Die Bergleute, die damals den Wetterschacht gruben, verrichteten harte Arbeit unter schwierigen Bedingungen. 
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Die Bergleute, die damals den Wetterschacht gruben, verrichteten harte Arbeit unter schwierigen Bedingungen. 

Aus der Hohenpeißenberger Bergbaugeschichte

Grüße aus dem tiefsten Schacht Bayerns

Der Wetterschacht in Hohenpeißenberg war mit einer Tiefe von 1150 Metern vor 60 Jahren der tiefste Schacht in Bayern. Er diente in erster Linie der Bewetterung (Frischluftversorgung) der umfangreichen Grubenfelder bis Peißenberg.

Hohenpeißenberg – Schon im Oktober 1960 wurde über den Hohenpeißenberger Wetterschacht in verschiedenen Publikationen berichtet. Der Bergbau ging damals immer mehr in die Tiefe, man folgte den teilweise steil nach Süden abfallenden Kohleflözen. Deshalb begann das Abteufen, (so bezeichnet man das Graben in die Tiefe) des Wetterschachtes im Sommer 1958 von der fünften Sohle, welche auf 520 Metern lag, auf die achte Sohle, die in Hohenpeißenberg auf 1100 Metern Tiefe lag.

Der Wetterschacht wurde in den Jahren 1937 bis 1939 gebaut und damals bis 520 Meter Tiefe mit einem Durchmesser von sechs Metern abgeteuft. Weil immer tiefer in den Berg gegraben wurde, reichte diese Tiefe schließlich nicht mehr aus. Das Ziel war, den Wetterschacht um weitere 600 Meter in die Tiefe zu bringen, um eine Frischluftzufuhr für die 1000-Meter-Sohle zu gewährleisten.

Da der Standort am Bahnhof in Hohenpeißenberg 100 Meter höher lag als Peißenberg, musste der Wetterschacht zwangsweise tiefer werden als der Peißenberger Hauptschacht, der schon seit dem Jahr 1953 auf 1050 Meter Tiefe geteuft war.

Im Dezember 1960 wurde die 1100 Meter-Marke geknackt. Es wurde gebohrt und gesprengt, der Gesteinsbruch wurde nach oben gefördert und dann wurde gemauert. Insgesamt mussten etwa 20 000 Kubikmeter Abbaumaterial nach oben befördert werden. Dieses wurde dann an der Berghalde abgekippt, die südlich der Bergbaugebäude lag.

Es ist für heutige Maßstäbe schwer vorstellbar, was die Bergmänner an Staub, Lärm, Dreck und in der Tiefe an Hitze erdulden mussten – ohne Gehörschutz, mit maximal einem Tuch vor dem Gesicht, um den Staub und den Schweiß abzuwischen. Die Atemfilter waren unbrauchbar, weil sie durch den Staub zu schnell dicht machten und so das Atmen zu sehr erschwerten. Deswegen verzichteten die Bergleute auf die Atemfilter und atmeten die staubige, warme Luft ein.

Keine großen Unfälle beim Bau

Während im oberen Bereich durch den Glassand eindringendes Wasser große Probleme bereitete, kam in der Tiefe die Hitze hinzu. Die Gesteinstemperatur lag unten bei rund 40 Grad Celsius. Es wurden jeweils drei Meter an Gesteinsmaterial abgebaut und abtransportiert, dann konnte wieder Lage um Lage mit Ziegeln aufgemauert werden. In guten Monaten schafften die Bergarbeiter 30 Meter. Es ist als großer Erfolg zu sehen, dass es keine größeren Unfälle gab. Das wurde von der Werksleitung auch lobend erwähnt. Am 15. Dezember 1960 wurde die achte Sohle bei 1100 Metern Tiefe erreicht.

