+
Trotz Wintereinbruchs konnte Dr. Gabriela Seitz-Hoffmann (linker Tisch, Mitte) zehn Gäste beim Neujahrsempfang von „Aufwind“ begrüßen – unter anderem Thomas Dorsch. 

Hohenpeißenberg

„Aufwind“ ist für faire Streitkultur

Für eine „faire Streitkultur“ sprachen sich die Redner beim traditionellen Neujahrsempfang von „Aufwind“ aus. Um der AfD das Wasser abzugraben, so hieß es, sei auch die Kommunalpolitik gefordert. Ein zentrales Thema sei dabei die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Erleichtert blickte Dr. Gabriela Seitz-Hoffmann am vergangenen Sonntag in die Runde, als sie im Berggasthof „Bayerischer Rigi“ die Gäste zum Neujahrsempfang von „Aufwind“ begrüßte. Die Vorsitzende der unabhängigen Wählergruppierung hatte angesichts des Schneetreibens befürchtet, „dass wir vielleicht nur zu zweit sind“: „Ich habe von einigen eine Absage erhalten, weil sie gar nicht aus der Garage gekommen sind“, berichtete Seitz-Hoffmann. Schließlich waren es aber immerhin zehn Gäste, die sich unter widrigen Bedingungen den Hohen Peißenberg hinaufkämpften. Darunter der mit Allrad-Auto ausgestattete Bürgermeister Thomas Dorsch und Alexandra Röthlingshofer, die über die Situation im Asyl-Unterstützerkreis und in der Nachbarschaftshilfe berichtete.

In ihrer „Neujahrsrede“ schlug Seitz-Hoffmann nachdenkliche Töne an. Die „Aufwind“-Chefin sprach von einem „raueren Klima“, das sich allgemein breitgemacht habe, womit sie den zunehmend schärferen Umgangston in den politischen Debatten gemeint war. Seitz-Hoffmann bezeichnete das Ergebnis der Landtagswahl in Bayern als „erschütternd“, weil es trotz der starken Zugewinne der Grünen keine Verschiebung der Machtverhältnisse gegeben habe: „An der Politik wird sich also nichts ändern“, konstatierte Seitz-Hoffmann. Vor allem der Einbruch der SPD sei bedauerlich. Es sei zu befürchten, dass sozial Schwächere und Geringverdiener „der AfD auf den Leim gehen“. Mit knapp elf Prozent bei Erst- und Zweitstimmen hat die AfD bei den Landtagswahlen in Hohenpeißenberg im Landkreisvergleich eines ihrer besten Ergebnisse eingefahren. „Wenn das ein Ausdruck von Protest ist“, so analysierte Seitz-Hoffmann, „dann müssen wir den Weckruf hören.“ Nicht nur die große Politik, sondern auch die Akteure vor Ort seien dabei gefragt. Es müssten die Sorgen der Bürger müssten ernst genommen und die lokalen Probleme gezielt angegangen werden. Seitz-Hoffmann nannte dabei zuallererst die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum.

„Gastredner“ Thomas Dorsch bezeichnete das zweistellige Wahlergebnis der AfD in Hohenpeißenberg ebenfalls als „sehr schade“. Allerdings sei selbiges nicht in der Gemeindepolitik begründet. „Wir haben hier vor Ort ein gutes Miteinander“, betonte Dorsch – und damit meinte er die Arbeit im Gemeinderat: „Gerade in Zeiten, in den denen die Sprachkultur verkommt, sollte so ein Gremium ein Vorbild sein für saubere Streitkultur sein – und bei uns ist das so.“ Die Schaffung von Wohnraum sei angesichts von steigenden Grundstückspreisen ein „großes Thema“, bei der die Kommunen mehr staatliche Unterstützung bräuchten: „Erst dann können wir vor Ort überhaupt tätig werden“, so Dorsch. Im Rathaus habe man einen „groben Überblick“ über die Leerstände im Ort: „Aber der ist praktisch nicht zu aktivieren.“ Dorsch bestätigte zwar auf Nachfrage von Herrmann Summer, dass zum Beispiel im Pfarrhof die obere Etage nicht genutzt werde. Allerdings sei die Kommune dafür nicht der richtige Ansprechpartner: „Da musst du mit der Kirche reden“, so der Rathauschef.

Von „Wohnungsnot“ sprach Alexandra Röthlingshofer auch in Bezug auf die örtliche Flüchtlingsbetreuung – dann nämlich, wenn die Asylbewerber anerkannt worden sind und die staatlichen Unterkünfte verlassen werden müssen. Vor allem mehrköpfige Familien würden von potenziellen Vermietern sofort eine Absage erhalten. Auch für eine deutsche Großfamilie suche man derzeit im Ort vergeblich nach Wohnraum. Röthlingshofer warnte zudem ausdrücklich vor einer Neiddebatte. So dürfe es zwischen Ausländern und Einheimischen bei der Wohnungssuche keine Konkurrenz geben: „Es muss eine gute Mischung sein“, so Röthlingshofer.

Bernhard Jepsen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nur Lagerfläche, noch kein Betriebsstandort
Das Angebot an Gewerbeflächen ist rar in Peißenberg. Ob das umstrittene „Gewerbegebiet-Ost“ jemals erschlossen wird, steht in den Sternen. Mögliche Alternativflächen wie …
Nur Lagerfläche, noch kein Betriebsstandort
Willi Heidrich wird 90: Mit Willy Brandt am Tisch
90 Jahre alt wird Willi Heidrich am heutigen Montag. Seit 68 Jahren gehört der Penzberger der SPD an. Sein rotes Parteibuch ist ein Stück Zeitgeschichte. Willi Heidrich …
Willi Heidrich wird 90: Mit Willy Brandt am Tisch
Umfrage unter Krebspatienten
Auch wenn die Bevölkerung im Landkreis Weilheim-Schongau nicht wächst, wird die Zahl der Krebserkrankungen voraussichtlich zunehmen. Warum dies so ist, erklärte …
Umfrage unter Krebspatienten
Münchner (54) verirrt sich am Starnberger See
Ein Ausflügler aus München musste am Samstag mittels Handy-Ortung am Starnberger See bei Bernried gerettet werden.
Münchner (54) verirrt sich am Starnberger See

Kommentare