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Dem Borkenkäfer auf der Spur: Experten informierten in der Winterleithe bei Hohenbrand.
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Bräunliches Bohrmehl weist darauf hin, dass der Baum bereits befallen ist.
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Kleiner Käfer, großer Schaden: Wo sich der Borkenkäfer breit macht, ist der Baum verloren.

Amt für Landwirtschaft Weilheim warnt

Zigtausend Borkenkäfer schwärmen aus!

Der Borkenkäfer wird zunehmend zum Problem in den hiesigen Wäldern. Derzeit schwärmen die Tiere aus, um ihre Eier abzulegen. Wenn ein Baum befallen ist, muss schnell reagiert werden.

Hohenbrand – Jetzt fliegen sie wieder: Begünstigt durch die Wärme der letzten Tage haben die Borkenkäfer ihre Winterruhe endgültig beendet und ihren Schwärmflug zur Eiablage begonnen. Zigtausend sind jetzt unterwegs auf der Suche nach Fichten, die sie befallen können.

Insbesondere der Buchdrucker hat im vergangenen Jahr bis zu drei Generationen ausgebildet und ist ohne größere Verluste über den Winter gekommen; in einer einzigen vom Buchdrucker befallenen Fichte können sich bis zu 20 000 Jungkäfer entwickeln, die ihrerseits wieder rund 20 Fichten neu befallen können. Und innerhalb von drei Tagen ist dann der Baum nicht mehr zu retten.

„Sehr wichtig ist es jetzt, unverzüglich mit der Kontrolle der Fichtenwälder zu beginnen und bei Gefahr rasch Bekämpfungsmaßnahmen einzuleiten, um die bereits 2016 begonnene Massenvermehrung der Buchdrucker in Grenzen zu halten und möglichst zu stoppen“, erklärte Martin Kainz vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Schongau beim Pressetermin im nördlichen Teil der Winterleithe bei Hohenbrand.

Von entscheidender Bedeutung für eine rechtzeitige Bekämpfung sei, die jetzt frisch von den Borkenkäfern befallenen Fichten mit meist noch grüner Krone zu erkennen. Bei Bäumen mit bereits rötlich verfärbten Kronen oder abfallenden Nadeln sind bereits viele Jungkäfer wieder ausgeflogen, sodass Bekämpfungsmaßnahmen nur noch eingeschränkt wirken, so Kainz. „Frisch befallene Fichten sind in erster Linie am bräunlichen, wie Schnupftabak aussehenden Bohrmehl zu erkennen, das sich am Stammfuß und an oder hinter Rindenschuppen findet“, erklärte Silvia Thien von der Forstverwaltung Schongau, auch frische Spechtabschläge oder Harztropfen wiesen auf einen Befall hin.

„Mit der Kontrolle sollte an schon bekannten Befallsorten des letzten Jahres, an besonnten Waldrändern oder in Bereichen, wo in letzter Zeit Fällungen stattfanden, begonnen werden“, riet Kainz. Die Kontrollen müssen wiederholt und in kurzen Abständen – empfohlen wird einmal wöchentlich, durchgeführt werden, alle befallenen Bäume sollten dabei markiert werden. Unverzüglich müssen dann wirksame Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden und grundsätzlich alle befallene Fichten – auch und gerade solche mit noch grüner Krone – schnell gefällt und verarbeitet werden.

Anschließend ist alles Holz aus dem Wald zu bringen, entweder direkt ins Sägewerk oder auf Lagerplätze, die mindestens 500 Meter vom Wald entfernt liegen. Alternativ könne das Holz auch entrindet werden, Rindenstücke mit bereits fertig entwickelten Käfern müssen verbrannt werden. Eine letzte Möglichkeit zur Bekämpfung ist der Einsatz von zugelassenen Insektiziden gegen Borkenkäfer in lagerndem Holz, was auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben sollte. „Im Wald selbst gibt es keinen Einsatz von Chemikalien“, stellt Revierleiterin Sonja Scheurer klar.

Vollständige und rasche Bekämpfung wichtig

Eine Mischung aus Laub- und Nadelwald gebe beispielsweise auch Raum für Doldenblütler, die wiederum Lebensraum für die Schlupfwespe bieten – einen natürlichen Feind des Borkenkäfers. Wichtig sei eine vollständige und rasche Bekämpfung des Schädlings, bevor die fertig entwickelten Jungkäfer aus den befallenen Bäumen oder Stämmen ausfliegen.

„Besonders wirksam sind die Maßnahmen während der Entwicklung der ersten Käfergeneration, also in den kommenden Wochen bis etwa Mitte Juni. Der Schadholzanfall ist noch geringer und die Vermarktung mit rascher Abfuhr des befallenen Holzes leichter möglich“, so Kainz. Seit dem Herbststurm 2015 sind große Flächen dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen – auch im Landkreis Weilheim Schongau. Kainz schätzt, dass die Borkenkäfer eine sechsstellige Zahl an Festmetern unbrauchbar machen. „Frühes Erkennen, schnelles Handeln, rascher Abtransport und Nachkontrolle“, seien unabdingbar, um der Ausbreitung Einhalt gebieten zu können, brachte es Revierleiterin Scheurer auf den Punkt. Es sei auch wichtig, Informationen weiterzugeben, wenn ein befallener Baum entdeckt werde. Die Wieder-Aufforstungen Staat werde vom Staat bezuschusst. „Es kann jeden Waldbesitzer treffen“, so Kainz.

Myrjam C. Trunk

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