Allein, dass er zu einer Aussage auf die Polizei gebeten wurde, sei für ihn „unvorstellbar“, sagte einer der Angeklagten (65).

Herrenrunde rastet aus

Weilheim - Ein Streit wegen eines laufenden Automotors hatte handgreifliche Auseinandersetzungen zur Folge

Es war bereits halb elf Uhr abends, als eine gesellige Runde noch gemütlich vor einem Lokal an der Pöltner Straße in Weilheim saß. Die Gemütlichkeit wurde jedoch gestört, als auf der anderen Straßenseite ein Auto anhielt. Ein 19-Jähriger Penzberger hatte einen 21-jährigen Freund zu dessen Wohnung gefahren, die beiden ratschten noch bei einer Zigarette vor dem Auto. Zum Missmut der Gäste im Lokal ließen die beiden den Motor laufen. Ihrer Aufforderung, die Zündung abzustellen, entgegnete der 19-Jährige, das Auto habe einen heißen Turbo, weswegen es nachlaufen müsse.

Die Herrenrunde entschied, dass diese Aussage Unfug sein müsse. Nach entsprechenden Sprüchen an die Adresse der rauchenden Burschen entschieden ein 65-jähriger und ein 47-jähriger Weilheimer, die Sache in die Hand zu nehmen: Sie gingen zum Auto, der 47-Jährige fasste an die Fahrertür. Der 19-Jährige ging dazwischen, woraufhin ihn der 47-Jährige an der Gurgel packte und gegen eine Hauswand drückte. Der 21-Jährige wollte ihm helfen, wurde jedoch vom 65-Jährigen, gemeinsam mit dem 19-Jährigen in den Schwitzkasten genommen. Anwohner gingen dazwischen, die Situation beruhigte sich zunächst.

Weil seitens der Herrenrunde bekundet worden war, dass man die Polizei angerufen habe, blieben die beiden jungen Männer. Weil sich längere Zeit aber keine Streife blicken ließ, ging der 19-Jährige in das Lokal und erkundigte sich bei der Bedienung. Die Streife sei abbestellt worden, hieß es. In diesem Moment wollte der 47-Jährige an den beiden vorbei, der 19-Jährige ging ihm aus dem Weg. Der 47-Jährige riet dem Jugendlichen, sich besser durch den Hintereingang „zu verpissen“. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, stieß er ihm mit dem Ellbogen schmerzhaft in die Rippen. Wieder eilte der 21-Jährige zu Hilfe.

Dem 19-Jährigen platzte der Kragen, er beschimpfte die Herrenrunde mit nicht druckbaren Kraftausdrücken, unter anderem als „asoziales Pack“ und rief seinerseits die Polizei. So landete der Vorfall vom Mai 2012 ein knappes Jahr später beim Weilheimer Amtsgericht. Der 47-Jährige und der 65-Jährige mussten sich nun dort unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten, der 19-Jährige wegen Beleidigung.

Vor Gericht war es den Herren mehr als peinlich. „Sicherlich kein Ruhmesblatt“ seien die Vorkommnisse, formulierte der 47-Jährige, und es sei auch „nicht alltagsgerecht gelaufen“. Ganz so einfach ließ der Richter die beiden Herren jedoch nicht vom Haken. Staatsanwaltschaft, Richter und die Anwälte stimmten schließlich einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflage zu. Diese fielen schmackig aus: 4000 Euro muss der 47-Jährige zahlen, 1200 Euro der 65-Jährige und der 19-Jährige 150 Euro. cul

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