Der ist-Zustand im Hochwasserfall

Millionenschweres Projekt

Habach: Neues Bauland nur mit Hochwasserschutz

  • Franziska Seliger
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Millionenschwer ist das Hochwasserschutz-Projekt, dass die kleine Gemeinde Habach realisieren will – zum Schutz der Bestandsgebäude im Dorf und seinen Ortsteilen. 

Habach – Vereinfacht gesagt kann man das Projekt, mit dem Habach seinen Hochwasserschutz verbessern möchte, in zwei Teile gliedern: Der erste umfasst die Erhöhung des Dammes am bestehenden Hochwasserweiher sowie den Bau einer rund 30 Meter langen Schutzmauer entlang des durch Habach fließenden Heubachs im Bereich des ehemaligen Raiffeisen-Gebäudes. „Die Planungen dafür sind eigentlich seit November letzten Jahres fertig“, erläuterte Bürgermeister Michael Strobl am Rande der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens habe die erste öffentliche Auslegung mit der Beteiligung der Behörden allerdings noch nicht stattfinden können. Alle Unterlagen lägen noch beim Landratsamt. „Jetzt läuft es aber wieder an.“ Strobl schätzt, dass die Behördenbeteiligung drei bis vier Monate dauern wird. Da mit ihnen „alles vorbesprochen“ sei hofft er, dass keine großen Einwände zu den geplanten Hochwasserschutz-maßnahmen vorgebracht werden und eine zweite Auslegung der Pläne nicht notwendig sein wird. Dann könnten die Baumaßnahmen noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden und möglicherweise 2021 vorgenommen werden.

Hochwasserschutz gliedert sich in zwei Bauabschnitte

Doch anders als dieser erste Teil des Projekts, steckt der zweite Teil noch in den Kinderschuhen. Dabei soll der Heubach im Weiler Gratzlmühle ausgebaut werden. Außerdem ist der Bau einer neuen Brücke im Ortsteil Dürnhausen geplant. Ein weiterer wichtiger Schritt in diesem Bauabschnitt 2 ist es, die zwei großen Zuläufe in den Heubach – aus Richtung der Höhlmühle sowie von der Hofheimer Straße kommend – hochwassersicher zu machen. Geschehen soll das laut Strobl durch den Bau eines zum Teil offenen, zum Teil geschlossenen Flutgrabens, der von der Höhlmühle herab verlaufen soll. Aus Richtung der Hofheimer Straße sollen die Wassermassen durch eine Geschiebesperre sowie einen Flutgraben gebändigt werden.

Wie Strobl erläutert, ist es hier die Umgehungsstraße, die das Hochwasserproblem für Habach verschärft. Denn wegen der Straße könne das von den Hängen herabfließende Wasser nur an zwei Stellen unter der Straße durch. Dadurch würden die Wassermassen im Hochwasserfall kanalisiert und träfen Habach mit voller Wucht. Seine Gemeinde fordere deshalb, dass der Freistaat als Eigentümer der Straße sich an den Kosten für die Schutzmaßnahmen beteiligt. Diesbezügliche Gespräche hat die Gemeinde unter anderem bereits mit dem Landtagsabgeordneten Harald Kühn sowie Vertretern des staatlichen Bauamts geführt. Hier wolle man vor weiteren Verhandlungen aber konkrete Pläne sehen, fasst Strobl die Gespräche zusammen. Bis Jahresende könnten die Planungen für Teil 2 stehen, hofft Strobl.

Hochwasserschutz in Habach: Finanzierung noch unklar

Was ihn in diesem Zusammenhang noch ärgert ist die Tatsache, dass es sich bei den Heubach um ein „Gewässer dritter Ordnung“ handelt, für deren Unterhalt die Gemeinde zuständig ist. Ungerecht findet das der Bürgermeister, da das Wasser der umliegenden Gemeinden Hofheim und Söchering in den Heubach fließe und so die Hochwasserproblematik für Habach verschärfe. „Aber wir werden hier allein gelassen“, kritisiert er. Denn wie seine kleine Gemeinde das Gesamtprojekt finanzieren soll, steht noch in den Sternen. Vor einigen Jahren sei es auf rund fünf Millionen Euro geschätzt worden. Zwischen 45 und 75 Prozent staatliche Zuschüsse der förderfähigen Kosten seien zwar denkbar. Sicher seien diese Gelder indes noch nicht. Und wenn, dann nur unter hohen Auflagen, die die Kosten für die Gemeinde weiter in die Höhe treiben werden, fürchtet Strobl. Allein der erste Teil, der nächstes Jahr realisiert werden soll, werde auf etwa eine Millionen Euro geschätzt. Minimum. Ihn könnte sich die Gemeinde aber auch ohne Zuschüsse leisten, so Strobl. Wann der zweite Teil umgesetzt werden kann, sei unklar, denn: „Es muss finanzierbar sein.“

Diese Gebiete profitieren vom Hochwasserschutz

Etwa 70 bestehende Grundstücke sowie zwei geplante Neubaugebiete würden vom verbesserten Hochwasserschutz in Habach profitieren. Letztere sind sogar nur realisierbar, wenn zumindest der erste Teil des Projekts umgesetzt wurde. Konkret geht es um den neuen Bebauungsplan „Kirchwies“ sowie die Änderung des daran angrenzenden Ortskernbebauungsplans. Etwa 20 Ein- und Zweifamilienhäuser sowie ein Mehrfamilienhaus plant die Gemeinde derzeit auf der „Kirchwies“ zu errichten. Die Häuser sollen im Einheimischenmodell entstehen. Das Mehrfamilienhaus möchte die Gemeinde im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus vermieten. Westlich des Areals sollen im Dorfgebiet zwei neue Doppelhäuser entstehen. Bis Ende 2021 sollen der neue Bebauungsplan „Kirchwies“ sowie der geänderte Ortskernbebauungsplan zur Satzung gebracht werden, so Strobl. Dann könnten die Grundstücke bebaut werden – immer unter der Voraussetzung, dass der erste Teil des Hochwasserschutzes umgesetzt wurde. Denn noch liegen die künftigen Baugrundstücke im vom Hochwasser gefährdeten Bereich und würde im Hochwasserfall absaufen.

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