Hochwasserschutz: „Kompliziert und zeitaufwändig“

Peißenberg - Innnerhalb Peißenbergs wird es erste Maßnahmen für einen Hochwasserschutz nicht vor 2015 geben. Der Investor für das Finsterwalder-Gelände drängt auf schnelleres Handeln.

Ein neuer Bauhof, die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt und die Renovierung des Feuerwehrhauses, um nur einige Projekte zu nennen: In der Finanzplanung bis 2017 hat die Marktkämmererei ein Investitionsvolumen von sage und schreibe 27 Millionen Euro einkalkuliert. Einen gehörigen Batzen - nach ersten Schätzungen rund fünf Millionen Euro - wird allein der innerörtliche Hochwasserschutz verschlingen. Doch der Hochwasserschutz ist eine Pflichtaufgabe für die Gemeinde - obendrein ist er planerisch „äußerst kompliziert und zeitaufwändig“, wie Bauamtsmitarbeiter Thomas Schamper berichtet.

Insgesamt sind auf Peißenberger Flur sechs Regenrückhaltebecken geplant (siehe Übersichtskarte). Aufgrund der bautechnisch etwas einfacheren Umsetzung hat das Bauamt als Startprojekt das Becken westlich der ehemaligen BHS-Stahlbauhalle am Stadelbach ins Visier genommen. Groben Schätzungen zufolge wird das Bauwerk mit rund 160 000 Euro brutto zu Buche schlagen. Demnächst soll mit der Detailplanung begonnen werden, der Baubeginn ist allerdings noch offen. Das Problem: Um Fördergelder abgreifen zu können, muss die Gemeinde zunächst ein Hochwasserschutzkonzept für ganz Peißenberg vorlegen. Vorher darf zwar an einzelnen Maßnahmen geplant, aber nicht mit dem Bau begonnen werden. Doch für den nördlichen Ortsteil fehlt noch eine detaillierte Projektdarstellung. Den Startschuss für die Bauarbeiten am BHS-Rückhaltebecken hat das Bauamt deshalb auf frühestens 2015 terminiert: „Aber selbst da bin ich eher skeptisch, ob wir das schaffen“, räumt Schamper ein.

Unabhängig von der Hochwasserschutzplanung wird derzeit die Kartierung der Überschwemmungszonen überarbeit. Das ist vor allem für den nördlichen Ortsteil und die Wohnbaupläne auf dem Finsterwalder-Gelände relevant (wir berichteten). Das Areal an der Ecke Ludwigstraße/Ebertstraße liegt nach den Erkenntnissen einer Simulation ohne Schutzvorkehrungen in der Überschwemmungszone eines 100-jährigen Hochwassers. Im Bauamt zweifelt man die gutachterlichen Ergebnisse jedoch stark an. Von einem Ingenieurbüro aus Neusäß wird deshalb noch einmal nachgerechnet - und zwar auf Basis eines realen Wetterereignisses: „Im Juni 2011 hat es in Peißenberg einen heftigen Starkregen gegeben, wobei der Moosleitenparkplatz überschwemmt wurde“, erklärt Schamper, „Jetzt wird geprüft, wie das mit den Berechnungen übereinstimmt.“ Sollte sich das Finsterwalder-Gelände tatsächlich als Überschwemmungszone bestätigen, wäre das zwar generell noch kein Ausschlusskriterium für die Wohnbaupläne - allerdings: „Es müssten Ersatzmaßnahmen für die Wasserverdrängung vorgenommen werden“, so Schamper. Soll heißen: Der Bauherr müsste als Kompensation für den versiegelten Baugrund einen „riesigen Auffangteich“ auf dem Gelände planen: „Und da weiß ich nicht, ob man das flächenmäßig schafft“, ist Schamper pessimistisch.

Für die „Siedlungsbau Schwaben“, die im letzten Sommer als Investor einen Entwurf für den Bau einer betreuten Wohnanlage sowie von mehreren Doppel- und Einfamilienhäusern eingereicht hatte, wäre dies aber ohnehin keine Option: „Wenn sich an den Berechnungen zur Überschwemmungszone nichts ändert“, bestätigte Geschäftsführer Robert Atzkern auf Anfrage, „werden wir von dem Projekt Abstand nehmen.“ Die Wohnungsbaufirma aus Kaufbeuren hat sich auch schon ein konkretes Zeitlimit gesetzt: „Bis Mitte Februar müssen wir Bescheid wissen, dann läuft unsere Kaufoption ab“, so Atzkern.

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