Der Hohenpeißenber Schacht musste noch ein wenig tiefer werden und endete bei 1150 Metern. Von der Peißenberger und der Hohenpeißenberger Seite wurde im Gegenortbetrieb ein Tunnel durch das Gestein gesprengt. Es wurde auch hier rund um die Uhr gearbeitet. Am 13. August 1961 war der Tunnelschluss erreicht. Die Strecke war 6100 Meter lang. Es war eine wahre Meisterleistung der Markscheider, die Vermessungsingenieure mussten damals noch vieles von Hand und mit der mechanischen Rechenmaschine berechnen. Es war extrem wichtig für die Bewetterung dass der Ringschluss auf der 1000 Meter-Sohle, der sogenannten achten Sohle stattfand.

In Peißenberg wurde über den Hauptschacht die frische Luft in die Tiefe geleitet und in Hohenpeißenberg über den Wetterschacht nach außen befördert. Dafür war am Wetterschacht ein großer Lüfter in Betrieb, welcher einen starken Unterdruck erzeugte. Damit dieser Unterdruck aufrecht erhalten werden konnte, war im Schacht eine Art Deckel eingebaut. Wenn der Förderkorb nach oben oder nach unten fuhr, öffnete sich die Klappe kurzzeitig, um sich dann wieder zu schließen. Diese Saugwirkung ging bis Peißenberg, die frischen Wetter wurden dann gezielt durch die einzelnen Strecken geleitet, sie reicherten sich mit den Abgasen der Diesellokomotiven, dem Staub und der Wärme an und wurden in Hohenpeißenberg nach außen geblasen. Der Wetterschacht war damit der Auspuff des Bergwerks.

Der Wetterschacht befand sich südlich des Bahnhofs. Alle Gebäude bis auf den Förderturm, der im Jahr 1971 abmontiert wurde, stehen heute noch. 

Die Gesamtkosten für diese Arbeiten am Schacht lagen damals bei über 5,7 Millionen D-Mark, davon waren etwa 1,8 Millionen Mark Lohnkosten. Es wurden über vier Million Hartbrandziegel verbaut, die für 230 Einfamilienhäuser gereicht hätten, es wurden 2747 Tonnen Zement verarbeitet. Das Grubenfeld, das sich von Peiting bis Peißenberg erstreckte, erreichte im Jahr 1963 die größte Ausdehnung mit einer Strecke von über 112 Kilometern Länge. Es hatte damit eine größere Ausdehnung als das heutige U-Bahnnetz der Stadt München.

Doch schon ab Mitte der 1960-er Jahre gab es für die heimische Kohle Absatzprobleme. Große Abnehmer stellten ihre Energieversorgung auf das billigere Erdöl um. Der Liter Heizöl kostete damals 7 Pfennig. Der Entschluss, das Bergwerk stillzulegen wurde am 13. November 1969 in München gefasst und am nächsten Tag der Belegschaft mitgeteilt. Ab diesem Zeitpunkt begann das langsame Sterben des Bergwerks. Gleichzeitig musste der Betrieb bis zum Schluss am 31. März 1971 aufrecht erhalten werden.

Vom 10. Mai 1971 bis zum 7. Juli 1971 dauerten die Verfüllarbeiten am Wetterschacht, das berechnete Schachtvolumen betrug 31 900 Kubikmeter. Über Wochen fuhren damals die gelben dreiachsigen Lastwagen der Firma „Dobler“ mit Kies beladen die Bahnhofstraße hinab. Es wurden 14 662 Kubikmeter Kies und 37 612 Kubikmeter Haldenmaterial eingefüllt.

Heute liegt eine dicke Betonplatte mit einer Kontrollöffnung über dem ehemaligen Schacht. Das Gebäude welches sich über dem Schacht befindet wird regulär als Industriegebäude genutzt. Als der Wetterschacht noch in Betrieb war, bildete sich im Winter dort immer eine große Dampfwolke, die durch die warme Luft verursacht wurde, die nach außen geblasen wurde. Von Rudi Hochenauer

Quellen:

Unterlagen der BHS, Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon, Gespräche mit Bergleuten, die damals beim Abteufen dabei waren, wie Wendelin Osterried, Leonhard Hochertseder und Karl Schmid

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