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Aus welchen Gründen auch immer hält sich die Zahl der Graugänse heuer bislang in Grenzen. 

Haben Gänseflüsterer die Graugänse aus Hohenpeißenberg verjagt?

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Nachdem Graugänse am Hohenpeißenberger Badesee vor zwei Jahren schon ein großes Problem waren, drohten sie heuer erneut zur Plage zu werden. Dann schalteten sich Tierflüsterer ein. Doch erst als sich Schwäne einmischten und ein ernstes Wörtchen mit den Kollegen sprachen, entspannte sich die Lage.

Hohenpeißenberg – „Wie soll das bloß im Sommer werden?“, fragte sich der Spaziergänger, der im Frühjahr eine Abendrunde um den Hohenpeißenberger Badesee drehen wollte: Graugänse über Graugänse tummelten sich dort am Seeufer und im Wasser.Alles schnatterte, überall türmten sich große Häufen mit Hinterlassenschaften – das Bild hätte locker aus einer Fernsehsendung über Vogelinseln stammen können.

Schon vor zwei Jahren hatten sich 30 bis 40 der etwa 80 Zentimeter großen und rund drei Kilogramm schweren Tiere am Hohenpeißenberger Stiefelweiher angesiedelt – sehr zum Ärger derjenigen, die dort Ruhe, Erholung und Abkühlung suchten. Eine erwachsene Gans scheidet rund zwei Kilo Kot pro Tag aus und obwohl die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes laufend Gänse-Hinterlassenschaften einsammelten, mussten die Badenden auf der Wiese eine Art Hindernisparcours absolvieren, bis sie einen Platz für ihr Handtuch gefunden hatten. Bürgermeister Thomas Dorsch sah damals ein hygienisches Problem auf die Gemeinde zukommen. Doch es ging nicht nur um die Verunreinigungen, auch das Verhalten der Graugänse, die sich in immenser Geschwindigkeit vermehren, stufte er als problematisch ein, nachdem eine friedlich im See schwimmende Frau von einer Graugans angegriffen worden war. „Die Graugänse sind wirklich zur Belastung geworden“, sagte Dorsch damals.

Graugänse waren zur Belastung geworden

Nachdem alle Maßnahmen zunächst nicht geholfen hatten, wurde mit härteren Bandagen gegen die Tiere gekämpft. Nach langem Hin und Her erhielt die Gemeinde die Genehmigung bereits im Juli mit einem „Vergrämungsabschuss auf sitzende Junggänse“ gegen das große Federvieh vorzugehen. Eines Morgens rückten daraufhin die Jäger aus und feuerten Vergrämungsschüsse ab. Diese Sprache verstanden die Graugänse wohl. Anschließend waren sie zumindest für den Rest des Sommers weg.

Im darauf folgenden Jahr wirkten die Vergrämungsschüsse wohl immer noch, zudem schützten Zäune um das Badegelände und ein piepsender Gänseschreck ganz gut vor dem übermächtigen Federvieh. Doch heuer im Frühjahr war es wieder zurück und schnatterte und machte Häufen als ob nichts gewesen wäre und die Hohenpeißenberger fürchteten schon um die diesjährige Badesaison.

Daraufhin meldeten sich „Tierflüsterer“ aus dem Ort beim Bürgermeister und boten ihre Hilfe an. „Sie habe gesagt, sie können mit Gänsen reden.“ Dorsch war einverstanden: „Wieso auch nicht? Ich dachte mir, dass es sicher nichts schadet.“ Die „Gänseflüsterer“ gingen an die Arbeit: sie hätten sich ein Bild der Lage am Badesee gemacht und seien anschließend mental mit den Tieren in Verbindung getreten. „Sie haben sich intensiv mit den Gänsen in Verbindung gesetzt und versucht, den Tieren mitzuteilen, dass sie sich einen anderen Platz suchen sollen“, erzählt Dorsch: „Doch entweder es gab ein Kommunikationsproblem oder wir haben besonders sture Berggänse hier.“ Die Graugänse sind geblieben.

Kommunikationsprobleme mit sturen Berggänsen

Der Bürgermeister fürchtete schon, dass wieder eine Vergrämungsaktion vonnöten sein würde, da mischten sich die Schwäne ein. „Gänse und Schwäne mögen sich wohl nicht so“, vermutet Dorsch. Seit die Schwäne sich auf dem Hohenpeißenberger Badesee einfanden, hätten sich die Gänse „deutlich aus dem Badebereich zurückgezogen.“ Wahrscheinlich hätten auch die Zäune und der Piepser zu diesem Sinneswandel beigetragen, „aber es sind wenige und die sind nicht so störend.“ Es könnte sein, dass heuer es am Badesee keine Vergrämungsschüsse braucht. Dorsch hat auch zwei mögliche Erklärungen für diese Wende: „Entweder die Gänse sind besonders höflich oder die Tierflüsterer hatten doch Erfolg.“

Lesen Sie dazu auch: Graugänse im Visier

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