Abschied aus dem Grünen: Einen großen Garten wie im Habacher Pfarrhof wird Peter Seidel in Augsburg nicht mehr haben. In der Stadt wird er in einer Wohnung leben. „Aber mit Balkon“, sagt er.
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Abschied aus dem Grünen: Einen großen Garten wie im Habacher Pfarrhof wird Peter Seidel in Augsburg nicht mehr haben. In der Stadt wird er in einer Wohnung leben. „Aber mit Balkon“, sagt er.

Von der Pfarreiengemeinschaft Habach nach Augsburg

Pfarrer Peter Seidel vor dem Abschied: „Es war eine intensive Zeit hier“

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Nach knapp sieben Jahren wird Pfarrer Peter Seidel die Pfarreiengemeinschaft Habach im Sommer verlassen, um seine neue Stelle als Personalreferent für die Priester im Bistum Augsburg anzutreten – ein Abschiedsgespräch über runde Geburtstage, neue Herausforderungen und darüber, was es vor dem Kofferpacken noch so alles zu tun gibt.

Habach/Antdorf/Sindelsdorf/Obersöchering – Nein, leicht fällt ihm der Abschied nicht, gibt Peter Seidel zu. Aber Ende Juni werde er 50 Jahre alt – eine Zäsur zwar, aber noch nicht zu spät, um eine neue Herausforderung anzupacken, die sich einem bietet, findet er.

Knapp sieben Jahre war Seidel Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Habach, in der die Pfarreien Habach, Sindelsdorf, Obersöchering und Antdorf vereint sind. Ende Juni wird er nun seine Koffer packen und nach Augsburg umziehen. Ab 1. September wird er hier, in der diözesanen Hauptabteilung „Personal/Planung“, die Personalplanung und den Personaleinsatz der Geistlichen wesentlich mitverantworten.

Beworben für diese Stelle habe er sich nicht, sagt Seidel. Eigentlich hatte er vor, noch einige Jahre in Habach zu bleiben. „Aber ich bin gefragt worden“, erzählt er. Zuerst habe er zwar gezögert, sich nach reiflicher Überlegung aber für den Wechsel entschieden, denn – wie gesagt – „mit 50 kann man eine neue Herausforderung noch anpacken“. Mit 60 Jahren sei das vielleicht nicht mehr so einfach möglich.

Pfarrer Seidel: „Mit 50 kann man eine neue Herausforderung noch anpacken“

„Es war eine intensive Zeit hier“, bilanziert der 49-Jährige seine Jahre im Oberland. Arbeitsintensiv, aber auch geprägt von Natur seien diese Jahre gewesen. Es habe Zeiten gegeben, da habe er in zwölf Monaten 47 Kinder getauft und 20 Hochzeiten gefeiert sowie an unzähligen Feierlichkeiten teilgenommen und außerdem 50 Beerdigungen abgehalten – und das überwiegend alleine, denn bis vor zwei Jahren habe er außer der Gemeindereferentin unter der Woche keine Unterstützung gehabt, erinnert er sich. Erst vor zwei Jahren habe er mit Pater Hermann Sturm geistliche Unterstützung auch an den Werktagen bekommen. Zum Glück, sagt Seidel, habe es in der Pfarreiengemeinschaft stets viele ehrenamtliche Helfer gegeben. Dieses große Engagement der Menschen: „Das war wirklich schön hier.“

Dass er 2014 von seiner Pfarrstelle in Günzburg in die Pfarreiengemeinschaft wechselte, sei sein Wunsch gewesen. Als gebürtiger Allgäuer habe es ihn zurück an die Berge gezogen. Sieben Jahre später kann er dankbar sagen: „Ich war gerne hier.“

Rund 3400 Katholiken in der Pfarreiengemeinschaft Habach

Viel Freude habe es ihm gemacht, die Kinder in den Schulhäusern in Habach und Obersöchering im Fach Religion zu unterrichten. Regelmäßig besuchte er die alten Menschen der Pfarreiengemeinschaft, die in Seniorenheimen der Umgebung leben oder in Krankenhäusern in Penzberg oder Murnau liegen. Dass sie Trost von „ihrem“ Pfarrer bekamen, sei ihm sehr wichtig gewesen. „Und ich habe versucht, den Mitarbeitern in der Pfarreiengemeinschaft möglichst viel Freiheiten zu geben, um neue Sachen auszuprobieren.“ Eng war der Kontakt hier mit den rund 3400 Katholiken der Pfarreiengemeinschaft. Im Laufe der Zeit „sind wir sehr zusammengewachsen. Das freut mich.“

In der Pfarreiengemeinschaft war Seidel als Seelsorger viel unterwegs und wenig am Schreibtisch in seinem Büro – in Augsburg wird sich das ändern. Denn als Personalreferent werde er quasi „Personalchef für die Pfarrer im Bistum Augsburg“ – und das seien etwa 600 Personen. Er werde sich unter anderem mit deren Versetzungen beschäftigen, Probleme zwischen Pfarreien und Pfarrern lösen oder Predigtprüfungen abnehmen müssen.

Pfarrer Seidel: Das Oberland wird er vermissen

Statt in der Seelsorge tätig zu sein, werde er sich in Augsburg künftig überwiegend mit Verwaltungsangelegenheiten befassen. Angst hat er davor nicht, denn: „Verwaltung und Organisieren: Das kann ich.“ Wenigstens ein bisschen wolle er aber auch in Augsburg aktiv als Pfarrer mithelfen, denn: „Seelsorge ist mir wichtig.“ Völlig fremd ist ihm die Stadt in Schwaben dabei nicht. Hier hat Seidel vier Jahre während seines Studiums gelebt und anschließend zwei Jahre als Kaplan gearbeitet. Das Oberland werde er aber schon vermissen, ist er sich sicher. Viel sei er hier in seiner Freizeit mit dem E-Bike unterwegs gewesen. Außerdem seien während der vergangenen knapp sieben Jahre einige Freundschaften entstanden. Wenigstens ein paar davon, so hofft er, werden trotz Entfernung überdauern. Um diese Beziehungen zu pflegen, wolle er auch immer wieder einmal zu Besuch kommen.

Zum Koffer packen wird Seidel vermutlich erst kurz vor seinem letzten Arbeitstag am 30. Juni kommen. Blättert er in seinem Terminkalender, so sind die nächsten Wochen gefüllt mit Taufen und Hochzeiten. Viele der Gläubigen, sagt er, wollen diese Sakramente noch von ihm empfangen. Auch die Erstkommunion, die coronabedingt auf Juni verschoben worden sei, wolle er noch durchführen. Und für Christi Himmelfahrt liefen die Planungen zu einem großen Pfarrfest.

Nachfolge in Pfarreiengemeinschaft ist noch offen

Wer sein Nachfolger wird, das sei noch offen. Im Juli und August werde vorübergehend Pfarrer Justus aus Nigeria kommen, der vor zwei Jahren schon einmal in der Pfarreiengemeinschaft gearbeitet hat, so Seidel. Zum 1. September sollte die freie Pfarrerstelle dann besetzt sein. „Ich wünsche mir, dass es gut weitergeht“, sagt Seidel. Er hoffe, dass der neue Geistliche ein „Menschenfreund“ sein wird. Ein Seelsorger, der sich erst in Ruhe einlebt und sich alles ansieht, und der auf Augenhöhe mit den Gläubigen umgeht.

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