1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Habach

Hochwasserschutz: Habach greift durch und strebt Enteignung an

Erstellt:

Von: Franziska Seliger

Kommentare

Die Dammerhöhung an Habachs Hochwasserweiher ist eine wichtige Maßnahme im Gesamtprojekt für mehr Hochwasserschutz in der Gemeinde. Nachdem ein Unternehmer der Kommune eine wichtige benötigte Fläche wegschnappte, strebt Habach nun eine Enteignung an.
Die Dammerhöhung an Habachs Hochwasserweiher ist eine wichtige Maßnahme im Gesamtprojekt für mehr Hochwasserschutz in der Gemeinde. Nachdem ein Unternehmer der Kommune eine wichtige benötigte Fläche wegschnappte, strebt Habach nun eine Enteignung an. © Seliger/Archiv

Den Hochwasserschutz zu verbessern ist eines der zentralen Projekte der Gemeinde Habach in diesem Jahr. Um es endlich anzupacken, will man jetzt zu harten Maßnahmen greifen. Die Ortsumfahrung von Dürnhausen mit der Querverbindung Richtung Antdorf steht dagegen auf der To-Do-Liste für 2022 deutlich weiter hinten.

Habach – Michael Strobl findet klare Worte, um die Gefährdungslage für seine Gemeinde im Falle von Starkregenereignissen zu beschreiben. „Uns in Habach kann das genauso passieren wie im Ahrtal“, betont der Habacher Bürgermeister. Er ist überzeugt, dass sich eine Flutkatastrophe, wie sie sich im vergangenen Jahr an der Ahr ereignet hat, auch in seinem oberbayerischen Dorf ereignen könnte. Denn Habachs Lage in einer Mulde, in Kombination mit dem Heubach, der aus Richtung Westen durch den Ort fließt und von zahlreichen Zuläufen gespeist wird, sei sehr gefährlich.

„Uns in Habach kann das genauso passieren wie im Ahrtal“

Um den Ort hochwassersicher zu machen, hat die Gemeinde bereits vor Monaten ein Hochwasserkonzept beschlossen. Dieses sieht als wesentlichen Baustein die Erhöhung des Dammes am örtlichen Hochwasserweiher vor. Doch weil ein ortsansässiger Unternehmer der Kommune das dafür benötigte Grundstück im Sommer 2021 regelrecht vor der Nase weggeschnappt hatte, konnte die Maßnahme bisher nicht angegangen werden (wir berichteten). Nun möchte die Gemeinde, die sich vom neuen Eigentümer der Fläche erpresst fühlt, der Sache ein Ende setzen.

Laut Strobl hofft die Gemeinde auf Rechtsbeistand durch das Landratsamt. Dann werde man die so genannte „vorzeitige Besitzeinweisung“ beantragen. Dabei handelt es sich um eine Besonderheit des Enteignungsrechts. Die vorzeitige Besitzeinweisung ist für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen, die derart dringend sind, dass Projektträger noch vor dem Abschluss eines Enteignungsverfahrens zum Wohl der Allgemeinheit mit ihnen beginnen müssen. Im Falle des Ausbaus des Hochwasserschutzes von Habach sei das so, betont Strobl.

Wenn die vorzeitige Besitzeinweisung durch sei, könne mit der Ausschreibung für die rund 1,5 Millionen Euro teure Maßnahme begonnen werden. Strobl hofft sehr, dass das Projekt noch 2022 realisiert werden kann.

220.000 Euro für Schutzmauer entlang des Heubachs

Sicher umgesetzt werde heuer indes ein anderer Teilbereich im Gesamtprojekt Hochwasserschutz: der Bau einer rund 30 Meter langen Schutzmauer entlang des Heubachs. Wenn das Wetter mitspiele, könne damit schon „in den nächsten Wochen“ begonnen werden. Etwa 220.000 Euro werde dieser Mauerbau kosten. Sowohl dafür als auch für die Dammerhöhung rechnet Strobl aber mit Zuschüssen von jeweils etwa 60 Prozent.

Ebenfalls ein Projekt in diesem Jahr: die Schließung eines Trinkwasser-Notverbunds mit Penzberg. Wie berichtet, hatten sich Stadt und Gemeinde 2021 auf die Aufteilung der Kosten geeinigt. „Jetzt können wir es angehen.“ Ziel sei es, Habach im Falle von Problemen mit dem eigenen Brunnen mit Trinkwasser aus Penzberg versorgen zu können.

Weitere Projekte: Glasfaser und Schulsanierung

Außerdem möchte das Dorf seinen Glasfaserausbau vorantreiben. Bisher sei lediglich das Rathaus mit Glasfaser bis ins Haus erschlossen, so Strobl. In den nächsten zwei Jahren soll der Ausbau auch für Privatgebäude und das Schulhaus vorangetrieben werden. Derzeit sei aber noch nicht klar, ob die Telekom oder der regionale Netzbetreiber Avacomm den kostenlosen Ausbau machen werde.

Apropos Schule: Hier wurde zwar in der Vergangenheit bereits einiges saniert. Abgeschlossen sind die Arbeiten aber noch nicht. Teilweise müssten noch Fußböden und Decken in den Klassenzimmern in Stand gesetzt oder Fenster energetisch saniert werden, so Strobl. Ob das heuer passiert, werde aber erst bei den anstehenden Haushaltsberatungen besprochen. Insgesamt rund 950.000 Euro, schätzt der Bürgermeister, koste die komplette Maßnahme, für die er aber mit Zuschüssen von etwa 60 Prozent rechnet.

Heuer noch Bau des neuen Bauhofs?

Bei den Etat-Beratungen will der Gemeinderat auch darüber diskutieren, ob es sich die Kommune leisten kann, ihren Bauhof heuer zu bauen oder nicht. Auf rund zwei Millionen Euro schätzt Strobl das Vorhaben im örtlichen Gewerbegebiet. Zuschüsse dafür gäbe es keine. Sollte es angepackt werden, dann möglicherweise im Herbst.

„Auf alle Fälle noch heuer“, soll laut Strobl das neue Baugebiet an der Kirchwies erschlossen werden. Und die Feuerwehr soll einen neuen Gerätewagen Logistik (GW L1) bekommen – eine Ersatzbeschaffung für das etwa 40 Jahre alte Bestandsfahrzeug.

Was die geplante Querverbindung vom Habacher Kreisverkehr zur Alten Antdorfer Straße und die damit verbundene Verkehrsberuhigung für den Ortsteil Dürnhausen betrifft, so werden die Arbeiten heuer wohl nicht beginnen, schätzt Strobl – auch wenn das Staatliche Bauamt Weilheim einen Baubeginn für Herbst in Aussicht gestellt habe. 2022 müsse zunächst das Planfeststellungsverfahren genehmigt werden, so Strobl. Das brauche seine Zeit.

Auch interessant

Kommentare