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Unbekanntes Flugobjekt oder Hirngespinst? Ein heller Lichtstrahl wie dieser am Himmel über Hohenpeißenberg hat am Montagabend für Rätselraten gesorgt.

Am Montagabend im Oberland

Zeugen beobachten mysteriösen Lichtschein: Alle rätseln - aber ein Experte kennt den Grund

Ist es ein Ufo, ein besonders ausgefallenes Feuerwerk, ein Lichtstrahl vom Observatorium oder nur ein Hirngespinst? Diese Fragen haben sich am Montagabend gegen 21.20 Uhr einige im Oberland gestellt.

Hohenpeißenberg – „Ich wollte schauen, wie weit die bei der Umfahrung von Hohenpeißenberg sind“, schildert Leonhard Daisenberger aus Paterzell. Deswegen sei er am Montag dorthin geradelt. Gegen 21.20 Uhr – er wollte sich gerade wieder auf den Heimweg machen – habe er das Licht gesehen. „Plötzlich stand eine leuchtende Säule vor mir – einen Meter breit, drei Meter hoch und grell weiß“, schildert Daisenberger. Wie ein transparenter Fahrstuhl, der vom Himmel nach unten schieße – „mit irrsinniger Geschwindigkeit, fast so schnell wie ein Blitz.“ Aber das war es nicht, da sei er sich sicher. „Es war alles still, kein Geräusch war zu hören“, sagt Daisenberger. Nach einer Sekunde sei alles vorbei gewesen. Er frage sich jetzt, was er gesehen habe. 

Mit seiner Beobachtung ist Daisenberger nicht alleine, auch Andreas Schugg aus Peißenberg sieht die seltsame Lichterscheinung, als er mit dem Auto von Oberhausen nach Peißenberg fährt und gerade auf seinem Smartphone die Nachricht von dem Meteoriteneinschlag Ende Juni gelesen hatte: „Es hat wie eine Rakete ausgesehen, war aber viel größer. Es war richtig breit und grell“, sagt er. Das Licht sei direkt über Hohenpeißenberg von oben nach unten geschossen. „Am Anfang habe ich gedacht, ich spinne, das kannst Du ja keinem erzählen, dass Du Lichter siehst.“ 

Behörden können Lichtschein nicht erklären

Er habe sich gefragt, ob die Erscheinung etwas mit der Peißenberger Pyrotechnikerschule „Hummig Effects“ zu tun habe. Ob dort die Feuerwerker ihre Abschluss-Prüfungen hätten? „Wir hatten kein Feuerwerk“, so die Auskunft der Pyrotechnikerschule. Auch das „Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ (DLR) in Oberpfaffenhofen kann nicht weiterhelfen: „Wir haben nichts verzeichnet“, sagt Pressesprecherin Bernadette Jung. Das gleiche Ergebnis ergibt die Nachfrage bei der Deutschen Flugsicherung: „Wir haben keine Meldung, die dazu passen würde.“

Vielleicht hat das Observatorium des Deutschen Wetterdienstes auf dem Hohen Peißenberg mit der kuriosen Lichterscheinung zu tun? Tatsächlich arbeitet das Observatorium immer wieder mit Lichtstrahlen, aber die seien grün und zudem sei am Montagabend nichts gemessen worden, so die Auskunft vom Berg. 

Ein Experte kann Lichtschein schließlich erklären

Der Anruf beim Weilheimer Astronomie-Experten Helmut Hornung bringt schließlich Klarheit: Es war kein Hirngespinst, kein Besuch aus dem All und auch kein Feuerwerk, das den Abendhimmel über Hohenpeißenberg erhellte. Es war aller Voraussicht nach eine Feuerkugel. „Das sind kosmische Teilchen, die in einer Höhe von einigen Dutzend Kilometern über dem Boden fliegen“, sagt Hornung. Feuerkugeln, die zu den Meteoren gehören, seien sehr hell und hätten mindestens die Größe eines Kirschkerns. 

„Die Feuerkugel am Montag war zwischen Regensburg und Luzern zu sehen“, so Hornung. Gegen 21.22 Uhr hätten viele aus diesem Gebiet diese Sternschnuppe beobachtet und mehrere das auch gemeldet. Diese kosmischen Grüße träten mit „unglaublich großer Geschwindigkeit“ in die Erdatmosphäre ein, sie seien bis zu 260 000 km/h schnell. Nicht das Verglühen sorge für den hellen Strahl, sondern ein Ionisieren der Luftteilchen und ein Rekombinationsleuchten“, sagt der Astronomie-Experte. Bei Meteoren sei nicht das Teilchen an sich zu sehen, sondern der Kanal, den diese Teilchen produzieren.

Auch interessant: Der nächste Meteorschauer tritt im August auf und bringt zahlreiche Sternschnuppen mit sich. Hier erfahren Sie mehr über die Perseiden im Jahr 2018.

Von Kathrin Hauser

Lesen Sie auch: Behörde bestätigt: Meteorit in Bayern eingeschlagen - Achtung! Nicht mit bloßen Händen anfassen.

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