Die Kinder einer Hohenpeißenberger Familie müssen zwei verschiedenen Gymnasien besuchen.
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Die Kinder einer Hohenpeißenberger Familie müssen zwei verschiedenen Gymnasien besuchen.

Eltern verärgert

„Völliger Blödsinn“: Geschwister müssen in verschiedene Gymnasien fahren - Amt verweist auf Gesetz

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
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Die Kinder einer Hohenpeißenberger Familie werden bald beide aufs Gymnasium gehen - allerdings nicht auf das gleiche. Der Grund ist eine neue Vorgabe des Landratsamtes. Und die ist absurd.

Landkreis – „Es ist völliger Blödsinn, ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat“, sagt Ernst Wurzer, der im Elternbeirat der Grundschule Hohenpeißenberg sitzt. Und der Hohenpeißenberger Bürgermeister Thomas Dorsch sagt: „Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar.“ Nicht nur in der Gemeinde am Hohen Peißenberg, sondern auch in vielen anderen Dörfern im Landkreis herrscht derzeit Unmut über die neue Praxis des Landratsamts, nur noch die Fahrtkosten für den Weg zu der weiterführenden Schule zu bezahlen, die am kostengünstigsten zu erreichen ist.

Bei der Wahl der Schule entscheiden wenige Meter 

Das führt in einigen Gemeinden dazu, dass Schüler aus dem selben Ort weiterführende Schulen in verschiedenen Städten besuchen müssen – außer, die Eltern zahlen die Fahrtkosten komplett aus eigener Tasche. In Hohenpeißenberg kostet die Fahrt mit dem RVO-Bus nach Weilheim für Schüler zum Beispiel rund 89 Euro im Monat, die nach Schongau rund 79 Euro.

In Hohenpeißenberg, Huglfing und Oberhausen ist es besonders kompliziert. Je nachdem, in welcher Entfernung die Schüler zum Bahnhof leben, werden die Fahrtkosten für Schulen in verschiedenen Städten übernommen. Dabei können Meter entscheidend sein: Wohnt eine Familie in Hohenpeißenberg innerhalb eines 2,05-Kilometer-Radius um den Bahnhof Hohenpeißenberg, wird für Gymnasiasten nur die Fahrt nach Schongau übernommen. Außerhalb dieser Zone kann der Schüler das Gymnasium in Schongau oder Weilheim besuchen. Für Realschüler gibt es einen 1,8- Kilometer-Radius als Grenze. Die, die innerhalb leben, müssen nach Schongau fahren, die außerhalb können nach Peißenberg pendeln.

Landkreis wurde aufgefordert „streng nach den gesetzlichen Regeln vorzugehen“

Das Schülerbeförderungsgesetz, auf das sich die Behörde bezieht, gilt schon lange. Bislang sind nach Auskunft des Landratsamtes in bestimmten Fällen allerdings Ausnahmen zugelassen worden, „zum Beispiel, um innerhalb einer Gemeinde die Schüler gleich zu behandeln“. Weil die Kosten für diese Ausnahmen vom Landkreis getragen wurden, sei dieser vom Prüfungsverband und und der Regierung von Oberbayern aufgefordert worden, „streng nach den gesetzlichen Regeln vorzugehen“, schreibt Pressesprecher Hans Rehbehn auf Nachfrage. Es gebe aber Bestandsschutz für bisherige Entscheidungen. Der Landkreis übernimmt die Beförderungskosten für rund 3000 Schüler.

In einer Hohenpeißenberger Familie führt diese neue Praxis nun dazu, dass ab dem kommenden Schuljahr die ältere Tochter das Weilheimer, die jüngere das Schongauer Gymnasium besuchen muss. Nur durch Zufall hat die Mutter der Mädchen kurz vor den Osterferien von dieser neuen Regeln erfahren. In Hohenpeißenberg regt sich nun auch Widerstand gegen das Landratsamt. „Es wird eine Initiative gegen die Regelung geben“, kündigt Wurzer an: „Wir schauen, ob sich etwas dagegen machen lässt.“

kh

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