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Zuerst musste eine Straße gebaut werden. 

Seltene Erscheinung in Hohenpeißenberg

Gefährlicher Gruß von unter Tage am Hohen Peißenberg

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In Hohenpeißenberg hat sich plötzlich ein Loch in der Erde aufgetan, das ein Gruß aus der Bergbau-Vergangenheit ist. Nun wird es mit Beton gefüllt. Doch das ist nicht so einfach.

Hohenpeißenberg Der Landwirt aus Hohenpeißenberg traute seinen Augen nicht. Plötzlich war da ein Loch in der Wiese am Hohen Peißenberg unterhalb von Oberschwaig, die er landwirtschaftlich nutzt. Die Grasnarbe ist abgebrochen und ein kleiner Krater entstanden, der in eine Öffnung in der Erde mündet. Und darunter geht es weiter: Unter der Wiese liegt ein freigelegter Stollen samt Schacht. Gut, dass der Landwirt aufmerksam war, als er seine Wiese dort mähte, sonst wäre er womöglich mitsamt seinem Bulldog in dem Loch stecken geblieben.

Wieder einmal hat der Hohe Peißenberg deutlich gemacht, dass in seinem Innern Kohle abgebaut wurde. „Tagbruch“ werden diese Schäden genannt. Sie treten in der Regel auf, wenn alte, nicht verfüllte Bergwerkschächte einbrechen.

Das war auch in Hohenpeißenberg der Fall. Vermutlich war eine Drainage gelegt worden, durch die Wasser in einen stillgelegten Stollen geflossen ist und plötzlich waren der ehemalige Stollen und ein Schacht freigelegt. Das unterspülte Erdreich brach nach unten durch und es entstand ein größeres Loch in der Wiese.

Der Bereich wurde abgesperrt

Nachdem der Landwirt den Schaden entdeckt hatte, wurde der Bereich abgesperrt und vorläufig gesichert. Dieser Gruß aus der Bergbauvergangenheit Hohenpeißenbergs wurde aber erst öffentlich gemacht, nachdem klar war, dass das Loch in der Erde bald mit Beton aufgefüllt wird. Die Gefahr, dass Neugierige in den Stollen klettern und sich verletzen wäre zu groß gewesen.

In Hohenpeißenberg wurde von 1837 bis 1970 Bergbau betrieben. In diesem Bereich am Hohen Peißenberg wurde vor etwa 140 Jahren Kohle abgebaut und es wurden immer wieder kleine Tagschächte errichtet. Diese wurden gebaut, um eine bessere Belüftung – in der Bergmannssprache heißt es „Bewetterung“ – zu gewährleisten. Wenn in dem betreffenden Gebiet nichts mehr abgebaut wurde, sollten diese Schächte eigentlich aufgefüllt werden, damit nichts einstürzen oder nachgeben kann.

Nun wird mit Beton aufgefüllt

Offensichtlich ist das aber im Falle dieses Schachtes übersehen worden. Diesen unterspülten Schacht einfach so zu lassen, wäre viel zu gefährlich und das Risiko, dass bei einem Einsturz Menschen zu Schaden kommen zu groß. Deswegen hat sich die „Immobilien Freistaat Bayern“ dazu entschlossen, den ehemaligen Schacht mit Beton aufzufüllen. Der Staatsbetrieb ist dafür zuständig ist, dass die Schäden, die als Folge des Bergbaus am Hohen Peißenberg zu sehen sind, beseitigt werden.

Doch ganz so einfach ist es nicht: Der Krater ist ziemlich groß. Wie groß genau, lässt sich nicht sagen. Es wurden 17 Meter Tiefe gemessen, doch es kann gut sein, dass das Loch noch tiefer reicht und es liegt mitten in einer Wiese. Die schweren Betonmischer können dort nicht einfach fahren. Zunächst musste deswegen mit einem großen Kettenbagger eine Baustraße zu dem Erdloch angelegt werden. Ingenieurbüros sind eingebunden, um den Schaden dauerhaft und fachkundig zu regeln. Die Firma „Strommer“ wurde mit der Beseitigung des „Tagbruchs“ beauftragt Die Hohlräume werden dann mit einer größeren Menge an Beton aufgefüllt, wahrscheinlich muss der Inhalt mehrerer Betonmischer eingefüllt werden. Anschließend wird die Oberfläche wieder hergerichtet. Wenn wieder Gras über die Sache gewachsen ist, sieht keiner mehr, dass unter der Wiese einst Bergbau betrieben wurde. Bis sich ein neues Loch in einer Wiese am Hohen Peißenberg auftut. Aber das kommt äußerst selten vor.

Rudi Hochenauer

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