Dieses Ölgemälde könnte einen Hinweis darauf geben, wieso ein Berchtesgadener das Kreuz entwarf.
+
Dieses Ölgemälde könnte einen Hinweis darauf geben, wieso ein Berchtesgadener das Kreuz entwarf.

Idee nahm in Hohenpeißenberg ihren Anfang

Der Pfarrer und das Gipfelkreuz der Zugspitze

Vor ziemlich genau 170 Jahren wurde auf dem Zugspitzgipfel das erste Gipfelkreuz errichtet. Deutschland höchster Berg ist Kilometer vom Hohen Peißenberg entfernt und dennoch gibt es eine Verbindung zu dem Ereignis: Christoph Ott, der damals Pfarrer in Hohenpeißenberg war, hat das Aufstellen des Kreuzes durchgesetzt.

Hohenpeißenberg – Der damalige Pfarrherr, Christoph Ott hatte es sich in den Kopf gesetzt, dass auch auf die Zugspitze ein schönes Gipfelkreuz kommen sollte, nachdem schon viele Berge in der Umgebung eines hatten. Er sammelte Geld für dieses Unterfangen und bekam Unterstützung von der Gattin des bayerischen Königs Maximilian II, der Mutter von Ludwig II. Königin Marie war eine begeisterte Bergsteigerin. Sie stand hinter diesem Vorhaben.

Den Plan für dieses Kreuz fertigte der Berchtesgadener Bergmeister Hailer, ein in Berchtesgaden tätiger hoher Bergbeamter. Ob Ott ihn gekannt hat oder ob der Kontakt mit ihm über einen tätigen Steiger vom Hauptstollen zustande kam bleibt ungewiss.

Gesamtgewicht von 150 Kilogramm

Zu jener Zeit war Michael Kirschner verantwortlicher Steiger in Hohenpeißenberg am Hauptstollen. Pfarrer Ott und Kirschner kannten sich weil Kirschner jahrelang im Gebäude des Bergamtes am Hauptstollen wohnte. Im Fundus findet sich ein sehr altes Ölgemälde welches den Blick auf Berchtesgaden zeigt. Es war früher im Besitz königlichen Bergwerksverwaltung.

Bergmeister Hailer fertigte die Pläne für dieses Gipfelkreuz und in Schongau wurden diese dann vom Schlossermeister Kiesel, dem Kupferschmiedemeister Bauer und dem Goldarbeiter Sextl umgesetzt. Das Kreuz bestand aus Eisen, es wurde mit Kupfer plattiert und das Kupferblech dann vergoldet. Das Gesamtgewicht des Kreuzes lag bei 300 Pfund (150 Kilo), es war 14 Fuß hoch (ca. 4,50 Meter) und war in 28 Teile zerlegbar was auch für den späteren Transport sehr wichtig war.

Nach der Fertigstellung wurde es am 4. August 1851 auf dem Hohen Peißenberg aufgestellt und dort geweiht. Zu lesen ist über die damalige Weihe „Böller-Salven trugen in lang anhaltenden Echo den freundlichen Gruß das Gebirg entlang“. Das Kreuz wurde dann nach Partenkirchen transportiert, es kam dort am 6. August an und nach einer öffentlichen Zurschaustellung im dortigen Forstamtsgarten begann am 11. August der Transport auf die Zugspitze (in der Hohenpeißenberger Ortschronik ist zu lesen der 19. August war der Abmarschtag für die Zugspitzexpedition).

443 Gulden und 10 Kreuzer

Unter der Leitung des Forstwarts von Graseck, einem Karl Kiendl marschierte die Expedition aus zehn Begleitern und zehn Trägern über das Reintal in Richtung Zugspitze. Auf einer Hütte im Reintal wurde übernachtet. Der Aufbruch Richtung Gipfel erfolgte sehr früh, sodass schon am Vormittag der Westgipfel erreicht wurde. Dort wurde das Kreuz zusammengebaut und im Gestein verankert. Laut Unterlagen soll dieses Unterfangen bis 15:30 Uhr gedauert haben, dann begann der Abstieg ins Tal.

Am dritten Tag kehrten alle wieder heim – so ist es in den Aufzeichnungen zu lesen. Die Kosten für die Anfertigung des Kreuzes, die aus Spenden aufgebracht wurden, betrugen 443 Gulden und 10 Kreuzer, die Expedition auf den Gipfel verursachte Kosten in Höhe von 167 Gulden und 26 Kreuzern. Anfertigen und Aufstellen des Gipfelkreuzes hat damit insgesamt 8500 Euro gekostet.

Amerikaner machten Schießübungen

Die ersten Restaurierungsarbeiten am Gipfelkreuz fanden 31 Jahre später statt, in den Jahren 1881/1882 musste das Kreuz infolge von Blitzeinschlägen und Witterungseinflüssen abgebaut und nach München transportiert werden. Dort wurde es instandgesetzt und dann aber auf dem Ostgipfel aufgebaut.

Amerikanische Soldaten haben nach dem Ende des zweiten Weltkrieg ihre Schießkünste auf das Kreuz bewiesen, so wurde immer berichtet. Die große runde Kugel an dem Kreuz war die Zielscheibe, sie hatte nämlich mehrere Einschusslöcher. Das Kreuz stand dann bis zum Jahr 1993, es hat seit der ersten Renovierung weitere 111 Jahre auf dem Gipfel gestanden und allen Witterungseinflüssen getrotzt, dann wurde es abmontiert und durch einen originalgetreuen Nachbau ersetzt. Dieses erste Gipfelkreuz befindet sich heute im Heimatmuseum an der Ludwigstraße in Garmisch-Partenkirchen und kann dort auch besichtigt werden.

Rudi Hochenauer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare