Unter anderem extreme Wetterverhältnisse können einen Blackout auslösen und die Stromversorgung zusammenbrechen lassen. dpa
+
Unter anderem extreme Wetterverhältnisse können einen Blackout auslösen und die Stromversorgung zusammenbrechen lassen. dpa

Vortrag im Gemeinderat

Wie sich Hohenpeißenberg für den Blackout rüstet

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
    schließen

Wie schnell ein Blackout die Gemeinde, die Region und das ganze Land ins Chaos führen würde, stellte Sandra Kreitner eindrücklich im Hohenpeißenberger Gemeinderat vor. Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer unterstützte sie dabei.

Hohenpeißenberg – Plötzlich geht das Licht aus, elektrische Geräte funktionieren nicht mehr, das Festnetz-Telefon ist tot, das Internet ebenfalls. Nach ein paar Stunden verabschiedet sich auch das Handy, weil das Mobilfunknetz zusammenbricht. Ampeln fallen aus, U- und S-Bahnen stehen still, die Züge fahren nicht mehr, Wasser- und Stromversorgung funktioniert nicht mehr, der Treibstoff an den Tankstellen ist ausverkauft. Die Notstromaggregate verabschieden sich nach und nach. Die Krankenhäuser können die medizinische Versorgung nur so lange aufrecht erhalten wie sie Notstrom haben. Nach etwa einer Woche bricht das Gesundheitssystem zusammen.

Wie schnell das ganze Land bei einem Blackout im Chaos versinken würde, schilderte Sandra Kreitner in einem Vortrag, den sie im Hohenpeißenberger Gemeinderat hielt: „Bei einem Blackout kann innerhalb von Sekunden der Strom in ganz Europa weg sein“, sagte sie zu Beginn ihres Vortrags. Die promovierte Biophysikerin lebt in Hohenpeißenberg und beschäftigt sich schon länger intensiv mit dem Thema „Blackout“, hält Vorträge, hat einen Flyer dazu erstellt und berät den Landkreis dabei, sich für den Ernstfall zu wappnen. Der Vortrag im Gemeinderat war gleichzeitig Start des Pilotprojektes „Stromausfall in der Gemeinde“, das in Hohenpeißenberg nun läuft.

Als „Blackout“ wird ein überregionaler (Deutschland, Teile Europas oder der ganze Kontinent sind betroffen), langandauernder (Tage bis Wochen) Ausfall der Stromversorgung und der Infrastruktur bezeichnet. „In so einem Fall sind die Gemeinden auf sich alleine gestellt, Hilfe von außerhalb kann nicht erwartet werden“, sagte Kreitner in der Gemeinderatssitzung. Deswegen sei es wichtig, als einzelner, als Familie, als Kommune und auch als Landkreis einen Notfallplan zu entwickeln, auf den im Ernstfall zurückgegriffen werden könnte, so die Hohenpeißenbergerin.

Dass dieser Ernstfall des Blackouts irgendwann eintritt, ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. „Die Wahrscheinlichkeit kann nicht berechnet werden, allerdings gehen verschiedene Behörden und Fachleute von einem Zunehmen der Gefahr aus, einige rechnen mit einem Eintreffen binnen der nächsten fünf Jahre“, schreibt Kreitner in ihrer Broschüre „Blackout – Wissen“, die sie an die Gemeinderäte verteilte.

In der Broschüre führt die Wissenschaftlerin unter anderem aus, wie der einzelne vorsorgen kann. Es wird geraten, sich einen Vorrat an Wasser und haltbaren Lebensmitteln für mindestens eine Woche zuzulegen. Auch andere bei einem Blackout wichtige Dinge sollten in jedem Haushalt vorsorglich vorhanden sein wie zum Beispiel ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampen, eine Kochmöglichkeit, die mit Kohle oder Gas betrieben wird, eine Möglichkeit zu heizen und Bargeld. In der Broschüre findet sich zudem eine Liste an Maßnahmen, die zu Beginn des Blackouts ergriffen werden sollten. Außerdem wird aufgelistet, wie jeder einzelne im Ernstfall die Menschen in seiner Gemeinde und damit seine Kommune unterstützen kann.

Im Anschluss an den Vortrag bedankte sich Bürgermeister Thomas Dorsch bei der Wissenschaftlerin: „Ganz herzlichen Dank, da steckt wahnsinnig viel Arbeit drin.“ Hohenpeißenberg habe durch den Hackerangriff auf die Kommune erst vor Kurzem erfahren, „dass eine abstrakte Gefahr sehr konkret werden kann.“ Ein Blackout sei ein wichtiges Thema, das als mögliche Gefahr gar nicht so bewusst sei, sagte der Bürgermeister.

Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer wäre bei Großschadensereignissen und Katastrophen der vorbenannte örtliche Einsatzleiter. Er stellte dar, wie sich der Landkreis auf ein solches Ereignis wie einen Blackout vorbereitet. „Wir haben uns im Landratsamt schon damit beschäftigt und einen Arbeitskreis gegründet.“ Allerdings sei dessen Arbeit durch die Coronapandemie ausgebremst worden. Diese soll so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. „Die Vorbereitungen auf so ein Ereignis sehen wir als ganz große Herausforderung an“, sagte Fernsemmer.

Vortrag

Am Donnerstag, 23. September, startet Sandra Kreitner die Vortragsreihe über einen Blackout, um die Bürger im Landkreis über das Thema zu informieren. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im HOP im neuen Schächen in Hohenpeißenberg.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare