Schockiert und betroffen ist der Habacher Bio-Landwirt Christoph Schropp über die Tat von Unbekannten, die Stacheldraht und Elektrozaun seiner Weide durchtrennt haben. Gleich daneben verläuft die Straße nach Obersöchering. Dass seine Milchkühe – im Bild „Hasi“ und „Selina“ – nicht auf die Straße gelaufen sind, war pures Glück.
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Schockiert und betroffen ist der Habacher Bio-Landwirt Christoph Schropp über die Tat von Unbekannten, die Stacheldraht und Elektrozaun seiner Weide durchtrennt haben. Gleich daneben verläuft die Straße nach Obersöchering. Dass seine Milchkühe – im Bild „Hasi“ und „Selina“ – nicht auf die Straße gelaufen sind, war pures Glück.

Tierschützer am Werk?

Bei Bundesstraße: Unbekannte durchtrennen Weidezaun - Landwirt schockiert

  • Franziska Seliger
    VonFranziska Seliger
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Unbekannte haben die Einzäunung einer Weide bei Habach aufgebrochen, auf der Milchvieh graste. Dass Menschen und Tiere nicht zu schaden kamen, war laut dem betroffenen Landwirt pures Glück.

Habach – Samstagabend gegen 20.30 Uhr: Bio-Landwirt Christoph Schropp ist mit seiner Frau von seinem Hof in Habach auf dem Weg nach Huglfing. Dabei kommt das Paar an seiner Weide am Ortsrand Richtung Obersöchering vorbei, auf der zahlreiche von Schropps Milchkühen die Nacht verbringen. Erst vor kurzem hatte er sie nach dem abendlichen Melken wieder hinaus auf die Weide getrieben.

Region Weilheim: Biolandwirt entdeckt Loch in Stacheldrahtzaun - und verhindert Schlimmeres

Schropp betreibt im Dorf einen biozertifizierten Hof mit knapp 30 Milchkühen. Die warme Jahreszeit, erzählt der 26-jährige Landwirt, verbringen seine Tiere nahezu vollständig auf der Wiese, denn als Biobetrieb könne er nicht auf Weidehaltung verzichten. Bisher sei auch noch nie etwas passiert. Doch als er an diesem Abend an der Weide unmittelbar neben der Obersöcheringer Straße vorbeifährt, fällt ihm sofort auf, dass in deren Einzäunung ein Loch klafft.

Sowohl der Stacheldraht als auch der dahinter zusätzlich gespannte Elektrozaun seien durchtrennt gewesen, erzählt Schropp und betont, dass man insbesondere den Stacheldraht nur mit einer wirklich guten Zange durchzwicken könne – so massiv sei der Draht. „Den bringt man mit einer schlechten Zange gar nicht auf“, ist Schropp sicher. Er glaubt auch nicht, dass es Jugendliche oder Frauen waren, die den Draht durchgezwicket haben, denn: „Dazu muss man schon viel Kraft in der Hand haben.“ Wann genau die Tat begangen wurde, kann er nicht sagen. Es müsse aber zwischen 17.30 Uhr und 20.30 Uhr passiert sein.

Wenige Meter neben B472: Weidezaun durchtrennt - Kein Einzelfall

Gerade noch rechtzeitig haben er und seine Frau das Loch im Zaun bemerkt, erzählt er. Denn die ersten Kühe hätten sich dem Durchlass schon neugierig genähert. Nicht auszudenken, sagt Schropp, wenn die Tiere auf die Straße gelaufen wären. Denn es sei schon dunkel gewesen und seine Kühe teilweise ganz braun oder sogar fast schwarz.

„Die hätte man gar nicht mehr gesehen als Autofahrer.“ Gerade am Wochenende sei die Obersöcheringer Straße viel befahren. Wäre eine der Kühe, die zwischen 650 und 700 Kilo wiegen, in eines der vorbeifahrenden Autos gelaufen, hätten die Insassen alleine durch die Wucht des Zusammenstoßes schwer verletzt werden können.

Ebenso wie das Tier selbst. Auch die B 472 sei nur rund 300 Meter Luftlinie entfernt. Erst einmal aus ihrer Weide ausgebüxt, hätten seine Tiere die Bundesstraße ohne weitere Hindernisse nur allzuschnell erreichen können, sagt Schropp, denn: „Da kommt kein Zaun mehr bis dahin.“

Wie er erzählt, sei es im Landkreis in der letzten Zeit öfter vorgekommen, dass Weidezäune von Unbekannten durchtrennt wurden. Er denkt, dass es mitunter Tierschützer sind, die aus falsch verstandenem Tierwohl handeln und die Tiere aus ihren vermeintlichen „Gefängnissen“ befreien wollen.

Über solche Vorstellungen kann Schropp nur schockiert den Kopf schütteln. Auf seinem Hof, versichert er, gehe es den Kühen gut. Tag und nacht seinen sie im Sommer auf der Weide. Und bei Regen und Hitze hole er sie extra rein. Für das Tierwohl sei diese Haltungsform „super“, denn die Kühe seien auf der Wiese in ihrer natürlichen Umgebung, „und sie können hier fressen, was sie wollen“. Jede Kuh in seinem Stall werde als Individuum gesehen. Deshalb habe auch jedes Tier einen Namen.

Nach Stacheldraht-Vorfall: Kühe dürfen weiter auf Weide - Landwirt erstattet Anzeige

Außerdem, gibt Schropp zu bedenken, seieen die Landwirte, aber auch ihre Kühe wichtig für den Erhalt der Kulturlandschaft. Und auch für den Tourismus sei die Landwirtschaft im Oberland ein wichtiger Faktor. Und abgesehen davon, dass der Verbraucher Weidemilch trinken wolle, sei es auch für den Klimaschutz gut, wenn Kühe auf der Wiese stünden. Denn die CO2-Emission seien wesentlich geringer, wenn die Tiere ihr Futter vor Ort verzehrten und das Gras nicht per Traktor zu ihnen in den Stall gebracht werden müsste, so Schropp.

Er hat den kaputten Zaun noch am selben Abend notdürftig geflickt. Mittlerweile hat er Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt erstattet. „Als Abschreckung“, wie er hofft.

Als Biolandwirt, dem außerdem das Wohl seiner Tiere wichtig sei, werde er seine Kühe weiterhin auf die Weide treiben. Ein bisschen unwohl ist ihm nach dem Vorfall aber schon. Einen massiveren Stacheldraht spannen, sei nicht möglich, denn: „Noch stärker geht gar nicht.“ Ganz sicher wird Schropp aber in Zukunft noch öfter nach seinen Kühen schauen als er es eh schon tut, denn: „Man hat jetzt immer die Augen offen.“

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