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Rund 130 Gäste waren der Einladung der Kreis-CSU zum Ehrenamtsempfang mit Prof. Herrmann (am Pult) gefolgt.

Ehrenamtsempfang der CSU

Loblied aufs Ehrenamt mit einer „komischen Figur“

Hohenpeißenberg - Die CSU hatte auf dem Hohen Peißenberg zu ihrem Ehrenamtsempfang geladen. Gastredner  war der Präsident der TU München.

Wenn der CSU-Kreisverband zu seinem Ehrenamtsempfang einlädt, dann läuft das in der Regel nach dem selben Muster ab: Die Veranstaltung findet traditionell im Restaurant „Bayerischer Rigi“ auf dem Hohen Peißenberg statt, ein prominenter Redner spricht zu den Gästen, und Kreisverbandsvorsitzender Alexander Dobrindt hält Lobeshymnen auf das Ehrenamt. Doch am Freitagabend musste der Bundesverkehrsminister passen. Die jüngsten Abgas-Manipulationsvorwürfe bei Opel hielten Dobrindt in Berlin. Und so musste die Regie beim Ehrenamtsempfang kurzfristig geändert werden. Dobrindts Part übernahm Alexandra Bertl – und das passte auch irgendwie besser zum Anlass: „Vielleicht hat es ja sogar mehr Charme, wenn Sie kein Berufspolitiker, sondern eine ehrenamtliche Bezirksrätin begrüßt“, ließ Bertl die rund 130 Gäste wissen. Gemeinsam mit Peter Erhard, Chef der CSU-Kreistagsfraktion, lobte sie das Engagement der Ehrenamtlichen als „Bastion gegen die Beliebigkeit“ und „tragende Säule der Gesellschaft“. Erhard warnte davor, die bürokratischen und haftungsrechtlichen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Tätigkeiten zu verschärfen: „Das ist eine Bitte an die politisch Verantwortlichen, den Ehrenamtlichen nicht nur bei Jubiläen und Festen zu danken, sondern für sie auch etwas zu tun.“ Und was ist mit CSU-Empfängen? Die hat Erhard natürlich nicht gemeint. Neben dem obligatorischen Lob für die Ehrenamtlichen wurde auch der Gastredner mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht. Professor Wolfgang A. Herrmann von der TU München sei, so Bertl, der „Rekordrektor“ unter den Uni-Präsidenten und „weltberühmt“. Kein deutscher Chemiker werde in Publikationen mehr zitiert als er. „Na ja“, schmunzelte Herrmann, ehe er ans Rednerpult ging, um sich mit dem Thema „Ehrenamt“ unter wissenschaftlichen Aspekten zu beschäftigen.

Die TU München ist die einzige Hochschule auf der Welt, die in ihrem Campus einen Maibaum stehen hat. Doch damit allein ist es nicht getan: „Der nachhaltige Erfolg von Ländern hat mit der Kohärenz in den Gesellschaften zu tun“, erklärte Herrmann und nannte als Negativbeispiel China. Aufgabe der Unis sei es, eine Wechselwirkung mit der Internationalität zu schaffen. „Gerade unsere ausländischen Studenten müssen sehen, wo unsere kulturellen und im Übrigen auch religiösen Wurzeln liegen. Sie müssen erkennen, dass wir eine gewachsene Kulturnation sind – dann eifern sie uns nach“, sagte Herrmann.

Die heimischen Studenten wiederum müssten „für die Welt“ ausgebildet werden. Offen für fremde Gesellschaften sei man aber nur dann, wenn man die eigenen Wurzeln kenne – und für die Erziehung junger Menschen sei das Ehrenamt ein zentraler Faktor. „So, jetzt verstehen Sie, warum so eine komische Figur wie ein Uni-Professor zu Ihnen gesprochen hat“, sagte Herrmann am Ende seines launigen Vortrags. Der langjährige TU-Präsident (seit 1995) hat übrigens praktische Erfahrung im Ehrenamt: Er war Dirigent in einem Gesangsverein und ist aktiver Organist. Da passte das Gastgeschenk, das der CSU-Kreisverband vorbereitet hatte, wie die Faust aufs Auge: eine Einladung zum „Weilheimer Orgelsommer“. 

Bernhard Jepsen

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