Hohenpeißenberg: Ein Winter, der keiner war
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Ein seltenes Bild in diesem Winter war eine geschlossene Schneedecke auf dem Hohen Peißenberg. 

Wetter in der Region

Viel zu warm in Hohenpeißenberg: Ein Winter, der keiner war

Der zurückliegende Winter war mit einer Durchschnittstemperatur von 3,3 Grad Celsius der wärmste in der 239-jährigen Messgeschichte des Hohen Peißenbergs. Er wird vom Deutschen Wetterdienst als „Totalausfall“ bezeichnet.

Hohenpeißenberg– Der zurückliegende Winter war der wärmste in der 239-jährigen Messgeschichte des Hohen Peißenbergs. Die Mitteltemperatur betrug 3,3 Grad (immer Celsius). Damit wurden die bislang wärmsten Winter 1990 und 2016 noch um zwei Zehntel Grad übertroffen. Diese Einstufung des Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg hat eine besondere Aussagekraft, da deutschlandweit der Beginn flächendeckender Aufzeichnungen erst auf das Jahr 1881 datiert ist und damit deutschlandweit noch nicht so viele Winter erfasst wurden.

Weil aber auf dem Hohen Peißenberg schon früher Temperaturen gemessen wurden, ist bekannt, dass es die fünftwärmsten Winter mit Mitteltemperaturen zwischen 2,6 und 3,3 Grad seit dem Jahr 1990 gab und dass es bereits im Jahr 1796 einen Winter mit einer Mitteltemperatur von 2,6 Grad gab.

Damit ist zudem erwiesen, dass die Durchschnittstemperaturen der Winter zwischen den Jahren 1797 und 1989 in 78 Prozent der Fälle im Minusbereich lagen und während dieser Zeitspanne kein Winter wärmer als 1,7 Grad war. Zudem ist bekannt, dass der Januar des Jahres 1796 mit einer Mitteltemperatur von 6,1 Grad der mit großem Abstand wärmste Januar überhaupt gewesen ist.

Ein Blick in die Historie der Datengewinnung im Verlauf der Jahrhunderte zeigt, wie mühselig und entbehrungsreich diese zeitweise – vor allem auch im Kontext der historischen Ereignisse – war. Angesichts dessen ist es keinesfalls selbstverständlich, dass heute auf diesen Datenschatz zurückgegriffen werden kann. Daher fällt den Entscheidern der Gegenwart im Zeitalter der Automatisierung eine sehr große Verantwortung zu, für wahre und qualitätsgerechte Daten Sorge zu tragen.

Die Temperaturspanne dieses Winters reichte von 16,6 Grad am 20. Dezember bis zu -7,3 Grad am 21. Januar. Eine Dauerfrostperiode gab es nicht. Es wurden lediglich sechs Eistage gezählt, an denen das Thermometer 24 Stunden lang nicht über den Gefrierpunkt kletterte. Frosttage gab es insgesamt 47 auf dem Hohen Peißenberg.

Eine längere Schneedeckenperiode gab es nicht. Am 12. und 13. Januar lag mit jeweils 13 Zentimetern am meisten Schnee auf dem Hohen Peißenberg. Während der drei Wintermonate fielen 238 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, 27 Prozent mehr, als das nach den langjährigen Messungen zu erwarten gewesen war. Aber auch die Sonne schien länger als im Durchschnittswinter: Mit 370 Sonnenstunden lag die Sonnenscheindauer 33 Prozent über dem langjährigen Mittel. Dieser scheinbare Widerspruch – zu viel Niederschlag und zu viel Sonne – erklärt sich mit dem windreichen und hochdruckarmen Wetter, welches für die Ausbildung von Nebellagen nicht förderlich war. Häufige Föhneinschübe putzten den Himmel blank.

Deutschlandweit war der vergangene Winter der zweitwärmste seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881. Er wurde in der Zusammenfassung des DWD zurecht als „Totalausfall“ bezeichnet. Ein Starkwindband steuerte nahezu anhaltend Tiefdruckgebiete vom Nordatlantik nach Nordrussland. Die daraus resultierenden ewigen Südwest- bis Westströmungen und vereinzelten Nordwestströmungen verursachten die oft extrem milden Temperaturen. Ursächlich dafür waren sehr große Temperaturgegensätze zwischen Äquator und Nordpol, weshalb der Polarwirbel auch sehr stark war.

Das zerstörte die Hoffnung, dass die geringe Anzahl von Sonnenflecken derzeit für einen kalten Winter sorgen könnte. Dieser Zusammenhang ist teilweise statistisch belegt. Nicht ausgeschlossen wird in Fachkreisen, dass wir mit diesen Zirkulationsformen klimawandelbedingt in den kommenden Wintern öfter, wenn nicht sogar dauerhaft, rechnen können und es laufend milde, wechselhafte und stürmische Winter geben wird.

Siegmar Lorenz

Wetterbeobachter im
Observatorium auf dem
Hohen Peißenberg

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