Bis zu 700 Grad heiße Flammen fegten über die Köpfe der im Container eingeschlossenen Atemschutzgeräteträger hinweg.
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Bis zu 700 Grad heiße Flammen fegten über die Köpfe der im Container eingeschlossenen Atemschutzgeräteträger hinweg.

Feuerwehr im Brandcontainer

30 Minuten im Inferno

Es ist ein Projekt auf Bundesebene: In einem Brandübungscontainer können ausgebildete Atemschutzgeräteträger in kleinen Gruppen unter fachkundiger Anweisung Erfahrung gewinnen. In Hohenpeißenberg erlebten Feuerwehrleute nun, wie viel Hitze und Rauch bei einem Zimmerbrand entstehen.

Hohenpeißenberg – Hölle oder Fegefeuer sind aus der Bibel bekannt. Aber die Hölle auf Erden kennen nur wenige. Florian Fichtl (28) aus Hohenfurch hat sie gerade kennengelernt. 30 Minuten lang war er mit sieben weiteren Kameraden in dem Brandübungscontainer eingeschlossen, in dem die Männer ein besonderes Training durchlaufen. Jetzt hat sie die Erde wieder. Als erstes gönnen sich die Männer einen kräftigen Schluck aus ihren Trinkflaschen, um nach der Hitzestrapaze ihren Wasserhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen.

Alle Teilnehmer haben sich um ihren Ausbilder Burkardt Steeg geschart, um in einer Nachbereitung ihren Einsatz im „Flash-Over-Trainings-Container“ zu besprechen. Steeg ist in Sachen „Brandbekämpfung in geschlossenen Räumen“ ein alter Hase. Wie viele Einsätze er in seiner verrußten „Metallschachtel“ hinter sich hat, kann er gar nicht mehr zählen. Als Erinnerung bekommt er von jeder teilnehmenden Feuerwehr ein Ärmelabzeichen – auch an diesem Tag.

Steeg blickt in die Augen der Männer, denen der 30 Minuten lange Einsatz in der Flammenhölle noch ins Gesicht geschrieben steht. Ihre Körper sind ausgelaugt, die Anspannung beginnt sich langsam zu legen. Wie diese acht Kameraden werden in den nächsten Tagen 64 Atemschutzgeräteträger in Hohenpeißenberg bei der Rigi-Alm auf Brandeinsätze vorbereitet. Immer in Achter-Gruppen, dazu kommen zwei Feuerwehrmänner als Sicherheitstrupp außerhalb des Containers. Ihnen zur Seite steht Kreisbrandmeister Bernhard Pössinger, der für den Fachbereich „Atemschutz“ zuständig ist.

Nichts wird dem Zufall überlassen, die Sicherheit der übenden Truppe im Container hat oberste Priorität. „Man kann nie wissen, wie sich der Einzelne in so einer Situation im geschlossenen Raum verhält“, sagt Pössinger. Wie er im Vorfeld erklärt, sind in den vergangenen Jahren die Brandeinsätze am Einsatzaufkommen der Feuerwehren zurückgegangen. Dadurch wird es aber gerade für jüngere Kameraden immer schwieriger, Einsatzerfahrung zu bekommen. Persönliche Erfahrungen seien enorm wichtig, um Fehlentscheidungen in kritischen Situationen zu vermeiden. Hierbei soll der Container helfen.

Beobachtet werden die Feuerwehrler an diesem Tag auch von Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta, Kreisbrandmeisterin Katharina Kögl und Bürgermeister Thomas Dorsch. Schwitzten die schon wegen der Sonne, geht’s im Container zur Sache. Während in Deckenhöhe zwischen 600 und 700 Grad gemessen werden, liegen die Werte in Kopfhöhe der Männer, die sich in geduckter Haltung befinden, bei 150 Grad. Das Kritische an der Situation ist, dass der Brandbekämpfer durch seine Schutzkleidung kein Gefühl für die Temperatur an seinem Körper hat. Fühlt er die Hitze als unerträglich, kann es für ihn schon zu spät sein.

Für Florian Fichtl, der seit 14 Jahren bei der Feuerwehr ist, hat sich die Ausbildung auf alle Fälle gelohnt. Er ist immer noch fasziniert, wie er das Verhalten der Flammen über sich beobachten konnte, als Sauerstoff in den Container eindrang. Sein Resümee nach schweißtreibender Ausbildung: „Auf alle Fälle zu empfehlen.“

Hans-Helmut Herold

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