Wegen des Saharastaubs gab es im Februar oft schlechte Sicht. Diese Aufnahme von Daniela Schütz nahe Huglfing hat nichts mit Saharastaub zu tun, schaut aber ähnlich mystisch aus.
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Wegen des Saharastaubs gab es im Februar oft schlechte Sicht. Diese Aufnahme von Daniela Schütz nahe Huglfing hat nichts mit Saharastaub zu tun, schaut aber ähnlich mystisch aus.

Wetterrückblick des Observatoriums

Ein Monat der extremen Gegensätze

Der Februar war ein Monat starker Kontraste, wie die Bilanz vom Observatorium auf dem Hohen Peißenberg zeigt. Neben einer kurzen und heftigen Kälteperiode gab es auch Wärmerekorde.

Hohenpeißenberg – Der letzte Wintermonat begann zunächst unter atlantischem Einfluss sehr mild mit acht frostfreien Tagen und Regen. Vom 4. bis 7. Februar stiegen die Tagesmaxima auf 10 bis 12 Grad Celsius an. Es war sehr windig. Über dem Norden Deutschlands lag bereits eine Luftmassengrenze mit Dauerfrost und Schneefällen, gleichzeitig verstärkte sich über Süddeutschland die sehr milde Südwestströmung mit subtropischer Luft aus Nordafrika. Die beiden extrem unterschiedlich temperierten Luftmassen stießen nun über der Mitte Deutschlands zusammen, was dort starke Schneefälle und Eisregen auslöste sowie, verbunden mit starken Winden, zu meterhohen Verwehungen führte.

Wir im Süden mussten zur gleichen Zeit am 6. Februar mit Saharastaub vorliebnehmen. An diesem Tag konnte man einen bräunlich bis dunkelgelb gefärbten Himmel ohne Sonne sehen – es machte schon einen leicht apokalyptischen Eindruck. Wo es regnete, etwa in Franken, waren die Saharastaubablagerungen auf Gegenständen sehr gut zu sehen.

Ab dem 7. Februar drang die Polarluft allmählich nach Süden vor, die Temperaturen sanken auf dem Hohen Peißenberg für sieben Tage in den Frostbereich ab. Ab dem 8. Februar bildete sich eine Schneedecke, die am 11. mit 20 Zentimetern Höhe ihr Monatsmaximum erreichte. Die Tagesmaxima lagen vom 9. bis 14. Februar unter dem Nullpunkt (Eistage). Am 11. wurde das niedrigste Tagesmaximum des Monats mit minus 10,2 Grad Celsius gemessen.

Am 12. Februar lebte der Wind kräftig auf, so dass sich etwa um 10 Uhr die minus 13 Grad wie minus 30 Grad „anfühlten“, gemessen am sogenannten Windchill-Faktor. Nachts lagen während dieser Frostperiode die Minima unter minus 10 Grad. Die tiefste Februartemperatur wurde am 13. mit minus 14,9 Grad gemessen. Am 13./14. erlebten wir ein hochwinterliches Dauerfrostwochenende mit täglich maximalem Sonnenschein mit knapp zehn Stunden.

In der Folge vertrieben kräftige Tiefs über dem Atlantik die Kälte und induzierten eine immer kräftiger werdende Südwestströmung, die die Temperaturen immer weiter in die Höhe trieb. Das Wochenende, 20./21. Februar, war genauso sonnig wie das vorangegangene, nur war es um 20 bis 25 Grad wärmer geworden. So wurden auf dem Hohen Peißenberg am 13. Februar maximal minus 8,7 Grad gemessen, eine Woche später – am 20. Februar – waren es plus 16,8 Grad.

Ab dem 22. Februar wurde mit den südlichen Winden erneut Saharastaub nach Bayern verfrachtet, der eine beeindruckende Wegstrecke zurücklegte: Über Spanien, West- und Mitteleuropa bis Nordskandinavien ging es über Osteuropa und die Türkei wieder zurück nach Afrika bis Ägypten. So lag die Sichtweite auf dem Hohen Peißenberg am 23. Februar nur bei 30 Kilometer – man konnte kaum die Zugspitze sehen, obwohl man entsprechend der trockenen Luft normalerweise mühelos bis zum Großvenediger blicken kann.

Auch wären die Temperaturen ohne Staubeintrag noch rekordverdächtiger ausgefallen als sowieso schon, denn am 20., 22. und 25. Februar wurden jeweils Tagesmaximarekorde aufgestellt mit 16,8, 18,6 und 18,2 Grad. Solche warmen Februartage gab es seit Beginn der Aufzeichnungen 1781 noch nicht, ebenso wenig wie eine Vielzahl solch warmer Tage in Folge.

Auf dem Hohen Peißenberg sind solche Serien kaum möglich, da die Berglage auf wechselnde Windrichtungen stets mit Temperaturschwankungen reagiert. Am 22. Februar waren die Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal um 7 Uhr sehr groß: Während es auf dem Hohen Peißenberg zu diesem Zeitpunkt schon plus 12 Grad waren, wurden in Peißenberg nur minus 1 Grad gemessen.

Vom 20. bis 26. Februar schien die Sonne täglich 9 bis 10,3 Stunden und verstärkte das Sommerfeeling. Die sehr warme Witterung zeigte sich auch überall an der Vegetation. Auf dem Hohen Peißenberg blühten im Februar bereits Hasel, Huflattich und die Kornelkirsche, sogar das Gras auf den Hängen färbte sich dunkelgrün.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter

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