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Eine Stunde und 20 Minuten. So lange dauerte  die Fastenpredigt von "Bruder Johann".

„Bruder Johann“ bei der Josefifeier

„AfD“ heißt in Hohenpeißenberg „Alle für Dorsch“

Hohenpeißenberg - Das Derblecken hat in Hohenpeißenberg Tradition. „Bruder Johann“ sparte bei der  Josefifeier auch diesmal nicht mit Spott.

Die Josefifeier ist seit zwei Jahrzehnten fester Bestandteil im Jahresablauf der Hohenpeißenberger Knappschafts- und Trachtenkapelle. 200 Besucher im „Haus der Vereine“ hatten am Samstagabend ihren Spaß an der Fastenpredigt von „Bruder Johann“ (Hans Seidl), der wieder das Leben im Dorf das Jahr über genau unter die Lupe genommen hatte.

Eine Stunde und zwanzig Minuten predigte Bruder Johann und las dabei etlichen Menschen aus dem Dorf die Leviten. Er nennt die Dinge beim Namen, hält quasi den Leuten den Spiegel vor. „Lauter wahre Begebenheiten, da ist nichts erfunden“, betonte er. Da kämen Sachen raus, die vielleicht gar keiner kennt. Johann bedauerte: „Ma sagt mir nix mehr, ich muss mir alles zambetteln“.

Na ja, dann war er aber selbst recht fleißig, der 60-jährige Bruder Johann, der in seiner Predigt mit Lob und Tadel nicht geizte. Noch vor einigen Jahren sei es eine Ehre gewesen, auf dem Zettel des Bruders zu stehen. Aber: „Langsam fällt auf, dass keiner mehr was tut, jeder flackt nur noch auf der faulen Haut, wie der Obelix vorm Rathaus.“ Sogar die „Gabriela vom Gemeinderat“ (Gabriela Seitz-Hoffmann) sage nichts mehr. „Kein Wunder, es war ja auch kein Wahljahr.“

Im Gemeinderat, so die Feststellung des Bruders, seien jetzt fast alle bei der AfD („Alle für Dorsch“ ), darum sei es da auch so ruhig. Im Übrigen wollte Bruder Johann seinen Bürgermeister nicht beleidigen, „net dass du nimmer kommst wie die Barbara Stamm“. Bürgermeister Thomas Dorsch war aber da und mit ihm zehn Gemeinderäte.

„Schächen-Tower“ und „Tatort Friedhof“

Bruder Johann sprach auch den „Schächen-Tower“ an, der jetzt ein großes Flachdach bekommt. „Und keiner regt sich auf wie damals bei neuen Apotheke. Was dem Bruder auch aufstößt, ist der Aufzugsschacht im neuen Kindergarten. „Man könnte meinen, der Alpenverein hat eine neue Kletterwand bekommen.“ Auch der Schneefänger auf dem Dach sei nix, der halte gerade mal ein paar Zentimeter ab. Aber das seien halt die kleinen Fehler der Architekten, sagte Bruder Johann. Er nahm auch die Gartenwerkzeuge zur Grabpflege auf dem Friedhof unter die Lupe, die neuerdings an einem Holzbrett angebracht sind. Damit sie nicht gestohlen werden, ist ein GPS-Sender eingebaut. Im „Merkur“ sei dies unter der Schlagzeile „Tatort Friedhof“ zu lesen gewesen. Für das kleine Bushäusl am Kindergarten habe der Bürgermeister keinen Architekten gebraucht, weil er alles selbst in die Hand genommen habe. „Das ist jetzt ein Blickfang vor den neuen Kindergarten“, lobte Johann.

Dass der Bürgermeister auch einmal grantig sein kann, wollte er nicht glauben. Doch, der Rathauschef kann – und zwar, weil das mit den reservierten Plätzen beim Schmankerlfest nicht geklappt hat; zu nah an der Musik und mit einem kalten Aufwind im Genick, sei Dorsch gesessen. „Aber woher soll er so was kennen, wo es doch im Rathaus immer so schön still ist und so harmonisch zugeht und wo dem Thomas noch nie jemand aus der Gemeinde den Marsch geblasen hat“, so Johann, der viele aus dem Ort erwähnte, aber auch den „Dobrindt Alexander“, den Bundesverkehrsminister.

Neun Josefs waren dabei

Mit in die Predigt eingebunden war die Knappschafts- und Trachtenkapelle mit Dirigentin Martina Koller. Musiker-Vorstand Peter Wiesmüller hatte die Josefifeier organisiert. Er sagte: „Die Feier bietet Gelegenheit zum Ratschen, zum Essen und zum Trinken.“ Es gab einen Riesenapplaus am Ende der Predigt und auch zwischendurch immer wieder. Übrigens: Wer Josef oder Josefine heißt, musste keinen Eintritt bezahlen. Josefs waren es neun, Josefine hat Georg Löw an der Kasse keine registriert.

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