Darum, wie die Ammer vor zunehmendem Tourismus geschützt werden könnte, ging es im Gemeinderat Hohenpeißenberg.
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Darum, wie die Ammer vor zunehmendem Tourismus geschützt werden könnte, ging es im Gemeinderat Hohenpeißenberg.

Modellregion Pfaffenwinkel

Hohenpeißenberg sagt Ja zum Hotspot-Projekt

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Die Gemeinde Hohenpeißenberg beteiligt sich am Hotspot-Projekt „Modellregion Pfaffenwinkel– gut leben und wirtschaften im Einklang mit der Natur“. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Hohenpeißenberg – Eines stellte Susanne Lengger, die Geschäftsführerin des „Tourismusverbandes Pfaffenwinkel“ gleich zu Beginn ihrer Projektvorstellung im Hohenpeißenberger Gemeinderat klar: „Das ist kein rein touristisches Projekt.“ Es gehe bei dem Hotspot-Projekt „Modellregion Pfaffenwinkel – gut leben und wirtschaften im Einklang mit der Natur“ vielmehr darum, die Besucherströme so zu lenken, dass der Pfaffenwinkel als „einzigartiges Gebiet mit vielen Kulturgütern“ und wertvoller Natur geschützt werde. Die Region spüre zunehmend „Nutzungsdruck“ der vielfältigen Natur, die sie zu bieten hat. Hohenpeißenberg biete mit dem Hohen Peißenberg und der Ammer gleich zwei touristische Anziehungspunkte.

Das „Fernziel“ für dieses Projekt, das vom WWF ausgeht, und an dem sich unter anderem der Tourismusverband und die Märkte Peißenberg und Peiting beteiligen, ist laut Lengger „gut leben und wirtschaften in Einklang mit der Natur zu bringen.“ Dabei gehe es unter anderem um die Themen „Landwirtschaft“, „Gewässer“, „Tourismus“ und „Regionalvermarktung“.

Besonderes Augenmerk liegt derzeit auf der Ammer, die sich nach und nach wieder in einen Wildfluss verwandele. „Was für einen Juwel wir hier haben, wissen viele nicht“, sagte die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. In Hohenpeißenberg gehe es an dem rund zwei Kilometer langen Ammer-Abschnitt, der das Gemeindegebiet Richtung Norden begrenzt, um Konflikte zwischen Reitern und Radlern.

Nach Ansicht von Lengger bietet sich für das Hotspot-Projekt für das Gemeindegebiet von Hohenpeißenberg das Gebiet um das ehemalige „Ammerstüberl“ an. Hier könnten zum Beispiel ein Radlständer aufgestellt und eine Grillstelle gebaut werden. „Die Idee ist, das Grillen dort an einer Stelle zu legalisieren, um andere, flussaufwärts liegende Stellen zu entlasten“, sagte Lengger in der Gemeinderatssitzung.

Für das gesamte Projekt sei eine zweijährige Konzeptionsphase geplant, anschließend folge eine sechsjährige Umsetzungsphase. Für alle Vorhaben, die an der Ammer geplant sind, wurden grob Kosten in Höhe von 3,1 Millionen Euro veranschlagt. Der WWF erhoffe sich eine Förderung von 75 Prozent dieses Betrages über Bundesmittel, erläuterte Lengger im Gemeinderat.

Anschließend diskutierten die Gemeinderäte darüber, ob durch solche Projekte die Region für Touristen noch attraktiver wird und immer mehr Erholungssuchende in die Natur gelockt werden. „Wir können den Touristenstrom nicht durch Sperrungen kanalisieren“, sagte Lengger. Sie gab zu bedenken, dass viele Regelübertretungen diesbezüglich von Einheimischen begangen würden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Sperrungen und Verbote nur etwas bringen, wenn gleichzeitig Alternativen geschaffen würden. „Dadurch dass ein Platz für die Nutzung freigegeben wird, werden andere Plätze geschützt“, so Lengger.

Ein Angebot zu schaffen, bedeute nicht automatisch, dass dieses dann auch beworben werde. „Was wir am ,Ammerstüberl’ machen, ist kein großes Angebot. Es geht nicht darum, diesen Platz als neuen Hotspot zu schaffen“, sagte die Geschäftsführerin.

Dass Verbote nichts nutzen, bestätigte auch der Hohenpeißenberger Bürgermeister Thomas Dorsch: „Das haben wir auch am Berg gemerkt“, sagte er bezüglich der Moutainbiker, von denen einige über Wiesen und querfeldein führen und sich an gar nichts hielten. „Der Ansatz ist, qualitativ etwas entgegenzusetzen, um umzulenken“, sagte Dorsch. Die Besucher sollten dafür sensibilisiert werden, dass die Natur schützenswert sei. „Das sind alles Versuche und Ideen. Ob es klappt, wissen wir erst am Ende des Tages“, sagte der Bürgermeister.

Vor der Abstimmung erkundigte sich Gemeinderat Robert Goldbrunner (Freie Wähler) danach, wie sich die anderen betroffenen Gemeinden entschieden hätten. „Peißenberg, Peiting, Weilheim und Iffeldorf haben beschlossen, sich zu beteiligen“, antwortete Dorsch. Auch die Hohenpeißenberger Gemeinderäte stimmten anschließend einstimmig dafür, sich an dem Hotspot-Projekt zu beteiligen. „Das ist eine tolle Sache, dass Ihr euch so engagiert“, sagte Bürgermeister Dorsch in Richtung Tourismusverband: „Ich hoffe, dass es sich im Anschluss sagen lässt, dass viel erreicht wurde, um unser schönes Land zu schützen.

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