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Profis bei der Arbeit: Die Bodenkundler Uwe Geuß (l.) und Christian Harrandt kurz vor ihrer spektakulären Entdeckung im Schwarzlaichmoor.

Biologischer Sensationsfund

Nicht schön, aber selten

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Manchmal sind es die kleinen Dinge, die für große Begeisterung sorgen – wie die Entdeckung, die Experten im Schwarzlaichmoor bei Hohenpeißenberg machten: der extrem seltene Schwarzbäuchige Vielfraß-Egel.

Hohenpeißenberg – Eigentlich ist es ein Routineeinsatz für die Bodenkundler Uwe Geuß und Christian Harrandt vom Landesamt für Umwelt (LfU). Seit Jahrzehnten schauen sie in regelmäßigen Abständen bei der Bodendauerbeobachtungsfläche im Schwarzlaichmoor bei Hohenpeißenberg vorbei, graben ein Loch, legen die Erde auf eine Plane und untersuchen, was da so alles kreucht.

Dieser Tage war es wieder einmal soweit. „Im Rahmen der Untersuchungen schauen wir auch, wie viele Regenwürmer sich da tummeln“, berichtet Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes beim LfU. Je mehr Regenwürmer, desto besser der Boden – das wissen nicht nur Kleingärtner, sondern auch die Wissenschaftler.

Und so freuten sie sich über das Gewimmel auf der Plane. Wenig später knallten dann allerdings die Korken: Zwischen all den Regenwürmern entdeckten die Experten ein lebendes Exemplar des Schwarzbäuchigen Vielfraß-Egels. „Vielfraß-Egel kommen häufig in der freien Natur vor“, berichtet Eichhorn weiter. Aber die Schwarzbäuche, die seien extrem selten. Gerade einmal drei Funde wurden bislang in Bayern dokumentiert.

Vom Schlaraffenland direkt ins Labor

Nichts ahnend von seinem Exotenstatus, habe sich der Schwarzbäuchige Vielfraß-Egel im Schlaraffenland gewähnt, erzählt Roland Eichhorn weiter. „Sie müssen wissen: Obwohl ein Egel, ist der Schwarzbäuchige Vielfraß-Egel doch kein Blutsauger. Statt dessen ernährt er sich vor allem von Regenwürmern.“ Und auf einmal fand sich der Schwarzbauch auf einer Plane mit bestimmt fünfzig aufgeregten Regenwürmern wieder. „Da hat er sich natürlich gleich gestärkt“, meint Eichhorn.

Der Schwarzbäuchige Vielfraß-Egel, Fachbezeichnung Haemopis elegans, wurde auf der Bodendauerbeobachtungsfläche unweit von Hohenpeißenberg nachgewiesen.

Es sollte allerdings auch die letzte Mahlzeit im Leben des seltenen Schwarzbäuchigen Vielfraß-Egels werden. Die Finder nahmen ihn zur exakten Bestimmung und weiteren Untersuchung mit nach Unterfranken, wo Experten von der Regierung bestätigten, dass es sich zweifelsfrei um einen der seltenen Schwarzbäuchigen Vielfraß-Egel handelt. „Im Anschluss ließ er sein Leben im Dienste der Wissenschaft“, sagt Eichhorn, ohne weiter ins Detail zu gehen. Das sei leider unvermeidbar gewesen, ganz einfach, weil man so selten ein derartiges Exemplar untersuchen kann.

Mögliche weitere Tiere werden in Ruhe gelassen

Eichhorn will nicht ausschließen, dass sich im lockeren und naturbelassenen Erdreich des Schwarzlaichmoores unweit von Hohenpeißenberg noch weitere Schwarzbäuchige Vielfraß-Egel tummeln. Die brauchen aber nicht um ihr Leben zu fürchten und können sich ganz entspannt auf die Suche nach dem nächsten Regenwurm begeben: „Wir werden jetzt nicht weiter suchen“, verspricht Eichhorn. Schließlich soll die Fläche im Moor so naturbelassen bleiben wie irgend möglich, um die Auswirkungen von Klimawandel und Umwelteinflüssen so genau wie möglich untersuchen zu können.

Doch was macht den Schwarzbäuchigen Vielfraß-Egel so besonders? „Sicher, eine klassische Schönheit ist er nicht“, meint Roland Eichhorn. Aber mit seiner schwarzen Zeichnung sei das rund sieben Zentimeter lange Tier „eigentlich schon ganz hübsch“. Und angesichts des Umstands, dass man lange davon ausging, dass die Art nahezu ausgestorben ist und bislang kaum untersucht werden konnte „ist es schon eine wissenschaftliche Sensation, dass wir jetzt einen im Landkreis Weilheim-Schongau gefunden haben“. Ein Zeichen für eine starke Biodiversität in unserer Heimat.

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