Die drei Gesichter des Protests: Christian Kleiner, Leni Schulz und Felix Rohsmann (v.li.) haben die Bürgerinitiative in Dürnhausen gegründet.
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Die drei Gesichter des Protests: Christian Kleiner, Leni Schulz und Felix Rohsmann (v.li.) haben die Bürgerinitiative in Dürnhausen gegründet.

Bürgerinitiative hat sich gegründet

Lastwagen-Armada rollt durchs Dorf: Dürnhausen geht auf die Barrikaden

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Holzlaster, die durch den Ort brettern. Kieslaster die Dreck auf den Straßen verteilen. Und ein Lärm, der die Häuser erzittern lässt: Die Bewohner des kleinen Habacher Ortsteils Dürnhausen leiden zunehmend unter einer steigenden Verkehrsbelastung in ihrem Dorf und drumherum. Nun haben sie eine Bürgerinitiative gegründet, um ihren Ort wieder lebenswerter zu machen.

Habach – Eigentlich, so sollte man meinen, hat es Dürnhausen gut getroffen: Denn durch die B 472, die unterhalb des Ortes vorbei führt, sollte der Habacher Ortsteil doch eigentlich von übermäßiger Verkehrsbelastung verschont bleiben. Doch wer sich an einem Wochentag an die Kreuzung bei der Dürnhauser Kirche stellt, wird schnell feststellen, dass dem nicht so ist. Von rechts und von links rollen beständig schwere Lastwagen heran, die mit teilweise stark überhöhter Geschwindigkeit und mitunter auf den abgesenkten Bürgersteigen fahren. Die Lastwagen, erzählt Christian Kleiner, stammten zum Einen aus den vielen umliegenden Kiesgruben, deren Zahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich mehr geworden sei. Zum anderen handele es sich um Holzlaster aus nahe liegenden Sägewerken. Kleiner hat zusammen mit dem ortsansässigen Mediziner Felix Rohsmann und der Dürnhauserin Leni Schulz nun eine Bürgerinitiative (BI) gegründet. Ihr gehören mittlerweile so gut wie alle Bürger des Ortsteils an, sagt Kleiner. Ziel der BI sei es, gegen den Lärm und den Dreck vorzugehen, den die durchfahrenden Lastwagen verursachen. Die Erschütterungen, die die schweren Fahrzeuge erzeugten, „gehen einem durch Mark und Bein“, sagt Rohsmann. Die Gebäude würden Schaden nehmen und längst könnten die Anwohner ihre Fenster nicht mehr geöffnet lassen. Auch nachts nicht, denn schon frühmorgens ab etwa 4.30 Uhr würden die ersten Transporter rollen – und ab dann durchgehend bis etwa 22 Uhr. Allein über hundert Kieslaster würden pro Tag durch Dürnhausen fahren, hat Rohsmann gezählt. Viele davon mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Für die Kinder auf dem Weg zur Schule seien sie lebensgefährlich, denn wegen der abgesenkten Bordsteine würden die Laster bei Gegenverkehr auf die Gehsteige ausweichen. Spreche man die Fahrer auf ihren Fahrstil an, reagierten viele „aggressiv und uneinsichtig“, so Rohsmann.

Initiative fordert, längst geplanten Bau der Querverbindung zu realisieren

Er und seine Mitstreiter fordern, endlich den längst geplanten Bau der Querverbindung vom Habacher Kreisverkehr zur Antdorfer Straße zu realisieren. Durch diese nur rund 350 Meter lange Trasse würde Dürnhausen deutlich entlastet, so die Ansicht der BI-Initiatoren. Dann könnte auch die Allee zwischen Dürnhausen und der Antdorfer Straße zurückgebaut werden und die Ortsdurchfahrt, die jetzt eine Kreisstraße ist, zu einer verkehrsberuhigten Gemeindestraße umgebaut werden.

Doch obwohl die Planungen zum Straßenbau fertig seien, scheitere das Vorhaben an einem Grundstückseigentümer, der eine dafür benötigte Fläche von rund 1700 Quadratmetern Größe bisher nicht hergeben wolle.

Als zusätzlich Maßnahme fordert die BI, einen Lärmschutz an der B 472 zu bauen. Denn der Krach der dort fahrenden Autos und Motorräder habe seit dem Ausbau der Straße deutlich zugenommen und dringe laut und deutlich bis hinauf ins Dorf.

Dass die Gemeinderatsfraktion der Dürnhauser Liste, die sich im Wahlkampf die Verkehrsberuhigung des Ortsteils auf die Fahnen geschrieben habe, nun nicht dafür eintrete, ist für Rohsmann „politisches Versagen“.

Dürnhauser Initiative will „bürgerlichen Ungehorsam“ proben

Fest entschlossen sind die BI-Initiatoren nun „bürgerlichen Ungehorsam“ zu proben und durch verschiedene Aktionen Druck auf die Verantwortlichen aufzubauen, ihren Forderungen nach zu kommen, denn: „Wir haben kein Dorfleben und keine Lebensqualität mehr. Nur noch Dreck und Lärm“, sagt Rohsmann.

Spätestens in zwei Wochen wollen die BI-Verantwortlichen von der Gemeinde sowie dem Staatlichen Bauamt in Weilheim eine Stellungnahme dazu haben, wie es bezüglich Quertrasse und Lärmschutz weiter geht. Verstreicht dieses „Ultimatum“, sei eine Demo geplant, bei der die Anwohner den Durchgangsverkehr blockieren wollen. Außerdem hat die BI den Grünen-Landtagsabgeordneten Andreas Krahl zu einem Ortstermin eingeladen. Wann er komme, stehe aber noch nicht fest.

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