann ist der Abriss der Bilderbuchlandschaft die Folge.“ Zumal es für Wohnhaus und Stallungen ja besagte Genehmigungen gebe. Wegen der Geschehnisse in den vergangenen Monaten „sind wir vorgewarnt, keinen Fehler zu machen“. Sei es aber notwendig, „sind wir zu allem bereit, was uns nicht ins Verderben bringt“.

Der Ausschuss entschied letztlich, dass Klotz und Gregori nun vier Wochen Zeit haben, um zu entscheiden, ob sie Bauanträge einreichen wollen. Tun sie das, wird sich der Petitionsausschuss weiter mit dem Thema befassen. Das Paar will sich nun mit seinem Anwalt beraten, aber schon am Mittwoch sagte Klotz: „Wir sind keine Verweigerer. Alles Konstruktive sind wir bereit zu tun.“

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