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Historisches Zeugnis: Dieses Foto zeigt den Veteranen- und Kriegerverein Habach im Jahr 1900 mit seiner ersten Fahne.

125 Jahre Veteranen- und Kameradschaftsverein Habach

Unermüdliche Mahner für den Frieden

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Sein 125-jähriges Bestehen feiert der Veteranen- und Kameradschaftsverein Habach in diesem Jahr. Die geplante Jubiläumsfeier im Juni wird zwar wegen der Corona-Pandemie vermutlich nicht stattfinden können. Umso mehr ein Grund, die langjährige Tradition des Vereins und seine Aktualität näher zu beleuchten.

Habach – „Veteranenvereine haben keine Zukunft, weil hier eh nur alte Männer Mitglieder sind“ – ein Klischee, das auf den Habacher Verein überhaupt nicht zutrifft, wie Josef Freisl versichert. Er ist nicht nur Mitglied, sondern hat als Ortschronist auch die Geschichte des Vereins erforscht und aufgeschrieben. Freisl betont, der Verein sei im Dorf mehr als lebendig.

Aktuell gehörten ihm 170 Mitglieder an – alles allerdings Männer. Frauen würden zwar aufgenommen – aber nur, wenn sie bei der Bundeswehr gewesen seien. Davon gäbe es im Dorf aber keine. In Habach lebten derzeit rund 400 Männer über 18 Jahre. Da seien 170 Mitglieder „schon eine unglaubliche Zahl“, findet Freisl. Und „relativ viele junge Leute“ gäbe es auch im Verein.

Erste Veteranen- und Kriegervereine wurden im Oberland bereits ab etwa 1840 gegründet. Wie Freisl erforschte, traten gediente Soldaten aus seinem Dorf ab 1860 in einen solchen Verein in Murnau ein. Mehrere Habacher hätten dann 1895 eine eigene Vereinsgründung angeregt. Am 29. Mai sei der „Veteranen- und Kriegerverein Habach“ gegründet worden, der dann 1972 zum „Veteranen- und Kameradschaftsverein“ umbenannt wurde.

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Als Gründungsmitglieder sind in einem alten Kassenbuch 76 Männer verzeichnet. Erster Vorsitzender war Ulrich Adlwart. Wichtige Vereinsziele, so Freisl, seien von Anfang an das Gedenken an die verstorbenen Mitglieder und die Unterstützung von in Not geratenen Mitgliedern gewesen. „Aber zu keiner Zeit diente der Verein zur Verherrlichung des Krieges“, betont Freisl.

Die Habacher, die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 gekämpft hatten.

Schnell habe sich ein reges Vereinsleben entwickelt. Man spielte Theater im Vereinslokal „Neuwirt“ oder richtete über viele Jahrzehnte jährlich einen Veteranenball aus. Im Ersten Weltkrieg, so Freisl, seien insgesamt zehn Habacher gefallen. Zu ihrem Gedenken habe der Verein 1924 an der Westseite der Habacher Kirche ein Kriegerdenkmal errichtet. Mit der Machtergreifung Hitlers ändert sich alles für den Verein: Unter anderem erfolgte etwa im Juli 1933 auf behördliche Anordnung die Gleichschaltung des Vereins mit dem Kriegerbund.

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Von nun an, so Freisl, musste jeder Teilnehmer bei allen öffentlichen Auftritten des Vereins am linken Unterarm die „Hakenkreuzbinde“ tragen. Alle Mitglieder mussten dem Reichskriegerbund („Kyffhäuser-Bund“) beitreten, und bei der Generalversammlung des Vereins im Dezember 1933 seien sogar 14 Mann von der SS anwesend gewesen. Im Zweiten Weltkrieg kam das Vereinsleben zum Erliegen und lebte erst im Herbst 1950 wieder auf – „obwohl das Verbot der Soldatenvereinigungen des Alliierten Kontrollrates noch Gültigkeit hatte“, so Freisl.

Die erste Generalversammlung hielten die Mitglieder im November 1950 im Gasthaus Neuwirt ab. Zum neuen Vorsitzenden sei dabei Jakob Schäffler gewählt worden. Von nun an hielt der Verein wieder regelmäßige Gedenktage in Erinnerung an die Gefallenen und Verstorbenen ab und pflegte wieder ein geselliges Miteinander; etwa mit Besuchen bei Nachbarvereinen, dem jährlichen Starkbierfest oder mit Ausflügen. Im Juli 1985 sei eine Patenschaft mit der 1. Kompanie des Panzergrenadierbataillon 222 in Murnau geschlossen worden. Ziel der Patenschaft sei es gewesen, „die Bundeswehr besser in die Gesellschaft zu integrieren“.

Dass nie wieder Menschen in den Krieg ziehen müssen: Das sei der große Wunsch des Vereins, so Freisl. Angesichts der weltweiten Konflikte sei der Verein mit seiner Mahnung zu Frieden hoch zeitgemäß. Seine Mitglieder wollen sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Schrecken des Krieges nicht vergessen werden.

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