Deutsche Behörden vereitelten wohl IS-Terroranschlag auf großes Musikfestival

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Mit Saxofon und Theaterfotos in der Stube: Thomas Kirnberger ist privat  mit Leib und Seele Musiker und Autor – und von Beruf Finanzchef einer 1500 Mitarbeiter zählenden Firma.

Ein kreativer Habacher

Thomas Kirnberger ist „100 Prozent Habach“

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Thomas Kirnberger in Habach ist Musiker, Dirigent, Fastenprediger und Theater-Autor. Wir stellen  ihn vor.

Habach – Wer Habach kennenlernen will und verstehen möchte, was dieses Dorf so besonders macht, der könnte zum Wirt gehen, ins „Bistro zum Trödler“, das nicht nur geografisch das Herz der 1150-Seelen-Gemeinde bildet, oder in die so geschichtsreiche wie wundervolle Ulrichskirche oder in den springlebendigen Dorfladen... Oder er trifft sich einfach mit Thomas Kirnberger. In dem 51-Jährigen steckt „100 Prozent Habach“, wie er selber sagt. Er ist aufgewachsen in Habach und kam selbst während seiner Studienjahre in Regensburg jedes Wochenende hierher heim. Wo sonst als in Habach hätte er das Haus für seine Familie bauen sollen? Es steht im Garten seines Elternhauses, von dort ist nur ein paar Minuten zu Fuß zur Kirche, zum Wirt, zur Musikprobe. Und es passiert wohl relativ wenig in Habach, von dem er nichts mitbekäme.

Kirnberger spielt, seit er 14 ist, in der Musikkapelle Habach, war 17 Jahre deren Vorstand und ist heute deren Dirigent. Für die Habacher Theatergruppe schrieb er seit 2014 zwei Stücke über historische Habacher Begebenheiten. Und was heute so in Habach passiert, das notiert er das ganze Jahr über in den „Thomasius“-Ordner seines Handys. Denn seit 2012 liest Kirnberger seinen Habachern auch alljährlich die Leviten – als „Chorherr Thomasius“ hält er die Fastenpredigt beim Starkbieranstich des Veteranen- und Reservistenvereins.

Angesichts so viel verbürgter Heimatverbundenheit verwundert es fast ein bisschen, dass Thomas Kirnberger sein Habach jeden Morgen verlässt und 46 Kilometer in eine andere Welt fährt. Der studierte Betriebswirt ist Finanzleiter der in Seefeld am Pilsensee ansässigen Firma „TQ-Systems“, eines höchst erfolgreichen und enorm breit aufgestellten Elektronikdienstleisters, der Giganten wie „Airbus“, „Siemens“ oder „Rational“ zu seinen Kunden zählt, aber auch stets mit jungen Startups zusammenarbeitet. Kirnberger gehört zum engsten Führungszirkel des Unternehmens, fast schon so lange, wie es dieses gibt. 1997, drei Jahre nach Gründung, ist er hinzugestoßen. Damals zählte die Firma 70 Mitarbeiter, heute sind es rund 1500.

Der umtriebige Habacher entspricht also keineswegs dem Klischee vom „Provinzler“, der nicht über den eigenen Kirchturm hinausschaut. Er ist in beiden Welten zu Hause. Dort der verantwortungsvolle, vielseitige und fordernde Job als Manager, das „toughe Geschäftsleben“, wie er sagt – und hier „das gemütliche, soziale Dorf- und Vereinsleben“: Beides zu haben, ist „genau das Richtige“ für den 51-Jährigen. Und beides will säuberlich getrennt sein. Dienstliche E-Mails beispielsweise sind am Wochenende tabu. „Das meiste“, sagt Kirnberger, „hat bis Montag Zeit“ – auch in seiner Position.

Im Grunde hat Thomas Kirnberger daheim in Habach ja auch gar keine Zeit für die Finanzwelt. Sein vielfältiges Engagement hat nicht nur etwas mit Hobbys und musischer Selbstverwirklichung zu tun, er spürte auch früh eine Verantwortung für die Dorfgemeinschaft. Gerade mal 22 war der Klarinettist, als er zum 1. Vorstand der Musikkapelle gewählt wurde: „Ich hab’ dann einfach Verantwortung übernommen, und es hat mir Spaß gemacht.“ Später leitete er die Habacher Jugendkapellen, seit 2013 ist er Dirigent der „großen“ Kapelle – und als solcher auch manchmal „Seelentröster“, wie er erklärt. Er ist es gern.

Kirnbergers musikalische Seite ist damit aber noch nicht gänzlich beschrieben. Als Saxofonist gründete er 1995 die Bigband „Harakiri Big 15“, die er seither auch leitet. „Das ist das Sahnehäubchen“, schwärmt der 51-Jährige, „da gibt’s einfach so geile Arrangements“ – live zu hören übrigens am 5. Januar auf der Oberhausener „Stroblbühne“. Und nebenbei komponiert er auch. „Für den Hausgebrauch“, wie Kirnberger einschränkt, doch einige seiner Stücke spielen mittlerweile auch andere Blaskapellen. Die allererste Komposition war 1990 ein Walzer für seine heutige Ehefrau Ingrid. Sie stammt aus Rieden bei Antdorf, zusammengekommen sind sie natürlich in Habach, beim gemeinsamen Theaterspielen.

„Ingrid ist mein Lotto-Sechser“, sagt Kirnberger – wissend, dass sein kulturelles und soziales Engagement nicht möglich wäre, wenn sie nicht immer für die inzwischen 13-, 19- und 20-jährigen Söhne Simon, Stephan und Tobias dagewesen wäre sowie „Haus und Garten gemanagt“ hätte. Seine Theaterstücke „Da Sunnawind Toni“ und „Da Franzosenzipfe“ – beide inzwischen bei einem professionellen Verlag herausgekommen – hat Thomas Kirnberger im Familienurlaub geschrieben. „Entweder komponiert er, oder er schreibt“, sagt die Gattin mit nur leichtem Seufzen im Unterton. Dass sie seine musikalischen Aktivitäten nicht einschränken würde, hat sie schon bei der Hochzeit versprochen. Und auf die Ergebnisse ist Ingrid Kirnberger, die selber einen Kinderchor in Habach leitet und beim Uffinger Gospelchor „Jabulani“ singt, durchaus stolz.

So wird man auch in den kommenden Jahren noch einiges sehen und hören von Thomas Kirnberger – von ihm als Musiker, als Fastenprediger und als Theater-Autor (am dritten Stück schreibt er gerade). Nur politische Ambitionen, die hegt Kirnberger in seinem Habach überhaupt nicht, wie er betont. Fürs Gemeinwesen tut er auf seine besondere Weise ja auch wirklich genug.

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