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75-Millionen-Euro-Projekt in Habach geplant - es braucht aber „enorme Fläche“

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Von: Franziska Seliger

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Das Foto oben zeigt, wie die geplanten Hallen aussehen könnten, die „mit viel Holz und Grün“ gestaltet werden sollen
So könnten die geplanten Hallen aussehen, die „mit viel Holz und Grün“ gestaltet werden sollen. © Entwurf: Jocher

Es ist ein Vorhaben, das bayernweit einmalig sein könnte: Mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von rund 75 Millionen Euro möchte die Firma C-Resource in Habach Produktionshallen zur Herstellung eines Humus-Kohlenstoff-Düngers bauen. Dieser Dünger könnte dabei helfen, die Nitratbelastung des Trinkwassers zu senken. Ende 2023 könnten die Hallen stehen.

Habach – Hinter den Kulissen werden die Pläne scheinbar schon seit längerem geschmiedet. Wie Alois Philipp, Entwicklungsingenieur bei der Firma C-Resource aus Issum in Nordrhein-Westfalen, im Gespräch mit der Heimatzeitung sagt, werde an dem Vorhaben bereits seit rund eineinhalb Jahren gearbeitet. In Habach glaubt die Firma, nun das ideale Grundstück gefunden zu haben: auf knapp 28 000 Quadratmetern westlich des bestehenden Gewerbegebiets sollen mehrere Produktionshallen zur Herstellung eines Humus-Kohlenstoff-Düngers errichtet werden. Außerdem ein dazugehörendes Verwaltungs-, Labor- und Werkstattgebäude.

Das Hauptproblem an dem Projekt, so der mit der Planung beauftragte Architekt Stefan Jocher aus Penzberg, sei die enorme Fläche, die man dafür benötige – ansonsten bringe es nur Vorteile. Wie Jocher erklärt, wolle die Firma mit ihrem Projekt das immer drängender werdende Problem lösen, dass die Landwirte zu viel Gülle auf ihre Felder ausbringen, wodurch das Grundwasser mit Nitrat verunreinigt wird. In Zukunft dürften Bauern auch gar nicht mehr so viel ihrer Gülle als Dünger ausbringen, ergänzt Philipp. Das untersagte das „Bodengesundheitsgesetz, das die Europäische Union 2030 erlassen werde.

Das Foto zeigt das bestehende Gewerbegebiet sowie die Lage der geplanten neuen Anlage, die in der Kurve der angedachten Verbindungsstraße vom Habacher Kreisel zur Antdorfer Straße entstehen soll. Wegen des Anbindegebots müsste an der B 472 eine zusätzliche Gewerbefläche ausgewiesen werden (untere Bildmitte).
Das Foto zeigt das bestehende Gewerbegebiet sowie die Lage der geplanten neuen Anlage, die in der Kurve der angedachten Verbindungsstraße vom Habacher Kreisel zur Antdorfer Straße entstehen soll. Wegen des Anbindegebots müsste an der B 472 eine zusätzliche Gewerbefläche ausgewiesen werden (untere Bildmitte).  © Karte: Jocher

Wohin dann aber mit der in den Ställen anfallenden Gülle? Eine Antwort darauf wolle die Firma C-Resource geben. Ganz vereinfacht erklärt, will die Firma aus Schnittgut oder Schadholz, das in der Region anfällt, so genannte Pflanzenkohle herstellen. Diese fungiere dann als Filter für die Gülle. Dazu, so Jocher, sollen bei den beteiligten Landwirten aus einem Radius von rund 40 Kilometer dezentrale Container-Anlagen aufgestellt werden. Allein für diese Anlagen rechne man mit einer Investitionssumme von rund 25 Millionen Euro, so Jocher. Weitere rund 50 Millionen würden für die Hallen in Habach eingeplant.

Ist die Gülle durch die Pflanzenkohle gesickert, falle Wasser an, das der Landwirt direkt am Hof weiterverwenden könne. Der mit den Nährstoffen gesättigte Filtercontainer werde nach Habach transportiert, wo das Material zu Dünger weiterverarbeitet werde, so Jochers Mitarbeiterin Veronika Weinert. Im Anschluss könne der fertige Dünger dann von den Landwirten verwendet werden.

Projekt wäre „bayernweit einzigartig“

Wie Jocher betont, würden derzeit deutschlandweit rund sechs solcher Produktionsstätten zur Herstellung eines Humus-Kohlenstoff-Düngers geplant. In Betrieb sei aber noch keine. Bayernweit dürfte das Vorhaben in Habach bisher einzigartig sein. „Es ist ein sehr innovatives Verfahren.“ Wie Philipp sagt, werde es die ersten Jahre von der TU München wissenschaftlich begleitet; unter anderem wollen die Forscher herausfinden, wie wirksam der produzierte Dünger für den Boden ist.

Die Gemeinde hat sich zu dem Projekt indes noch nicht klar positioniert, wie zweiter Bürgermeister Georg Hoiß jun. auf Nachfrage sagt. Bisher sei die Informationslage dafür zu ungenau gewesen. Jetzt würden die Planungen konkreter, es gäbe aber noch viele offene Fragen. Man werde sich in den nächsten Sitzungen damit noch befassen müssen.

Fläche direkt neben der geplanten Umgebungsstraße

C-Resource möchte für das Vorhaben ein Grundstück einer ehemaligen Kiesgrube pachten, das sich in Privatbesitz befindet, so Jocher. Die Fläche westlich des bestehenden Gewerbegebiets läge unmittelbar neben der geplanten neuen Umgehungsstraße (wir haben berichtet). Hier, so Jocher, wäre dann auch noch Platz für einen gemeindlichen Bauhof.

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Doch um das Areal bebauen zu können, müsste die Gemeinde zunächst den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan aufstellen. Wegen des so genannten Anbindegebots – also damit die Hallen nicht isoliert auf freier Fläche entstehen – müsste das bestehende Gewerbegebiet außerdem um rund 9500 Quadratmeter entlang der B 472 erweitert werden, so Jocher. Unter dieser Voraussetzung stünde das Kreisbauamt im Landratsamt bereits „grundsätzlich“ hinter dem Vorhaben.

Habach wäre „idealer Standort“

Habach ist laut Jocher deshalb ein idealer Standort für die Produktionsanlage, weil die Infrastruktur zum An- und Abtransport durch die B 472 bereits vorhanden sei. Außerdem habe man mit der ehemaligen Kiesgrube eine „relativ minderwertige Fläche“ zur Verfügung, die in Gänze auch nur einem Eigentümer gehöre. Damit sich die großen Hallen besser in die Landschaft einfügen, sollen sie „mit Holz und viel Grün“ gestaltet werden. Zusätzlich seien PV-Anlagen auf den Dächern geplant. Rund 35 Arbeitsplätze sollen entstehen. „Ein sensationeller Nebeneffekt“ der Anlage sei, so Philipp, dass mit dem anfallenden Energieüberschuss aus der Dünger-Produktion rund 1200 moderne Energiespar-Häuser mitversorgt werden könnten. Jocher denkt dabei etwa an Neubauprojekte in Habach und an Gebäude im Gewerbegebiet.

Als nächster Schritt steht laut Philipp in Kürze ein Gespräch mit der Regierung von Oberbayern zu den Plänen an. Stimmen alle Entscheidungsträger dem Projekt zu, könnte die Produktionsstätte Ende 2023 fertig sein. Eine entsprechende Firma habe C-Resource in Habach bereits gegründet, so Jocher.

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