Ein Blick in den Barbara-Hof: Die Anlage besteht aus Wohnblöcken, Holzhütten und einem Innenhof mit Gärten. Foto: Ruder (A.)

Hoffnung für den Barbara-Hof

Peißenberg - Die Aufregung war groß, als die Hütten im Barbara-Hof abgerissen werden sollten. Nun gab's einen Ortstermin. Und die Parteien näherten sich an.

Es herrschte große Aufregung. Im November kündigte die Weilheimer „Wohnbau“ an, die alten Hütten im Barbara-Hof in Peißenberg abzureißen. Die Bewohner, die diese als Lagerstätten nutzten, wehrten sich. Auch Altbürgermeister Hermann Schnitzer schaltete sich ein, er fürchtete um das „letzte Zeugnis bergmännischer Siedlungsgeschichte“. Nur wenige Tage drauf brachte das Landratsamt vorerst Ruhe in die Sache - es erließ eine Veränderungssperre für das Areal, um mögliche Denkmal-Eigenschaften prüfen zu lassen. Bei einer Ortsbegehung am Donnerstag trafen sich die Beteiligten. Und näherten sich wieder an.

„Das war ein sehr angenehmer Termin“, sagt „Wohnbau“-Geschäftsführer Felix Nuss. Er gab zu: „Die historischen Hintergründe waren uns nicht bewusst.“ Der Barbara-Hof war Anfang der 1950er Jahre zwischen Sonnenstraße, Gümbelstraße und Loristraße für Bergleute gebaut worden. Dank des Treffens „haben sich alle ein Bild machen können“, sagt Nuss. Neben ihm waren Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege, der Gemeinde und der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer und Schnitzer vor Ort.

Sie schauten sich das Areal an, besichtigten drei Wohnungen, den Innenhof, Keller und Dachböden. „Wir haben über die typische Bergarbeitersiedlung gesprochen“, sagt Schnitzer, der Führungen im Bergwerksmuseum anbietet. Der Barbara-Hof repräsentiere „noch das Original. In vielen Details“. Deshalb setzt sich der Altbürgermeister für den Erhalt ein. Vom Ortstermin kam er zufrieden zurück. „Die ,Wohnbau‘ hat positiv reagiert“, sagt Schnitzer. „Von der harten Haltung war nichts mehr zu spüren.“

Geschäftsführer Nuss gibt zu, dass das Unternehmen anfangs keine gute Figur gemacht hatte. „Es war nicht gut, wie es losgegangen ist. Wir sind da ein bisschen reingeschlittert und hatten die Dimension nicht erkannt“, bestätigt er. „Aber nun bin ich guter Dinge.“ Dass die Hütten noch stehen und nicht wie geplant abgerissen worden sind, macht ihn „froh“.

Nun warten alle Beteiligten darauf, wie das Landesamt für Denkmalpflege den Hof einschätzt. „Die Prüfung beginnt gerade erst, Aussagen über mögliche Denkmalwerte können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht getroffen werden“, heißt es auf Anfrage aus der Behörde. Auch wie lang es dauert, bis eine Entscheidung steht, ist unklar.

Nuss jedenfalls ist schon jetzt „gespannt“ auf das Ergebnis. 2010, noch vor seiner Zeit als Geschäftsführer, hatte die „Wohnbau“ das Grundstück erworben - mit dem Plan, es nachzuverdichten und weiteren Wohnraum zu schaffen. Dass das erstmal nicht klappt, grämt Nuss aber nicht. „Das ist nicht so schlimm, dass wir daran verzweifeln“, winkt der Geschäftsführer ab. Sollte das Areal unter Denkmalschutz gestellt werden, stehe zumindest „eine Modernisierung der Wohnungen im Raum“.

Ein paar der Hütten, die die Bewohner als Lagerstätten nutzen, sind derweil gesperrt - sie sind baufällig und deshalb „verschlossen und gesichert“, sagt Nuss. „Sie stehen so, bis wir wissen, wie es weitergeht.“ Sobald die Entscheidung über den Denkmalschutz gefallen ist, wird bei der „Wohnbau“ über das weitere Vorgehen gesprochen. Und Nuss kündigt an: „Wir wollen dann alle Anwohner und die, die es interessiert, informieren, wie es weitergeht.“ Ihm ist wichtig, dass nun „alle am gleichen Strang ziehen“.

Das hört Hermann Schnitzer sicher gern. Er will sich derweil beim Thema „Barbara-Hof“ wieder zurückziehen. „Da müssen jetzt die Fachleute beieinander sein“, sagt Schnitzer. Trotzdem beobachtet er das Geschehen - falls doch wieder etwas „aus dem Ruder“ läuft. Denn der Barbara-Hof „ist in dem noch erhaltenen Zustand einmalig“, sagt der Altbürgermeister. Und dieses Zeugnis der Geschichte müsse erhalten bleiben.

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