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Immer wieder faszinierende Ausblicke gibt es vom Hohen Peißenberg: Auf diesem Foto geht die Sonne über dem Starnberger See auf. 

Auch Hagel und Starkniederschläge waren dabei

Erst Ende März wurde es richtig Winter

Die dritte Dekade im März war auf dem Hohen Peißenberg so kalt wie keine andere Dekade der vergangenen Wintermonate. Doch der März brachte auch mildes Wetter.

Hohenpeißenberg – Im ersten Frühlingsmonat setzte sich zunächst die milde Westwetterlage, von welcher der gesamte Winter geprägt war, unvermindert fort. So kam es bis zum 13. täglich zu Niederschlägen – teils als Regen, teils als Schnee. In dieser Zeit bewegten sich die Temperaturen am Tag zwischen 3 und 15 Grad Celsius, nachts kam es vereinzelt zu leichten Frösten. Nur kurzfristig kam es an drei Tagen zur Ausbildung einer Schneedecke. Dabei war es fast durchweg sehr stürmisch. Die Sonne zeigte sich nur phasenweise.

Sonne schien täglich fast zwölf Stunden lang

Ab dem 14. wurde die Luftzufuhr vom Atlantik unterbunden, denn ein Ableger des Azorenhochs nahm Kurs Richtung Mitteleuropa und zog dann weiter nach Osten. Nun folgte eine grundlegende Umstellung der monatelangen Dauerwetterlage. So blieb es bis zum 19. März sehr sonnig. Die Sonne schien täglich fast zwölf Stunden. Es blieb trocken. Vor allem endeten nun auch die starken bis stürmischen Winde, welche uns den gesamten Winter über begleitet hatten. Dazu erreichte uns warme Mittelmeerluft, unter deren Einfluss die Temperaturen auf dem Hohen Peißenberg von Tag zu Tag anstiegen und am 20. März 16,4 Grad Celsius erreichten – am Höhepunkt des Märzfrühlings.

Inzwischen war jedoch ein neues und kräftiges Hochdruckgebiet von Großbritannien nach Skandinavien gezogen. Es positionierte sich über Nordeuropa. Was nun folgte, war die klassische Winterwetterlage, welche sich im Winter nicht einstellen wollte bzw. konnte. Nun startete sie ausgerechnet zum kalendarischen Frühlingsanfang am 20. März voll durch. Den Wetterwechsel leitete eine Kaltfront ein. In den Abendstunden des 20. März setzte plötzlich über den Alpen heftiges Wetterleuchten ein, wie man es nur vom Sommer kennt. Eine kräftige Gewitterzelle wuchs unter Verstärkung ins Alpenvorland hinein. Von Peißenberg über Hohenpeißenberg bis Peiting blieb diese Zelle fast zwei Stunden stationär. Die Blitzdichte entsprach einem sommerlichen Starkgewitter, die Geräuschkulisse der Donner war ein seltenes Ereignis. Auf dem Berg traten Hagel und Starkniederschlag auf. Binnen einer Stunde fielen 22 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Die Tagessumme von 32 Litern pro Quadratmeter am 20. März entsprach exakt der halben durchschnittlich im März zu erwartenden Monatsniederschlagssumme.

22. März: Temperatur bleibt unter Null

Nach dieser Kaltfront erreichten uns mit einer Luftströmung aus Nordosten trocken-kalte kontinentale Luftmassen. Wurden am 20. auf dem Hohen Peißenberg 16,4 Grad gemessen, so waren es am 21. nur noch 5,6 Grad, und am 22. blieb das Quecksilber gleich ganz unter dem Nullpunkt (Tagesmaximum 0,6 Grad). Am 23. sank das Thermometer in den Morgenstunden auf -8,4 Grad. So kalt war es den gesamten Winter über nicht gewesen. Vom 22. bis 26. März lagen die Tagesmitteltemperaturen im Frostbereich – auch diese Serie von fünf Frosttagen hintereinander war im gesamten Winter nicht aufgetreten. Der starke Nordostwind vom 22. bis 25. März ließ uns die Temperaturen noch viel niedriger anfühlen. Am 23. und 24. wurden auf dem Hohen Peißenberg tagsüber nur 0 Grad gemessen, welche sich teils wie -12 Grad anfühlten.

Am 27. drehte die Höhenströmung für zwei Tage auf Südost, so dass die Temperaturen am 27. und 28. wieder etwas über zehn Grad anstiegen. Doch am 29. erreichte uns eine neue Kaltfront. Der Regen ging rasch in Schnee über, so dass der Automat am 30. eine Schneehöhe von sieben Zentimetern Höhe feststellte. Die Temperaturen lagen am 30. wieder durchweg unter dem Nullpunkt (Eistag).

Die 3. Märzdekade hatte eine Mitteltemperatur von -0,6 Grad. So kalt war keine Dekade der gesamten Wintermonate. Betrachtet man die massiven Spätfröste der letzten Märzdekade, muss man auf das Dilemma des Klimawandels verweisen, denn den immer wärmer werdenden Wintern stehen die Kaltlufteinbrüche des Frühjahrs gegenüber, welche generell nicht ausbleiben. Die Frühlingsmonate sind und waren stets warm und kalt im Wechsel. Die Kälteperioden haben seit Jahrhunderten Namen wie „Eisheilige“ oder „Schafskälte“. Das Problem ist: Sie treffen auf eine zunehmend früher beginnende Vegetationsperiode. Der Vorlauf in diesem Jahr beträgt zwei bis drei Wochen. Frostschäden sind regional beim Steinobst zu befürchten.

Siegmar Lorenz

Wetterbeobachter

Lesen Sie auch: Hohenpeißenberg verändert sich in den kommenden Jahren gewaltig – allein, weil um den Schächen herum eine neue Ortsmitte entstehen soll. Und die Gemeinde wächst, wie Bürgermeister Thomas Dorsch bei der Bürgerversammlung kürzlich ausführte.

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