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Ständig im Einsatz: Helmut Hornung.

Interview zu Gravitationswellen

Anfragen aus aller Welt

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Weilheim - Der Weilheimer Helmut Hornung koordiniert die Pressearbeit zur  Entdeckung der Gravitationswellen. Er bekommt Anfragen aus aller Welt.

100 Jahre nachdem Albert Einstein seine Relativitätstheorie veröffentlicht hat, steht fest: Der Mann hat recht. Im September 2015 wurden erstmals die von ihm erwähnten Gravitationswellen gemessen. Weltweit wird das von der Wissenschaft als Sensation, ja als Jahrhundertereignis gefeiert. Mitten in diesem Sturm sitzt ein Weilheimer: Helmut Hornung, Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins MaxPlanckForschung. Er koordiniert für die Max-Planck-Gesellschaft die Pressearbeit zum Thema „Gravitationswellen“.


Wie erklären Sie einem Laien die Bedeutung der Entdeckung?

Die Entdeckung hat mehrere Aspekte. Zu allererst hat sie Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie brillant bestätigt, an der gibt es nichts mehr zu rütteln. Zum Zweiten ist sie ein Triumph der Messtechnik. Stellen Sie sich vor: Im Prinzip bestehen die Detektoren jeweils aus zwei Vakuumröhren, in denen Spiegel montiert sind. Diese werfen einen Laserstrahl hin und her. Für eine halbe Sekunde hat die durchlaufende Gravitationswelle die Länge der Röhren verändert – und zwar um den Bruchteil eines Atomdurchmessers. Und genau diese unvorstellbar winzige Veränderung haben die Forscher gemessen! Drittens eröffnet die Entdeckung ein völlig neues Beobachtungsfenster. Denn neben der elektromagnetischen Strahlung, also etwa dem sichtbaren Licht, können wir das Weltall in Zukunft buchstäblich hören und so bisher unsichtbare Objekte wie schwarze Löcher untersuchen.


Welche Medien interessieren sich für das Thema?

Ich arbeite jetzt 16 Jahre in der Pressestelle der Max-Planck-Gesellschaft, aber einen derartigen Ansturm schon im Vorfeld habe ich noch nie erlebt. Die Entdeckung gelang ja bereits am 14. September 2015, wurde aber absolut geheim gehalten. Dennoch kursierten bald darauf in den sozialen Medien erste Gerüchte, die sich verdichteten, und die riefen weltweit die Journalisten auf den Plan. In Deutschland waren das jede Menge Online-Medien, Presseagenturen, überregionale Tageszeitungen und Magazine sowie Fernseh- und Rundfunksender. Aus dem Ausland erreichten mich Anfragen vor allem aus Italien – dort steht ebenfalls ein Detektor – und den USA. So war ich etwa in Kontakt mit einem Journalisten der Washington Post.


 Die Medien sind ja sehr unterschiedlich, was wollen die speziell wissen?

Im Wesentlichen zielen alle Anfragen in dieselbe Richtung. Es geht, neben dem Wunsch nach Hintergrund- und Bildmaterial, um Interviewtermine mit den an der Entdeckung beteiligten Wissenschaftlern. Da kooperiere ich eng mit unserem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik an den Standorten Hannover und Potsdam. Denn dort wurde die Technik für den Detektor in den USA entwickelt. Außerdem arbeiten die Forscher an Analyseprogrammen, um die Entdeckung als solche überhaupt zu erkennen. Und sie entwerfen Modelle, welche die Quellen der Gravitationswellen beschreiben – in diesem Fall waren es zwei schwarze Löcher mit 29 und 36 Sonnenmassen, die in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zu einem einzigen schwarzen Loch verschmolzen sind.


 Seit wann sind Sie mit dem Thema befasst?

Ich wurde bald nach der Entdeckung im September vergangenen Jahres eingeweiht. Weltweit wussten ungefähr tausend Leute davon. Seither wurde intensiv an einem Kommunikationsplan gearbeitet. In den vergangenen Wochen war ich täglich zehn bis zwölf Stunden mit dem Thema beschäftigt. Wir konnten inzwischen eine erste positive Bilanz der Pressearbeit ziehen. In den großen Medien gibt es bisher mehr als 700 Beiträge.

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