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Laut Gutachterin war die Einkaufssucht der Angeklagten ein „Aufrechterhalten ihres Lebensstils“.

Gerichtsurteil

Amtsgericht Weilheim verhängt harte Strafe für Betrügerin aus Hohenpeißenberg

Wegen Betrugs ist eine vorbestrafte Hohenpeißenbergerin (52) vom Amtsgericht Weilheim zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Sie muss die Strafe im Gefängnis absitzen. 

Hohenpeißenberg – Das Vorlesen der Anklageschrift nahm geraume Zeit in Anspruch. 148 aufgedeckte Betrugsfälle hatten sich in einem Zeitraum von knapp drei Jahren bei der Angeklagten angesammelt.

Unter zum größten Teil falscher Angabe der Personalien, hatte die 52-Jährige zwischen 2012 und 2015 diverse Artikel online bestellt. Darunter Möbel, Bekleidung, Laptops, Apothekenartikel, Elektrogeräte, Bücher, Tierfutter und Zubehör, Zeitungsabonnements und mehr. Bei einer Hausdurchsuchung wurden die Artikel sichergestellt und dabei festgehalten, dass die Angeklagte die Sachen „nur“ für den Eigenbedarf benutzt hatte, also kein gewerblichen Vertrieb vorlag.

Motiv der gesundheitlich angeschlagenen Frau unklar

Somit beschränkte sich der Tatvorwurf nur auf „einfacher Betrug“. Der Gesamtschaden belief sich indes auf stolze 26 600 Euro. Warum die Frau so viele Dinge bestellte und nicht bezahlte, konnte nicht geklärt werden. Zunächst sagte die schwer gesundheitlich angeschlagene Frau gar nicht aus.

Auf einer Krankenliege wurde sie in den Gerichtssaal gefahren, eskortiert nicht nur von zwei Sanitätern, sondern auch von zwei Polizeibeamten. Denn die Frau sitzt derzeit wegen einer einschlägigen Vorstrafe in der JVA in Aichach.

Angeklagte war schon mehreren Verhandlungen vor Gericht fern geblieben

2014 schon wurde sie wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten rechtskräftig verurteilt. Die Strafe konnte sie aber erst vor Kurzem antreten, da ihr gesundheitlicher Zustand vorher zu bedenklich war. Vor der Verhandlung wurde sie von einem Arzt auf Verhandlungsfähigkeit untersucht, denn die Angeklagte war schon ein paarmal entweder gar nicht vor Gericht erschienen, oder in einem so vollkommen desolaten Zustand, dass eine Verhandlung nicht möglich war.

Aber an diesem Tag wurde die Sache durchgezogen, der Arzt hatte keine Bedenken, die Frau verfolgte die Verhandlung auf der Krankenliege. Eine Gutachterin, die den psychischen Zustand der Angeklagten im Vorfeld auf eine mögliche krankheitsbedingte Schuldunfähigkeit untersucht hatte, attestierte keinerlei Beeinträchtigungen.

Geständnis hat kaum positiven Einfluss auf Strafmaß der Frau aus Hohenpeißenberg

Die Einkaufssucht der Angeklagten war laut Gutachterin nur ein „Aufrechterhalten eines Lebensstils“. Eine normale Kindheit habe die Frau gehabt, eine solide Ausbildung, keinerlei psychische Auffälligkeiten, so die Gutachterin. Ihr gegenüber hatte die Angeklagte auch die Taten zugegeben.

Im Gerichtssaal, auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Christiane Serini, bestätigte die Frau ihre Aussage bei der Gutachterin und legte somit ein Geständnis ab. Das wirkte sich jedoch nur bedingt zu ihren Gunsten aus. Denn die hohe kriminelle Energie, die rasante Rückfallgeschwindigkeit der sechsmal vorbestraften Frau und die Höhe der Schadenssumme waren ausschlaggebend für die hohe Haftstrafe ohne Bewährung.

Diese setzte sich zusammen aus den Fällen, die vor der Verurteilung am Amtsgericht Augsburg gemacht wurden und den Taten danach. Die fünfmonatige Haftstrafe, in der sie sich derzeit befindet wurde in das Urteil mit einbezogen. Übrig blieben zwei Jahre und zwei Monate, die die Frau nun absitzen muss. Ein Strafmaß deutlich über dem Antrag des Verteidigers, der auf Grund des Gesundheitszustands der Frau um eine Strafe unter zwei Jahren gebeten hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung daher theoretisch möglich.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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