Undatiertes Bild von Habach: Vor 100 Jahren bekam der Ort elektrisches Licht, vor 125 Jahren fließendes Wasser.
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Undatiertes Bild von Habach: Vor 100 Jahren bekam der Ort elektrisches Licht, vor 125 Jahren fließendes Wasser.

Vor 100 und 125 Jahren

Das Doppeljubiläum - wie Wasser und Strom nach Habach kamen

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Zwei ganz besondere Jubiläen kann der kleine Ort Habach heuer feiern: 100 Jahre Elektrizität und 125 Jahre fließendes Wasser – zwei Errungenschaften, die die Lebensqualität der Habacher Bürger ganz erheblich verbesserten.

Hanach – Nachdem der Lindenbaum in Habachs Dorfkern heuer bereits sein Jubiläum gefeiert hat, kann der Ort in diesem Jahr noch zwei weitere besondere Jubiläen begehen, wie der Habacher Josef Freisl herausgefunden hat: 100 Jahre Elektrizität und 125 Jahre fließendes Wasser.

Was die Elektrizität betrifft, so habe es dazu bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg Planungen gegeben, so der Ortschronist, der beide Jubiläen als „stille Jubiläen“ bezeichnet, da von ihnen kaum einer weiß, und sie auch nicht groß gefeiert werden.

Aidlinger wehrten sich gegen Stromtrasse über die Aidlinger Höhe

Die erste angedachte Stromtrasse sollte von „Weilheim über Spatzenhausen nach Aidling und über die Aidlinger Höhe nach Habach verlegt werden“, erzählt Freisl von seinen Recherchen. Um dieses Vorhaben zu realisieren, hätte der Strom jedoch über eine weite Strecke vom Wasserkraftwerk Höllriegelsreuth bei Pullach an der Isar über Stromtrassen ins Habacher Gebiet transportiert werden müssen, so Freisl. Doch diese Trasse sei nicht realisiert worden, denn die Bürger aus Aidling hätten sich gegen die Verlegung über die Aidlinger Höhe erfolgreich gewehrt. Unterstützt worden seien sie dabei vom so genannten Heimatschutz – das sei ein Vorläufer des späteren Naturschutzes gewesen, erläutert Freisl. 1914 seien die meisten Hauseigentümer außerdem nicht dazu bereit gewesen, elektrischen Strom zu den Bedingungen der Isarwerke zu beziehen.

Stromleitung wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg verlegt

So sei sogar die Idee aufgekommen, durch eine Talsperre im Achgraben und einer damit verbundenen Kraftanlage die Ortschaften Habach, Sindelsdorf und Aidling mit eigenem Strom zu versorgen. Doch auch dieses Projekt am Habacher Bachlauf wurde nie verwirklicht. Erst „nach dem Ersten Weltkrieg wurde dann eine Stromleitung von Söchering nach Habach und Dürnhausen verlegt“, so Freisl. Im März 1921 habe es dann endlich Straßenbeleuchtungen in diesen Ortschaften gegeben und für die Hausanschlüsse in Habach elektrisches Licht per Schalter.

Früher hatte Habach eine hölzerne Wasserleitung - ohne Hausanschluss

Die Wasserleitung von Habach wurde dagegen laut Freisls Recherchen bereits im Laufe des Jahres 1896 gebaut. Bis zu ihrer Fertigstellung habe das Rohrleitungssystem des Ortes aus so genannten „Daiken“ bestanden. „Das waren etwa drei bis vier Meter lange Holzstämme, die längs ausgebohrt und am Ende mit einem Kegelstumpf verbunden waren und meist in einem Lehmbett verlegt waren“, erläutert Freisl. Diese alte Wasserversorgung sei allerdings recht reparaturanfällig gewesen. Außerdem habe der Wasserdruck zum Weitertransport gefehlt. Hausanschlüsse habe es nicht gegeben. „Diese hölzerne Wasserleitung und die dörflichen Brunnen entsprachen gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr den gestiegenen Anforderungen“, so Freisl. Die Habacher wollten fließendes Wasser im Haus haben. Außerdem habe man ein Wassersystem mit großem Wasserdruck benötigt, das zur Feuerbekämpfung über Hydranten genutzt werden konnte. „Dazu ersetzte man die Holzrohre durch Eisen- oder Bleirohre“, so Freisl. Außerdem sei ein Hochbehälter gebaut worden, der ausreichenden Wasserdruck in allen Leitungen garantierte.

Fundierter Kenner der Habacher Geschichte: Ortschronist Josef Freisl.

Dieser erste Hochbehälter sei am südwestlichen Rand des Dorfes errichtet worden. Die Finanzierung dieser neuen Wasserversorgung habe die kleine Gemeinde damals vor enorme Herausforderungen gestellt, weiß Freisl zu berichten – aber die Mühe hat sich gelohnt. Innerhalb von 25 Jahren wurde durch fließendes Wasser und Elektrizität die Lebensqualität der Habacher erheblich verbessert: Beispielsweise hatten die Hausfrauen nun fließendes Wasser und elektrisches Licht in ihren Küchen. Der Wasserkrug, der ständig nachgefüllt werden musste und das diffuse Licht der Petroleumlampe gehörten in Habach der Vergangenheit an.  

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