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Stolz präsentieren (v.l.) Karl-Gerog Nicklbauer (Staatliches Bauamt Weilheim), Kirchenpfleger Jakob Feigl, Pfarrer Peter Seidel und Ortschronist Josef Freisl einen der frischrestaurierten Beichtstühle.

Eingelagert in Tenne

Wiederentdeckt nach einem halben  Jahrhundert - vier neue alte Beichtstühle für Habach

Über ein halbes Jahrhundert lagerten sie in der Tenne im Habacher Pfarrhof. Kurz vor Weihnachten wurden nun vier kunstvolle Beichtstühle aus der Chorherrenzeit in der Habacher Kirche wieder aufgestellt.

VON FRANZISKA SELIGER

Habach – Die Beichtstühle, die seit Kurzem wieder den Innenraum von St. Ulrich schmücken, sind von stattlicher Größe, aus Nussbaumholz gefertigt, mit feinen Intarsien-Arbeiten verziert und stammen laut dem Habacher Ortschronisten Josef Freisl vom Kleinweiler Kistler Simon Miller (1707 bis 1764).

Wiederentdeckten Beichtstühle sind aus dem Jahr 1737

Aus alten Kirchenrechnungen gehe hervor, dass dieser Mann, ein Tischler aus „Clainweyl“, die Beichtstühle 1737 gefertigt habe, berichtete Freisl bei der offiziellen Vorstellung der Beichtstühle. Entdeckt hat die hölzernen Schätze der Habacher Kirchenpfleger Jakob Feigl.

Er hat bereits im Sommer 2018 darauf hingewiesen, dass die Beichtstühle im Pfarrhof eingelagert sind. In Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem staatlichen Bauamt Weilheim und der Pfarrei wurde daraufhin ihre Wiederaufstellung im Kirchenraum beschlossen.

Beichtstühle wurden restauriert und wieder in die Kirche gebracht

Dazu mussten zunächst freilich alle Einzelteile der Beichtstühle zusammengesucht werden, damit die Kirchenmöbel fast authentisch restauriert werden konnten. Sogar die Aufsatzgemälde seien gefunden worden, so Freisl. Der Maler Mathias Allezer aus Riegsee habe die drei Bildnisse – St. Peter, David und Magdalena – für die oberen Aufsätze an drei der Beichtstühle geschaffen. „Es ist ein Riesenzufall, dass alles noch da ist“, sagte Karl-Georg Nicklbauer vom Staatlichen Bauamt Weilheim.

Alte Beichtstühle: Ortschronist forschte nach

Ortschronist Freisl hat zu dem Aussehen der Habacher Beichtstühlen recherchiert und herausgefunden, dass seit dem 17 Jahrhundert Beichtstühle vorgeschrieben waren, die eine räumliche Abtrennung der Beichtenden vom Priester aufwiesen. „Vor dieser Zeit war ein offener Stuhl für den Priester im Altarbereich üblich neben dem der Beichtende kniete“, so Freisl. Außerdem seien die Habacher Beichtstühle – entsprechend der Sitte ab dem 17. Jahrhundert – symmetrisch dreiteilig gegliedert: Im Mittelteil eine Sitzbank für den Priester und in den Seiten-Nischen rechts und links davon Kniebänke für die Beichtenden.

Der Mittelteil ist durch Seitenwände, deren Öffnung mit Gitterwerk versehen ist, gegenüber den Seitenteilen abgegrenzt. „Die Gitter sind bemalt und brandgeschnitten“, erläuterte Nickelbauer. Eine „Wahnsinnsarbeit“ sei das damals gewesen.

Zum Wert der Beichtstühle und zu den Kosten für deren Restaurierung möchte Freisl nichts sagen. Übrigens: Zur Beichte genutzt werden sollen die stattlichen Kirchenmöbel nicht mehr, sagt Peter Seidel. „Aber sie gehören einfach zu unserer Kirche dazu“, betonte der Pfarrer.

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