Der Brunnen ist stillgelegt, aber noch heute da. 

Auf dem Hohen Peißenberg: Erst der Brunnen, dann die Wallfahrtskirche

Vor 400 Jahren wurde die Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg feierlich geweiht. Für ihren Bau war der Brunnen, der im Jahr 1605 fertiggestellt worden war, von großer Bedeutung. Der Brunnen ist schon lange stillgelegt, existiert aber immer noch.

Hohenpeißenberg – Viele Besucher des Berges kennen die Wallfahrtskirche, welche zwischen den Jahren 1615 und 1619 erbaut wurde, aber wenige wissen, dass es dort einen Brunnen gibt, der noch einige Jahre älter ist als die Kirche. Von außen unscheinbar und als Überdachung eines Brunnens so nicht zu erkennen, spazieren die Bergbesucher ahnungslos an ihm vorbei.

Dabei hätte sich die Wallfahrt auf dem Berg ohne ihn ganz anders entwickelt, denn auch hier galt: „Wasser ist die Grundlage allen Lebens“. Landesherr Herzog Maximilian übertrug den Rottenbucher Augustinerchorherren die Zuständigkeit für die Betreuung der Wallfahrt am 2. April 1604. Die Entscheidung für den Bau eines Brunnens dürfte wenig später gefallen sein. Propst Wolfgang Perghofer ging dieses Problem gleich an. Die vielen Wallfahrer, die oft lange Reisen hinter sich hatten, wenn sie den Berggipfel erreichten, waren durstig. Es musste ein Brunnen zur „Erquickung der Pilger“ gebaut werden.

Natürliche Quellen gibt es eine Menge um den Hohen Peißenberg. Sie befinden sich allerdings alle ein gutes Stück unterhalb des Bergplateaus. Es blieb also nur die Möglichkeit, einen Brunnenschacht so tief in den Boden zu treiben, bis eine Erdschicht erreicht war, die Wasser sammelt. Auch bei längerer Trockenheit musste sie noch so viel Wasser liefern, dass daraus das kostbare Nass geschöpft werden konnte.

Nachdem 27 Meter – damals 90 Schuh – in die Tiefe gegraben worden war, stießen die Brunnenbauer auf eine wasserführende Erdschicht. Das Material beim Brunnenbau dürfte über eine Winde nach oben transportiert worden sein. Die Brunnenwand wurde fachmännisch mit Feldsteinen ohne Verwendung von Mörtel durch sauberes Aufeinanderschichten von Steinen geschaffen. Der Schacht wurde in seiner gesamten Tiefe kreisrund ausgebaut.

Brunnenbau war früher ein geachtetes Handwerk, es setzte Gespür, Geschick und großes handwerkliches Können voraus – in diesem Fall waren zudem geologisches Wissen und Verständnis für die Bodenbeschaffenheit erforderlich. Der Brunnen sollte westlich der Gnadenkapelle stehen und lag dann zwischen der später erbauten Wallfahrtskirche und dem Pfarrhaus.

Es war eine mühselige Arbeit. Die Brunnenbauer mussten sich mit Pickel, Meißel und Stoßeisen Meter für Meter in die Tiefe graben. Der Brunnen dürfte im Jahre 1604 in Auftrag gegeben worden und für die Pilgersaison 1605 fertig gewesen sein, sodass die vielen Wallfahrer genug zu trinken hatten. In den Hochzeiten pilgerten bis zu 30 000 Wallfahrer im Jahr auf den Hohen Peißenberg. Wasser war später auch für den Bau der Wallfahrtskirche wichtig. Die Maurer benötigten viel Wasser, um Kalkmörtel herzustellen. Diese Mengen konnten jedoch nicht in Fässern auf den Berg gefahren werden.

Propst Perghofer starb im Jahre 1611, sein Nachfolger Propst Georg Sießmayr gab den Bau der Wallfahrtskirche in Auftrag, der vier Jahre dauerte. Im Jahr 1619 war die Kirche fertig, ihre Weihe erlebt Propst Sießmayr nicht mehr, er starb noch im Jahr 1619. Im Sommer 1620 wurde die Kirche eingeweiht.

Das Wasser vom Brunnen wurde unter anderem zum Waschen und Kochen im Pfarrhaus benötigt und war für drei Jahrhunderte die einzige Wasserversorgung. Erst mit der Schulhauserweiterung im Zeitraum zwischen 1923 und 1925 wurde nördlich der Gnadenkapelle eine Wasserreserve, ein betonierter Behälter gebaut, welcher aus einer tieferliegenden Quelle versorgt wurde. Dank der Elektrifizierung konnte das Wasser aus einer nördlich des Berges gelegenen Quelle hochgepumpt werden. Damit waren die wenigen Häuser auf dem Hohen Peißenberg versorgt. Die Schule erhielt eine Wasserspülung in den WCs – bis dahin waren Trockenaborte gängige Praxis.

Erst, als in den 1970er Jahren eine Druckleitung gelegt wurde, war der Hohe Peißenberg an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Der Brunnen am Pfarrhaus ist schon lange stillgelegt und befindet sich im Dornröschenschlaf. Viele gehen täglich an ihm vorbei. Davon, wie wichtig er einst war, wissen nur noch wenige.


Rudi Hochenauer

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