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Ohne Schuhe über Stock und Stein: Die neunjährige Maria aus Habach wanderte in den Sommerferien barfuß über fünf Bergpässe.

Auch von Schlangen ließ sie sich nicht abschrecken

Maria (9) aus Habach: Barfuß zu den Alpengipfeln

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Insgesamt 5000 Meter hoch und 60 Kilometer weit wanderte die neunjährige Maria Weis mit ihrer Familie durch die Alpen im nördlichen Piemont – und das ohne Schuhe.

Habach – Weiches Gras, kleine Kiesel und schroffe Steinplatten: Auf ihrem Weg durch die piemontesischen Alpen spürte die neunjährige Maria aus dem Habacher Ortsteil Dürnhausen die Natur bei jedem Schritt unter ihren Füßen. Gemeinsam mit ihren Eltern, deren Freunden aus Peißenberg und Stuttgart sowie zwei Hunden lief sie in den Sommerferien entlang des italienischen Weitwanderwegs „Grande Traversata delle Alpi“, kurz GTA. Die Tour führte die sechsköpfige Gruppe knapp eine Woche lang über fünf Bergpässe: insgesamt 5000 Höhenmeter, 60 Kilometer weit. Maria legte die gesamte Strecke barfuß zurück.

„Die Idee, ohne Schuhe zu wandern, hatte unsere Tochter schon vor einiger Zeit“, sagt ihre Mutter Birgit Weis. Bereits vor der großen Tour startete Maria einen Probelauf: Bei einer Wanderung über den Wörnersattel bei Mittenwald meisterte sie den Abstieg ohne Schuhwerk. „Sie hat uns erklärt, dass sie damit berühmt werden will“, sagt Weis.

Die Stiefel passten nicht mehr

Als es schließlich ins italienische Forno in der Region Piemont ging, wo die Wanderer ihre Tour begannen, hatte Birgit Weis die Stiefel ihrer Tochter natürlich trotzdem eingepackt. Dass diese dem Mädchen nicht mehr so gut passten, trug zu dessen Entscheidung bei, den kompletten Weg barfuß zurückzulegen. „Bevor wir losgewandert sind, habe ich sie die Schuhe probieren lassen. Die Stiefel waren vom letzten Jahr und ein bisschen knapp, aber es wäre noch gegangen. Zur Not hätte ich ihr die Einlegesohlen rausgemacht“, sagt sie.

Während die Eltern einverstanden waren, reagierte die italienische Hausherrin der kleinen Unterkunft in Forno entsetzt auf das Vorhaben der Neunjährigen. „Ohne Schuhe, das geht auf gar keinen Fall, hat sie gesagt“, erinnert sich Weis, „schließlich gebe es in dem Gebiet Schlangen.“ Trotz der Warnung machte sich Maria ohne sicheres Schuhwerk auf den Weg – ihre Stiefel hatte ihre Mutter im Gepäck.

Maria sorgt für viel Gesprächsstoff

Von Forno aus wanderte die Gruppe über verschiedene Pässe bis zum Monte Rosa bei Alagna, zwei Mal wurde sie dabei vom Regen überrascht. Der Weg führte sie durch ursprüngliches und zum Teil einsames Gelände. Übernachtet wurde in speziell für Wanderer des GTA eingerichteten Unterkünften. „Uns hat gewundert, dass wir auf der ganzen Route keine Familien mit Kindern getroffen haben“, sagt Weis, „es waren nur ältere Leute oder jüngere Pärchen unterwegs, meist Deutsche oder Schweizer.“

Für Gesprächsstoff sorgte ihre barfüßige Tochter bei beinahe jedem Zusammentreffen. „Auffällig war, dass Männer und Frauen ganz unterschiedlich reagiert haben. Ein Bergführer zum Beispiel fand die Aktion super – mehrere Frauen haben aber gesagt, dass sie das viel zu gefährlich finden“, sagt sie. Trotz vieler Warnungen überstand Maria die Tour ohne Wunden oder Blasen. Lediglich die Hornhaut sei ein bisschen dicker geworden, sagt ihre Mutter. Gejammert habe die Neunjährige im Übrigen kein einziges Mal.

Ein Berg-Fex? Von wegen!

„Eigentlich geht sie gar nicht so gerne in die Berge“, sagt Weis, „für sie ist das Arbeit und nicht Urlaub. Aber man kann Maria gut motivieren – wir haben ihr zum Beispiel jeden Tag ein Eis versprochen.“

Doch war die Angst vor den Schlangen tatsächlich vollkommen unberechtigt? „Ich habe erst unterwegs ein Buch über Reptilien gefunden, in dem stand, dass es in der Region 14 verschiedene Schlangenarten gibt. Einige davon sollen auch besonders angriffslustig sein. Da wurde mir schon ganz anders“, sagt Weis. Glücklicherweise trafen die Wanderer die gesamte Strecke über auf keine aggressiven Exemplare. Lediglich gegen Ende ihrer Tour entdeckten sie eine kleine Schlange in einem Tümpel.

Auch im Alltag gern Barfuß

Woher genau Marias Einfall zum Barfuß-Wandern kam, kann sich Birgit Weis nicht genau erklären. „Wir haben sie nicht dazu animiert – aber ganz unschuldig bin ich auch nicht. Schon als Kleinkind habe ich sie oft ohne Schuhe laufen lassen“, sagt sie. Auch nach der Rückkehr aus den Alpen verzichtet Maria gern aufs Schuhwerk – zum Wandern wird es in Zukunft immer barfuß gehen. „Im Alltag sieht das natürlich anders aus. Bei Regenwetter zieht sie dann doch Gummistiefel an“, sagt sie.

Ob das Barfuß-Wandern schließlich zum Berühmtsein führt, das kann Birgit Weis ihrer Tochter nicht versprechen. „Das musst du schon über Jahre hinweg durchziehen, habe ich zu ihr gesagt.“

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