Erläuterten den Ablauf der Bauarbeiten: Bürgermeister Thomas Dorsch (li.) und der Vorsitzende des Knappenvereins, Rudi Hochenauer.
+
Erläuterten den Ablauf der Bauarbeiten: Bürgermeister Thomas Dorsch (li.) und der Vorsitzende des Knappenvereins, Rudi Hochenauer.

Später Gruß von Untertage

Alte Schächte werden mit Zement aufgefüllt

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
    schließen

Eine besondere Form der Vergangenheitsbewältigung findet derzeit in Hohenpeißenberg statt: Ehemalige Stollen und Schächte aus der Bergwerkszeit werden mit Zement aufgefüllt. So soll verhindert werden, dass sich plötzlich Löcher auftun.

  • Auf vielen Hohenpeißenberger Grundstücken und auf Straßen wird derzeit gebaut
  • Alte Stollen aus der Bergwerkzeit werden mit Zement aufgefüllt
  • Eine Spezialfirma aus dem Ruhrgebiet wurde mit den Arbeiten beauftragt

Hohenpeißenberg – Die Bergwerkszeit ist fest in der Geschichte Hohenpeißenbergs verwurzelt. In der Regel sind ihre Spuren verwischt und nur an wenigen Stellen offensichtlich. Manchmal tauchen Relikte aus dieser Zeit aber auch in der Gegenwart auf. Zum Beispiel gab es in einigen Hohenpeißenberger Gärten Mulden und manchmal taten sich auch plötzlich Löcher auf, die ein Gruß von Untertage waren.

„Wir haben etwa 43 Schächte und Stollen in Hohenpeißenberg. Die meisten befinden sich auf unbesiedeltem Gebiet“, sagt Rudi Hochenauer, der Vorsitzende des Knappenvereins Peißenberg. Einige der Hinterlassenschaften aus der Bergwerkszeit liegen aber auch direkt unter der Grasnarbe in Gärten in Wohngebieten in Hohenpeißenberg. Davor, dass sich das eigene Haus auf unsicherem Terrain befinde, brauche sich keiner fürchten, sagt Vorsitzende. „Teilweise sind die Löcher sehr nahe am Haus, aber die Häuser wurden nicht über die Schächte gebaut“, darauf sei geachtet worden.

In Hohenpeißenberg wurde vom Unterbau aus gearbeitet. „Irgendwann gab es ein Problem mit der Bewetterung“, sagt Hochenauer. Deswegen seien immer wieder neue Schächte in die Stollen gegraben worden. Auf dem gesamten Gemeindegebiet seien es rund 35 Schächte. Wenn ein Gebiet dann ausgehöhlt gewesen sei, seien die Schächte nicht mehr nötig gewesen. „Damals haben sie dann ein Stück Holz drüber gelegt und das war’s“, sagt Hochenauer: „Das bricht nach dieser Zeit unter Umständen natürlich durch.“ Ungefähr um das Jahr 1900 herum seien die Stollen und Schächte aufgelassen worden.

Um auszuschließen, dass diese Löcher doch noch für Menschen zur Falle werden, hat sich der Rechtsnachfolger des Bergwerks, „Immobilien Freistaat Bayern“, die dem Freistaat gehören, nun dazu entschlossen, die Gefahr zu beseitigen und die Schächte, die zu füllen. Falls etwas passieren würde, wäre der Freistaat in der Haftung. „In der Regel sind sie etwa 1,60 Meter breit und reichen bis zu 30 Meter in die Tiefe“, sagt Hochenauer: „Es hatten manche einen Schacht im Garten und das will nicht jeder.“

Eine Gefahrenanalyse wurde erstellt und Geologen untersuchten das Gelände unter Tage. Anhand alter Pläne, lässt sich nachvollziehen, wo die Löcher gegraben worden waren und wo die aufgelassenen Stollen verlaufen. Schließlich wurde eine Spezialfirma aus dem Ruhrgebiet wurde damit beauftragt, die Schächte zu füllen und damit zu sichern. Im Juli rückten die Arbeiter mit den Spezialmaschinen und -geräten an.

Wie die Löcher gefüllt werden, ließ sich kürzlich in der Blumenstraße beobachten. „In die Schächte wird ein Plastikrohr gesteckt, mit dem ein Zementgemisch eingefüllt wird“, erläutert Hochenauer. Damit immer genug Zement zur Verfügung steht, steht ein mehrere Meter hohes Zementsilo dort, wo die Bauarbeiten laufen. An zahlreichen Stellen ragen dünne Plastikrohre aus dem Boden. Zwischen 50 und 100 Tonnen sind schon in den Öffnungen verschwunden. „Damit werden die unten liegenden Hohlräume gefüllt, aber es wird nicht hineingeschaut“, sagt Hochenauer. Bis Dezember ist die Spezialfirma vermutlich noch in Hohenpeißenberg beschäftigt.

„Wir sind schon froh, dass das gemacht wird, sagte der Hohenpeißenberger Bürgermeister Thomas Dorsch beim Besuch der Baustelle. Auch auf dem neu gestalteten Freizeitgelände um den „Schächen“ herum wurden Schächte aus der Bergbauzeit aufgefüllt, „gerade rechtzeitig, bevor dort die Asphaltierungsarbeiten begonnen haben“, sagte der Bürgermeister.

Auch interessant

Kommentare