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Corona-Pandemie macht Hospizverein das Helfen schwer

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Kostenlose Beratung und Hilfe bieten im Pollinger Hospiz Barbara Rosengart, Steffen Röger und Alexandra Meyer (von links).
Kostenlose Beratung und Hilfe bieten im Pollinger Hospiz Barbara Rosengart, Steffen Röger und Alexandra Meyer (von links). © Stöbich

Um Menschen am Ende ihres Lebenswegs ein Stück zu begleiten, sind zwischen Murnau und Herrsching 174 ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizvereins in Polling unterwegs. Das Abschiednehmen fällt unter den Beschränkungen der Corona-Krise besonders schwer.

Polling – „Während der vergangenen Wochen waren viele Leute ziemlich einsam, auch die Angehörigen“, sagt Alexandra Meyer, leitende Koordinatorin für den ambulanten Dienst. Denn nicht nur die Vereinshelfer durften nicht ins Altenheim oder Krankenhaus, auch Besuche von Verwandten machte die Pandemie unmöglich. Selbst an Beisetzungen konnten nur die nächsten Angehörigen teilnehmen. Außerdem musste der Hospizverein seine Kurse „Letzte Hilfe – begleiten und umsorgen am Lebensende“ sowie alle anderen geplanten Veranstaltungen in den vergangenen Monaten absagen. „Für alle eine ungemein schwierige Situation, die sich vor einem halben Jahr niemand hätte vorstellen können“, stellt Geschäftsführer Steffen Röger fest.

Der ambulante Hospizdienst begleitet nicht nur sterbende Menschen im Heim oder in ihrem häuslichen Umfeld, sondern entlastet auch Angehörige. „Unsere Ehrenamtlichen übernehmen aber keine medizinischen oder pflegerischen Aufgaben“, so Pflegedienst-Leiterin Barbara Rosengart. Vielmehr gehe es darum, ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität zu erhalten. Dafür kommen Besuche in der Wohnung oder Spaziergänge in Frage sowie Gespräche oder sonstige kleine Dienste wie Vorlesen.

„Das alles ist aber unter Corona-Auflagen nicht einfach“, weiß Meyer. Denn unter der Gesichtsmaske sind die Mimik und ein Lächeln nicht erkennbar, Abstandsregeln lassen ein liebevolles Streicheln oder Handhalten nicht zu. „Als die Pandemie losging, hatten wir kaum Anfragen“, erzählt Röger, „denn viele Leute waren verunsichert und hatten Angst davor, Fremde ins Haus zu lassen.“ Er sei froh, dass die anfangs sehr strengen Regeln etwas gelockert wurden.

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Der Verein wurde 1992 gegründet, zehn Jahre später das Hospiz im Kloster Polling eröffnet, das über zehn Betten verfügt. Die Stiftung „Hospizverein im Pfaffenwinkel“ gibt es seit 2009. „Da der gesamte Vorstand des Vereins ehrenamtlich arbeitet und keine Gebühren für die Spendenverwaltung anfallen, kommt jede Zuwendung direkt den uns anvertrauten Menschen zugute“, sagt der Geschäftsführer und bedauert, dass die Spendenbereitschaft in der Corona-Krise deutlich gesunken sei.

Die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte betreuen so lange wie möglich ambulant zu Hause, in Altenheimen und Krankenhäusern sowie stationär im Hospiz Polling schwer kranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen – unabhängig von Alter, Religion, Staatsangehörigkeit und Weltanschauung. „Die Beratung, Betreuung, Begleitung und Aufnahme ins Hospiz sind für jedermann kostenfrei“, sagt Rosengart.

„Wir können das Sterben nicht verhindern, aber versuchen, das Beste daraus zu machen“

Das Einsatzgebiet reicht von Herrsching bis Murnau und von Penzberg bis zur schwäbischen Bezirksgrenze bei Ingenried. Meyer: „Bei einem ersten Kontakt klärt eine unserer hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, welche Art von Unterstützung entlastend sein könnte und gewünscht wird. Gemeinsam finden wir heraus, welches unserer Angebote passend ist. Wir können das Sterben nicht verhindern, aber versuchen, das Beste daraus zu machen.“

Ambulant vor stationär, lautet der Grundsatz, denn die meisten Menschen möchten ihre letzte Lebenszeit gut versorgt zu Hause verbringen. Das Team wird durch erfahrene Sozialpädagoginnen, die auch Palliative-Care-Fachkräfte sind, ergänzt und arbeitet mit weiteren Fachdiensten zusammen, etwa mit Pflegediensten und mit Sozialdiensten der Krankenhäuser.

„Unser eigenes Ausbildungsteam bietet in regelmäßigen Abständen Kurse für Hospizhelfer an“, sagt Röger. Die Ausbildung umfasst rund 100 Stunden Theorie zum Erwerb der hospizlichen Haltung und dafür notwendiger Kompetenzen. In einem Praktikum von 40 Stunden im Pollinger Hospiz können vor Ort Erfahrungen gesammelt werden.

Die Hospizidee ist keine Erfindung unserer Tage. Schon im Mittelalter wurden am Rande der Pilgerstraßen Hospize (Herbergen) als Orte der christlichen Gastfreundschaft errichtet. Dort wurde müden, kranken oder sterbenden Menschen geholfen. Die moderne Hospizbewegung, von Ärztin Cicely Saunders nach 1945 gegründet, möchte es Schwerkranken und Sterbenden ermöglichen, in vertrauter Umgebung nicht zu leiden. Das Sterben wird als Teil des Lebens betrachtet, der weder verkürzt noch künstlich verlängert werden soll; diese Grundhaltung schließt aktive Sterbehilfe aus. Telefonischer Kontakt zum ambulanten Hospizdienst: 0881/9258490.

Peter Stöbich

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