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Stein des Anstoßes: Der anfängliche Of fenstall am westlichen Ortsrand von Habach wurde im Laufe der Jahre erweitert

Antragstellerin wehrt sich gegen Ablehnung

Streit um Bauvorhaben in Habach

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Seit Jahren schwelt in Habach ein Streit zwischen einer Bauwerberin und der Gemeinde. Es geht um den Ausbau eines Pferdezuchtbetriebs.

Habach – Die Pferdezüchterin will eine Berge- und Maschinenhalle sowie eine landwirtschaftliche Betriebswohnung samt Büro und zwei Garagen errichten. Das Areal liegt am Lagerbichl im Außenbereich. Den Bauantrag Barbara Braun im August 2016 eingereicht, einen Monat später schmetterte ihn der Gemeinderat ab. Die Privilegierung des Betriebs sei nicht rechtens, zudem widerspreche das Vorhaben dem Habacher Landschaftsplan, der dort einen Schutz der Höhenlagen vorsehe, argumentierte Bürgermeister Michael Strobl stets. Auch das Landratsamt Weilheim versagte heuer im Mai seine Zustimmung.  Die Fronten sind verhärtet: Strobl sprach unlängst im Gemeinderat erneut von Schwarzbauten. Ein Vorwurf, den Antragstellerin Braun jetzt gegenüber der Heimatzeitung zurückweist. Sie hat Klage gegen den Ablehnungsbescheid eingereicht. Das Verfahren ist vor dem Münchener Verwaltungsgericht gelandet.

Die Pferdewirtschaftsmeisterin, mittlerweile in Penzberg-Obermaxkron beheimatet, legt Wert darauf, dass es sich bei ihrem Vorhaben weder um einen Hobbybetrieb noch um einen Reiterhof handelt. Sie betreibe die Pferdezucht im Vollerwerb, sagt Braun. Zudem handele es sich um einen anerkannten Ausbildungsbetrieb. Im Vorjahr war ein Lehrling da, im kommenden Februar soll der nächste Azubi folgen. Braun hat nach eigenen Angaben seit 1994 eine eingetragene Landwirtschaft. Erst auf der Hofstelle im Dorf; nach dem Hofverkauf 2009 erwarb sie den Stadl am Lagerbichl. Dort hatte sie 1996 mit einem Offenstall angefangen. Sie habe immer noch eine Privilegierung vom Landwirtschaftsamt für ihre Pferdezucht, sagt Braun. Die seit dem Erwerb des Stalls vorgenommenen baulichen Veränderungen nennt sie als für den Betrieb notwendige Arbeiten – was in seiner jetzigen Form auch so genehmigt sei. 2014 habe das Landratsamt das gemeindliche Einvernehmen dafür ersetzt. Braun vermutet: „Das war im Nachhinein der Gemeinde ein Dorn im Auge.“

Den Bauantrag für die Halle und eine Betriebswohnung begründet Braun mit dem gestiegenen Bedarf ihres Pferdezuchtbetriebs. „Das ist nur eine Erweiterung“, betont sie. Circa vier Hektar Grund nennt die Pferdewirtschaftsmeisterin am Lagerbichl ihr Eigen, dazu kommt die gleiche Anzahl an gepachteten Flächen. 18 Pferde, eigene und eingestellte, sind derzeit untergebracht. Dazu kommen fünf Zuchtstuten. Das Landwirtschaftsamt Fürstenfeldbruck hatte ihr am 10. November 2016 im Zuge ihres erfolglosen Bauantrags den Aufbau eines „hochwertigen Zuchtbestands“ bescheinigt. In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, heißt es weiter: „Wohnen vor Ort ist allein schon aufgrund der Betreuung des wertvollen Tierbestands zwingend erforderlich.“ Auch der Arbeitszeitbedarf „erfordert ständige Anwesenheit vor Ort“, bekam es Braun schriftlich. Zudem bestätigte ihr das Fachzentrum Pferdehaltung, zuständig für Oberbayern, Niederbayern und Schwaben, die Qualifikation als Züchterin und befürwortete ihren Antrag auf Anerkennung als Ausbildungsbetrieb. Am 7. Dezember 2016 bestätigte das Bayerische Landesamt für Landwirtschaft in Freising ihrem Betrieb die Eignung als Ausbildungsstätte für Pferdezucht und Westernreiten.

Barbara Braun kann die Ablehnung ihres Bauvorhabens durch Gemeinde und Landratsamt nicht verstehen. Die geplante Halle liege nicht auf einem Höhenzug, sondern kaum zu sehen in einer Mulde. „Das fügt sich wunderbar ein.“ Auch den Schwarzbau-Vorwurf von Bürgermeister Michael Strobl „kann ich nicht nachvollziehen“. Sie habe den Offenstall „im guten Glauben der Privilegierung und was meine Pferde brauchen umgebaut“. Dies habe das Landratsamt ja auch 2014 im Nachhinein genehmigt. Wie es vor Gericht weitergeht, ist unklar. Einen Verhandlungstermin haben Braun und ihr Anwalt noch nicht erhalten. Einen Gesprächstermin mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß bekam die Antragsteller nach eigener Aussage ebenfalls nicht.

Am 7. März 2017 traf sich Barbara Braun mit Vertretern des Landratsamts zum Ortstermin. Das Ergebnis war für die Antragstellerin niederschmetternd: Die Kreisbehörde spielte nämlich bei ihrem Bauantrag nicht mit. Mit Datum vom 24. Mai erging vom Landratsamt der Ablehnungsbescheid. „Das Vorhaben ist nicht als der Landwirtschaft dienlich einzustufen“, musste Braun zu ihrer Überraschung lesen. Die Kreisbehörde folgte auch der Argumentation der Gemeinde: Das Bauvorhaben an dieser Stelle widerspreche dem Habacher Flächennutzungsplan – danach seien Höhen, Kuppen und Steilhänge von Bebauung freizuhalten, hieß es. Barbara Braun muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen: 279,90 Euro Gebühr plus 4,11 Euro an Auslagen.

Rathauschef Michael Strobl hatte im Juli im Gemeinderat von einer erfreulichen Wende in dem Streit gesprochen: „Das Landratsamt ist uns beigesprungen.“ Die Kreisbehörde schweigt dagegen zu dem Verfahren. Pressesprecher Hans Rehbehn verwies bereits im Juli gegenüber der Heimatzeitung auf „den Schutz der persönlichen Daten“. Immerhin gab er preis, dass die Gründe für die Ablehnung sich im vorliegenden Fall „auch auf die betrieblichen Daten des Pferde haltenden landwirtschaftlichen Betriebs“ beziehen. Auch zu einer erneuten Anfrage am 13. Dezember hält sich die Kreisbehörde bedeckt. Die Redaktion wollte wissen, warum das Landratsamt im Gegensatz zum Fachzentrum Pferdezucht Fürstenfeldbruck die geplante Wohnung als nicht dienlich für den Betrieb ansieht, warum ein Hallenstandort in einer Mulde den Höhenrücken beeinträchtigt und warum es kein Gespräch mit der Landrätin gibt. „Über einzelne Verwaltungsverfahren dürfen wir keine Auskunft erteilen, da diese dem Datenschutz unterliegen“, heißt es kurz und knapp.

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