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Heimat Eichbichl-Stüberl: Ingrid und Herbert Messing betreiben die Gaststätte mit solider bayerischer Küche seit 1987. Am Anfang wohnte das Ehepaar mit einem Kind sogar noch über der Wirtschaft, später wurde in Habach gebaut.  

Eichbichl-Stüberl in Habach

Abschied nach 31 Jahren als Dorf-Wirte

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Sie sind eine Institution in Habach: Nach 31 Jahren als Pächter des Eichbichlstüberl gehen Ingrid und Helmut Messing im Dezember in den Ruhestand. Die Gemeinde sucht bereits nach einem Nachfolger – schweren Herzens.

Habach– An der Wand hängen Schützenscheiben, dazu alte Dorfansichten von Habach, im Raum thront ein Kachelofen, dahinter die Theke. Die Gaststube im Eichbichl-Stüberl verströmt behagliche Wirtshausatmosphäre. Im Nebenzimmer wird gern gefeiert, der Biergarten lockt zur Freiluft-Brotzeit. Ingrid und Herbert Messing zeigen stolz auf das Geschaffene. Seit 1. Februar 1987 ist das Ehepaar schon Pächter der gemeindeeigenen Gastronomie – doch nun ist Schluss. Zum Jahresende hören die Pächter auf und gehen in den Ruhestand. Damit endet eine 31-jährige Tradition.

Die Geschichte des Gasthauses reicht jedoch weiter zurück. Bis 1972 nämlich, als Skiliftbetreiber Ulrich Sonner das „Lifthäuserl“ als Skistüberl zum Aufwärmen und mit einem kleinen Imbiss erbaute, wie Bürgermeister Michael Strobl erzählt. 1979 wurde das Stüberl erweitert. Aber noch heute sprechen sie in Habach einfach nur von der „Hütt’n“, in die man einkehrt. Aus einem privaten Kontakt zum Besitzer heraus kamen die Messings damals nach Habach. „Ich bin gefragt worden, ob ich es übernehme“, erinnert sich der 65-jährige Herbert Messing. Er und seine Frau betrieben zu jener Zeit seit vier Jahren „Krolls Bierbrunnen“ in Murnau, die Pilststube war auch bei Habachs Dorfjugend beliebt.

Doch so leicht war der Start nicht. „Wir haben uns schwergetan“, sagt der Wirt. „Es hat gedauert, bis es sich herumgesprochen hatte, das wir da sind und die ganze Woche aufhaben“, ergänzt seine Frau. „Wir mussten uns von Grund auf etwas aufbauen.“ Aber genau das war ja ihr Wunsch gewesen: „Wir wollten selber was machen“, sagt Ingrid Messing. Das Stüberl-Duo meisterte die ersten Hürden. Auch, weil die Pächter stets auf Qualität und Service achteten. „Die Jugend hat keine Ruhe gegeben, bis ich Pizza gemacht habe“, schmunzelt sie. Von Vorteil war 2002 der Anbau. Die Vereine kommen, der Stammtisch, Hochzeiten und Geburtstage werden gefeiert. Von den unzähligen Kommunionen zeugen die Fotos der Kinder am Eingang. „Wir sind irgendwann die Dorfwirtschaft geworden“, sagt Ingrid Messing voller Stolz. Die Gäste stammen nicht nur aus Habach, sondern aus der ganzen Umgebung. Auch viele Urlauber sind darunter, oftmals auf der Durchreise. Die 61-jährige Wirtin lacht: „Wir haben Urlauber, die kommen seit 30 Jahren und essen immer das Gleiche.“ Nämlich den „Eichbichltopf“. Gut für den Ruf sind seit Anbeginn die Sonntage, wenn Chef Herbert Messing am Grill steht.

Nun ist Schluss mit dem Wirte-Dasein. Das Fazit der Messings fällt durchaus gemischt aus. „Es ist ein Knochenjob“ , sagt die 61-Jährige. Sie spricht von „einem Riesenspagat“, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Dennoch überwiegt das Positive – weil der tägliche Umgang mit den Gästen das Leben bereicherte. Jetzt aber freuen sich die Messings auf den Ruhestand. Ingrid Messing lacht: „Endlich können wir auch mal auf Dorffeste gehen.“

Für die Gemeinde bedeutet es jedoch einen Neuanfang. Vor zwei Jahren hatte die Kommune das Anwesen von den Erben erworben. „Es ist wichtig, dass man im Dorf was hat“, begründet Rathauschef Michael Strobl die damalige Entscheidung. „Aber jetzt ist es entscheidend, entsprechende Nachfolger zu finden.“ Die Pächterstelle ist bereits ausgeschrieben. Strobl hat ein einfaches Anforderungsprofil für den neuen Wirt: „Er sollte eigentlich das Gleiche weitermachen.“ Vorher aber steht eine Renovierung des Eichbichl-Stüberls an. Ab Neujahr sollen Küche und Kühlung hergerichtet werden. Die Ausschreibungen dafür laufen. Ist die Wirtschaft dann wieder offen, sind zwei treue Gäste garantiert: Ingrid und Herbert Messing wollen auf jeden Fall oft hoch zur „Hütt’n“ gehen. Einfach nur ganz privat.

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