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Vom Hochwasser mehr als bedroht: Der Tiefenbach trat großflächig über die Ufer. Das Foto wurde von einer Dropne aufgenommen.

Polling 

Kein Vergleich mit Simbach

Polling am Tag nach dem Hochwasser: Erschöpfung und auch Erleichterung macht sich breit bei einer Pressekonferenz im Rathaus, an der auch Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf und später auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner teilnehmen.

Den wohl wichtigsten Satz formulierte Bürgermeisterin Felicitas Betz: „So schlimm das Hochwasser für uns und die Betroffenen auch war, es ist nicht vergleichbar mit dem in Simbach.“ Weder Mensch noch Tier seien im Klosterdorf zu Schaden gekommen. Nach der Pressekonferenz machte sich eine bunte Schar aus Ministerinnen, Fachleuten des Umweltministeriums, Behördenvertretern, Feuerwehr und Gemeindemitarbeitern auf den Weg durchs Dorf, um sich vor Ort von den Schäden zu überzeugen – die beiden Ministerinnen auch, um Betroffenen die Hände zu schütteln und Trost zuzusprechen.

Besuch bei den Habermanns: (von links), Karin Habermann, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Ulrike Scharf, Felicitas Betz, Walter Habermann und Ilse Aigner.

Am Dunzingerweg 2 blieb der Tross ein erstes Mal länger stehen: Im Hof der Familie Habermann werkelten Asylbewerber und Nachbarn, reinigten Möbel und sortierten Gegenstände. Im Haus selbst ist das Wasser im Erdgeschoss am Sonntag rund 55 Zentimeter hoch gestanden, die Stellen an den weißen Wänden waren deutlich sichtbar. Es roch ein wenig modrig. Karin und Walter Habermann machten einen gefassten Eindruck, bedankten sich bei den Ministerinnen für den Besuch: „Jetzt wissen wir, dass wir nicht vergessen werden“, so Walter Habermann in seinem fast leeren Wohnzimmer – Möbel und Teppiche konnte die Familie rechtzeitig in Sicherheit bringen, bevor das Hochwasser sich des Erdgeschosses bemächtigte. Ihm wie auch anderen versicherten Scharf und Aigner, dass die Staatsregierung über ein Hilfsprogramm berate und Betroffene mit Unterstützung rechnen könnten. Habermann nickte erleichtert.

Aufräumen nach dem Hochwasser: Mitglieder der Pollinger Feuerwehr gestern Mittag an der Probst-Gerhoh-Straße.

Wie hoch der Schaden in Polling insgesamt ist, ließ sich am gestrigen Montag nicht sagen, so Betz. Das Landratsamt geht von sieben Millionen Euro aus. Fest steht, dass die rund 1000 Einsatzkräfte und Helfer rund 45 000 Sandsäcke verbaut haben. Dank der vielen Helfer und der „wirklich schnellen Hilfe ist Polling von größeren Schäden verschont geblieben“, so das Fazit von Kreisbrandrat Dr. Rüdiger Sobotta. Nur rund 120 Meter entfernt vom Haus der Habermanns liegt das Haus an der Huglfinger Straße 9. Dort war die Stimmung gedrückt, als die Ministerinnen Station machten: Es stank nach Öl, ein riesiger Lüfter sorgte für ohrenbetäubenden Lärm. Bernd Berg ist sichtlich mitgenommen, als er mit leiser Stimme vom Hochwasser erzählt. In seinem Keller ist Heizöl ausgelaufen – wohl um die 500 Liter, genau lasse sich das nicht sagen. Das Haus ist wegen des Ölgeruchs derzeit unbewohnbar.

Die vierköpfige Familie hat die Nacht auswärts schlafen müssen, die Eltern bei Verwandten, die beiden Kinder bei Freunden. „Gott sei Dank ist die Hilfsbereitschaft bei uns im Dorf sehr groß“, sagt Bernd Berg. Wann er in sein Haus, das er gerade noch anstreichen ließ, zurückkehren kann, ist ungewiss. Der Ministertross zog dann von Polling weiter nach Peißenberg, wo Aigner und Scharf sich über die Situation an der Bachstraße und im Gewerbegebiet informierten.
Johannes  Thoma

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