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Rudi Hochenauer (l.) und Rudi Hochenauer (r.) freuen sich über den Mini-Uhrturm von Franz Merkl. 

Hohenpeißenberg

Ein Mini-Uhrturm für den Bürgermeister

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Auf dem Schreibtisch von Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch steht nun ein Mini-Uhrturm. Den Entwurf dafür hatte Franz Merkl aus Peißenberg, der die Miniatur angefertigt hat, eigentlich für einen Turm im Großformat gemacht. Dieser sollte im Ort aufgestellt werden und eine Uhr von 1895 tragen. Dazu kam es aber nicht.

Hohenpeißenberg/Peißenberg – Neben Bürgermeister Dorsch bekam auch Gemeinderat Rudi Hochenauer einen Mini-Uhrturm geschenkt, an dem auf vier Seiten die aktuelle Uhrzeit abzulesen ist. Beide Männer hatten sich zunächst für die Aufstellung des großen Turms stark gemacht. Dieser sollte etwa fünf Meter hoch sein und einen kleineren, alten Uhrturm in Szene setzen, dessen Ursprünge in der Bergwerkszeit liegen. Der Gemeinderat sprach sich jedoch gegen das Projekt aus.

Doch was hat es mit der Uhr auf sich? Das historische Stück, dessen Weg sich bis in eine Königlich Bayerische Hofuhrenmanufaktur in München zurückverfolgen lässt, befand sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinem turmförmigen Gehäuse am Unterbau (auf dem Dach der heutigen „Hauptstelle für das Grubenrettungswesen“). Dort zeigte es vielen Bergleuten die Zeit an.

Später bekam das – etwas veränderte – Uhrtürmchen seinen Platz auf der Strickwarenfabrik in Hohenpeißenberg. Doch deren Gebäude wurde 2016 abgerissen. Das Türmchen war zuvor in einer durchaus  Aufsehen erregenden Aktion gerettet worden (wir berichteten). Es ist im Besitz der Gemeinde und wartet aktuell auf dem Bauhof aus seine Restaurierung.

Die vom ehemaligen Bergmann Franz Merkl (78) aus Peißenberg erstellten Pläne für den großen Uhrturm, dessen Spitze der alte, kleinere Uhrturm bilden sollte, überzeugten den Gemeinderat von Hohenpeißenberg nicht. Dieser war der Meinung, die Uhr gehöre „auf ein Gebäude wie früher“ und für sie solle „kein separates Kunstwerk“ im Ort errichtet werden, erklärt Bürgermeister Dorsch. Er selbst vertrat allerdings – wie auch Rudi Hochenauer – eine andere Ansicht.

Nach den aktuellen Planungen soll das alte, auf dem Bauhof zwischengeparkte Uhrtürmchen mit Hilfe einer „namhaften Spende“ restauriert werden, so Dorsch. Weitere Überlegungen gebe es auch schon, aber diese will der Bürgermeister noch nicht verraten.

Merkl wollte seinen Entwurf nicht einfach in den Papierkorb werfen. Er machte sich an die Arbeit und stellte seinen Uhrturm im Kleinformat her – für Dorsch, Hochenauer und sein eigenes Wohnzimmer. Zu jedem Miniturm gehören nicht nur vier Zifferblätter wie beim historischen Original, sondern auch vier auf Sperrholz gebrannte Abbildungen: Es handelt sich um Bilder vom Hauptstollen, Unterbaustollen und Wetterschacht sowie um ein aktuelles Motiv. Merkl habe in die Mini-Bauwerke „viel Arbeit reingesteckt“, lobte der Bürgermeister.

Die kleinen Türme sind nicht die ersten Arbeiten zum Thema „Bergbauzeit am Hohen Peißenberg“, denen sich Merkl widmete. So baute der frühere Hauer auch den alten Förderturm aus Peißenberg im Maßstab 1:10 nach (das Modell ist im dortigen Bergbaumuseum zu sehen). Und für die historische Glocke, die sich am Hauptstollen in Hohenpeißenberg befindet, entwickelte er die Aufhängung.  

Sein Engagement kommt nicht von ungefähr, denn er ist mit dem Bergbau tief verbunden: „Ich war Bergmann in dritter Generation“, sagt Merkl, „und ich habe bis zur letzten Schicht im Bergwerk Peißenberg gearbeitet.“

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