Der Verstorbene vor seinem Lebenswerk: Herbert Messing war 31 Jahre der Wirt des „Eichbichlstüberl“.
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Der Verstorbene vor seinem Lebenswerk: Herbert Messing war 31 Jahre der Wirt des „Eichbichlstüberl“.

Der langjährige Wirt des „Eichbichlstüberl“, Herbert Messing, starb mit 67 Jahren an Corona

„Er hatte richtig Lust auf das Leben“

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Herbert Messing war eine Institution in Habach: 31 Jahre war er der Pächter des dortigen „Eichbichlstüberls“. Ende 2018 ging er zusammen mit seiner Frau Ingrid in den wohl verdienten Ruhestand. Nun ist der beliebte Wirt im Alter von 67 Jahren verstorben.

Habach – Das „Eichbichlstüberl“ war über Jahrzehnte das Reich von Herbert Messing. Die gemütliche Wirtschaft, von den Einheimischen liebevoll „Hütt‘n“ genannt, war das Lebenswerk des gebürtigen Warsteiners (Nordrhein-Westfalen) und das seiner Frau. Hierher kamen die Ortsvereine zu Versammlungen, hier traf sich die Stammtischrunde und hier wurden Hochzeiten, Geburtstage und Kommunionen gefeiert. Ganz zu schweigen von den vielen Ausflüglern, die das Ehepaar Messing bewirtete.

„Er hat gearbeitet bis ans Limit“, erinnert sich Josef Freisl an den Verstorbenen, in dessen Wirtschaft er oft Gast gewesen war. Mit seiner Art, seine Gäste zu bewirten und zu umsorgen, habe sich Messing als Wirt „einen Mythos aufgebaut“, der weit über die Dorfgrenzen hinausreiche, ist der Habacher Freisl überzeugt. „Er hat aus der ,Hütt‘n’ unheimlich viel gemacht.“

Vor gut zwei Jahren ging das Ehepaar Messing nach Jahrzehnten voller Arbeit dann in den Ruhestand – schweren Herzens, wie Herbert Messing damals im Gespräch mit der Heimatzeitung sagte. Pläne für seine Rente hatte er aber so einige, wie Freisl weiß, denn: „Er hatte richtig Lust auf das Leben.“

Ihr Mann habe eine überbordende Lebensenergie gehabt, sagt Messings Ehefrau Ingrid. Über 30 Jahre waren sie verheiratet, „und mit meinem Mann war es immer turbulent“, erinnert sie sich. „Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann wurde das auch durchgezogen“, erzählt sie und denkt dabei an die vielen privaten Projekte, die ihr Mann allein in den letzten zwei Jahren seines Ruhestandes noch angepackt und umgesetzt hat. „Er war ein leidenschaftlicher Hobbyhandwerker und unermüdlich.“ Nachdem er das „Eichbichlstüberl“ abgegeben hatte, habe er sein Haus mit dem großen Garten endlich so richtig genießen können, habe zum Beispiel neue Terrassen angelegt und eine Außenküche gebaut, in der das Ehepaar oft Gäste bewirtete – denn das blieb auch im Ruhestand Herbert Messings Leidenschaft. Immerhin war dessen ganzes Leben von der Gastronomie geprägt, wie Ehefrau Ingrid sagt. Als gelernter Hotelfachmann arbeitete Herbert Messing unter anderem im Hotel „Seidlpark“ in Murnau als Hotelmanager, bevor er Anfang der 1980er Jahre eine Kneipe in der Marktgemeinde übernahm.

1987 wurde das Ehepaar dann Pächter des „Eichbichlstüberls“. „Das wurde meinem Mann mehr oder weniger angeboten“, so Ingrid Messing. Doch die Anfangszeit in Habach sei nicht leicht gewesen. Viel gab es in der Wirtschaft herzurichten, und die ersten fünf Jahre lebte das Paar mit seinen zwei Söhnen sogar in der „Hütt‘n“ – auf 15 Quadratmetern. Dann wurde ein Haus gebaut, wobei ihr Mann auf der Baustelle vielfach selbst mitangepackt habe, sagt Ingrid Messing. „Er war ein totaler Kämpfer und immer positiv.“

Auch als er sich mit dem Coronavirus angesteckt habe, sei ihr Mann sicher gewesen, dass er wieder gesund werden würde – trotz seines Status als Risikopatient. Doch er irrte sich. „Mein Mann ist innerhalb von zehn Tagen gestorben“, sagt Ingrid Messing, die alle, die das Virus kleinzureden versuchen, eindringlich vor der Lungenkrankheit warnen will. An ihrem Geburtstag seien bei Herbert Messing die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet worden, denn: „Seine Lunge war irreparabel geschädigt.“

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