Die Dammerhöhung am Habacher Hochwasserweiher ist eine wichtige Maßnahme im Gesamtprojekt für mehr Hochwasserschutz in der Gemeinde. Nun hat ein Unternehmer der Kommune eine wichtige benötigte Fläche weggeschnappt.
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Die Dammerhöhung am Habacher Hochwasserweiher ist eine wichtige Maßnahme im Gesamtprojekt für mehr Hochwasserschutz in der Gemeinde. Nun hat ein Unternehmer der Kommune eine wichtige benötigte Fläche weggeschnappt.

Benötigte Fläche vor der Nase weggeschnappt

Herber Rückschlag beim Hochwasserschutz

  • Franziska Seliger
    VonFranziska Seliger
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Das für die Ortsentwicklung so wichtige Hochwasserschutzprojekt der Gemeinde Habach ist ins Stocken geraten. Eine dafür dringend benötigte Fläche wurde der Kommune regelrecht vor der Nase weggeschnappt – und das scheinbar mit voller Absicht, wie in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu hören war.

Habach – Millionenschwer ist das Hochwasserschutz-Pro-jekt, dass die kleine Gemein-de Habach realisieren will –zum Schutz der Bestandsge-bäude im Dorf und seinen Ortsteilen. Aber auch, um überhaupt neue Baugebiete wie etwa auf der Kirchwiese erschließen zu können.

Die gesamte Maßnahme besteht dabei aus mehreren Einzelprojekten. Eine wesentliche Teilmaßnahme dabei setzt sich wiederum aus zwei Projekten zusammen: zum Einen muss der Damm am bestehenden Hochwasserweiher erhöht werden. Im Rahmen dieser Baumaßnahme soll auch eine Fischtreppe angelegt werden. Zum Zweiten soll entlang des Heubachs eine rund 30 Meter lange Schutzmauer im Bereich des ehemaligen Raiffeisengebäudes errichtet werden. Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt hatten ihre Genehmigungen dafür bereits im Frühling erteilt (wir haben berichtet). Nun der Rückschlag: Wie Bürgermeister Michael Strobl in der jüngsten Gemeinderatssitzung sagte, habe jemand der Gemeinde die benötigte Fläche zur Dammerhöhung und zum Bau der Fischtreppe regelrecht weggeschnappt. Ein Unternehmer aus dem Ort, präzisierte Strobl auf Nachfrage, habe kürzlich eine Fläche von etwa 1000 Quadratmetern von der ursprünglichen Besitzerin durch Tausch erworben. Und das zu einem Zeitpunkt, als die Gemeinde nur ganz kurz davor gewesen sei, die Fläche von der Eigentümerin zu kaufen.

Dass der neue Eigentümer der Fläche, von der die Kommune für ihr Projekt etwa 588 Quadratmeter benötigen würde, ganz bestimmt Absichten mit diesem Schachzug verfolgt, liegt für Strobl auf der Hand. Der Unternehmer habe der Gemeinde bereits signalisiert, dass er bei einem Verkauf an die Kommune „ein gewisses Entgegenkommen“ erwarte, so Strobl – ein Verhalten, das vom Gemeinderat als glatte Erpressung gesehen werde.

„Das kann dann wirklich katastrophal werden“

„Das Ganze ist sehr traurig“, sagte Strobl. Er findet es „krass“, dass jemand mit der Hochwasser-Not der Gemeinde und seiner Bewohner Geschäfte machen will. Denn die Hochwasserlage spitze sich durch die zunehmenden Starkregen-Ereignisse beständig zu, so Strobl. Sollte sich über dem Dorf so eine Unwettersituation ereignen wie kürzlich in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, wäre das Dorf mit seinem derzeitigen Hochwasserschutz „auf alle Fälle riesig“ gefährdet. „Das kann dann wirklich katastrophal werden.“ Dabei könne der neue Eigentümer mit der Fläche noch nicht einmal etwas anfangen, da das Areal für ihn „völlig unzugänglich“ sei. Hätte der Unternehmer die Fläche durch Kauf erworben, hätte die Gemeinde nun zumindest ein Vorkaufsrecht. Doch da es sich aber um einen Flächentausch zwischen zwei Eigentümern gehandelt habe, gäbe es dieses Vorkaufsrecht nicht.

Statt also wie geplant Dammerhöhung und Mauerbau zeitgleich zu realisieren, muss die Gemeinde nun umplanen. In der Sitzung beschlossen die Räte deshalb, zunächst den Bau der Schutzmauer entlang des Heubachs zu bauen. Sie soll auf Gemeindegrund errichtet werden. Einstimmig votierte das Gremium unter anderem dafür, die Ausschreibung zu starten. Wenn das Wasserwirtschaftsamt den so genannten „vorzeitigen Maßnamenbeginn“ genehmigt habe, könne der Mauerbau im Anschluss starten, so Strobl. Das Okay der Weilheimer Behörde sei wichtig für eine mögliche Förderung. Als Fertigstellungstermin schwebt dem Gemeinderat der erste Mai 2022 vor.

Auch Zuläufe werden berücksichtigt

Was die Erhöhung des Dammes betrifft, so könne diese Maßnahme erst durchgeführt werden, wenn die Fläche dafür in Gemeindebesitz ist, so Strobl, der bereits versuche, Gespräche mit dem neuen Eigentümer zu führen. Eine weitere Teilmaßnahme, die aber erst 2023/24 angepackt werden soll, betrifft die Seitenzuläufe in den Heubach aus Richtung der Höhlmühle sowie von der Hofheimer Straße kommend. Diese Zuläufe sollen hochwassersicher gemacht werden. Ein dritter Teil, der möglicherweise 2026 umgesetzt werden könnte, betrifft den Koppenbergweiher und die hochwassersichere Ableitung seines Wassers in den Heubach.

Die Kosten für das Gesamt-projekt sind für die kleine Ge-meinde immens. Allein der erste Teil mit Dammerhöhung und Mauerbau wurde ursprünglich mit 1,05 Millionen Euro veranschlagt. Dass Dammerhöhung und Mauerbau nun nicht parallel durchgeführt werden können, wird sich laut Strobl aber wohl nicht auf die Kosten auswirken. Für den Mauerbau allein rechnet er mit Kosten von rund 200 000 Euro. 65 Prozent davon könnten gefördert werden.

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