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Bald unbemannt: das Observatorium am Hohen Peißenberg.

Wetterstation wird automatisiert

Nach über 230 Jahren: Meteorologen verlassen Observatorium am Hohen Peißenberg 

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Viele Jahre hielten Meteorologen am Grundsatz fest: „Automatische Messung kann die menschliche Wetterbeobachtung nicht ersetzen.“ Für die fünf Beobachter in der Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg ist ab 1. Januar 2019 dennoch Schluss.

Hohenpeißenberg – Akribische Aufzeichnungen über Niederschläge, Windstärke und Temperaturschwankungen werden in der Wetterstation auf dem Hohenpeißenberg seit über 230 Jahren geführt. Das Observatorium entstand aus der ältesten Bergwetterstation der Welt, in der erstmals im Jahr 1781 Mönche aus dem nahegelegen Kloster Rottenbuch Beobachtungen notierten. Heute wird die Arbeit von fünf hauptberuflichen Wetterbeobachtern betrieben – doch diese sollen ab kommendem Jahr durch vollautomatische Messnetze ersetzt werden.

„Das ist ein großer Einschnitt, der mir sehr nahe geht“, erklärt Ulrich Richter, der dort seit zehn Jahren als Wetterbeobachter tätig ist. Aktuell ist sein Arbeitsplatz zumeist rund um die Uhr besetzt – in Schichten von jeweils zwölf Stunden bestimmen und zählen die Beobachter die Wolken am Himmel, notieren Regenschauer und messen Temperatur und Luftdruck. Dass diese Tätigkeiten ab 2019 von Maschinen übernommen werden sollen, entschied der Deutsche Wetterdienst (DWD), der die Station betreibt.

Bis 2021 sollen alle deutsche Wetterstationen automatisiert werden

Doch nicht nur auf dem Hohen Peißenberg wird künftig auf Technik gesetzt – bis 2021 will der Dienst alle 183 Wetterstationen in Deutschland automatisieren. „Die Ausstattung mit hochmodernen Sensoren und entsprechender Datenerfassung erlaubt inzwischen den Betrieb ohne Wetterbeobachter“, heißt es in einer Pressemitteilung des DWD. Auch Augenbeobachtungen an Flugwetterwarten werden eingestellt.

Wetterbeobachter aus Leidenschaft: Ulrich Richter (45) überprüft in der Station auf dem Hohenpeißenberg Temperatur und Luftdruck. Ab 2019 soll die Aufzeichnung dieser Daten automatisch erfolgen.

Wie es für Richter langfristig beruflich weitergeht, ist ungewiss. Zunächst wird der 45-Jährige nach der Automatisierung mit drei Kollegen in der Wetterstation bleiben, um die Messungen zu überwachen. Doch dass es sich bei den Beobachtern um eine aussterbende Berufsgruppe handelt, lässt sich nicht verleugnen. „Es werden auch keine neuen Leute mehr ausgebildet – lediglich die Bundeswehr hat noch Wetterbeobachter“, sagt er.

In einem anderen Bereich zu arbeiten, kann sich Richter momentan nicht vorstellen. „Schon als Kind wollte ich Wetterbeobachter werden. Wenn es am nächsten Tag schneien sollte, konnte ich die Nacht vorher vor Aufregung gar nicht schlafen“, erinnert er sich.

Selbst nach Granateneinschlägen im Zweiten Weltkrieg haben die Meteorologen weitergemacht

Dass die Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg eine so lange und bewegte Geschichte hat, macht es für ihn noch schwerer. „Gerade in der Anfangszeit haben die Beobachter viel geleistet. Obwohl sie teilweise nicht für ihre Arbeit bezahlt wurden, haben sie kontinuierlich weitergemacht“, erklärt er. Selbst nach Granateneinschlägen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sei die Arbeit fortgeführt worden, um eine lückenlose Aufzeichnung zu gewährleisten.

Doris Richter, die Ehefrau des 45-Jährigen, ist ebenfalls Wetterbeobachterin der Station. Sie sieht die Automatisierung ein wenig pragmatischer: „Ich werde nach der Umstellung in die Verwaltung nach München wechseln. Nicht mehr im Schichtdienst arbeiten zu müssen, ist natürlich besser für die Gesundheit. Schade ist es trotzdem.“

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Ob sich in Zukunft tatsächlich sämtliche Tätigkeiten automatisieren lassen, ist für sie fraglich. „Man arbeitet bereits mit sehr vielen modernen Geräten. Aber ohne menschliches Zutun kann es bei technischen Problemen zu Ausfällen kommen – und somit zu Lücken in den Aufzeichnungen“, erklärt sie. Problematisch sei aktuell noch die automatisierte Dokumentation von Gewittern oder Hagel. Entstehen dabei über längere Zeit Fehler, würde die bis ins 18. Jahrhundert reichende Messreihe verfälscht werden.

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