Justitia im Gericht
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Wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers des Weilheimer Krankenhauses kam es kürzlich zum Prozess.

Hohenpeißenberger deckte Drogenring auf

Der rasante Abstieg in den Drogensumpf innerhalb kurzer Zeit veränderte einen jungen Mann (20) auf dramatische Weise. Er häufte eine Vielzahl an Straftaten an, die nun vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Weilheim verhandelt wurden.

Hohenpeißenberg – Die Vorsitzende Jugendrichterin Claudia von Hirschfeld wollte an diesem Tag reinen Tisch machen und fasste im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt, dem Verteidiger und auch dem Angeklagten die fünf vorliegenden Anklageschriften zusammen. Im letzten Jahr hatte der junge Mann aus Hohenpeißenberg exzessiv Drogen zu sich genommen und sich charakterlich stark verändert. Er wurde immer aggressiver und beging eine Straftat nach der anderen.

Vielfache Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung, Diebstahl, Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit im Verkehr, Versicherungsbetrug und Urkundenfälschung wurden ihm unter anderem vorgeworfen. Der Staatsanwalt brauchte einige Zeit, um sämtliche Anklagepunkte zu verlesen. Der junge Mann legte zu allen Taten ein vollumfängliches Geständnis ab.

Nur an sein letztes Vergehen, eine geballte Kombination aus Beleidigung, Diebstahl und Widerstand gegen Polizeibeamte und Rettungskräfte, konnte er sich nicht mehr erinnern. An dem Tag im Juli letztes Jahr hatte er zu den Drogen auch noch jede Menge Alkohol konsumiert. Eine fatale Mischung, die den jungen Mann vollkommen außer Kontrolle brachte.

Nach einem Diebstahl an einer Tankstelle flüchtete er betrunken mit seinem Motorroller vor der Polizei, stürzte und zog sich ein paar Verletzungen zu. Die Sanitäter wurden gerufen. Und was dann geschah, konnte man auf dem Video einer Bodycam im Gerichtssaal mit verfolgen: Eine Polizeibeamtin hatte die Reaktion des Angeklagten während der Rettungsmaßnahmen am Unfallort und auch im Weilheimer Krankenhaus aufgezeichnet.

Vollkommen erschüttert hörte sich der junge Mann seine Beleidigungen und wüste Schimpfereien an, die er den Sanitätern und Polizeibeamten entgegen schleuderte. Sichtlich beschämt hörte er sich das Ganze an. „Sieg Heil“ hatte er damals immer wieder durch den Krankenhausflur geschrien. „Ich verstehe das nicht. Ich bin politisch links gerichtet“, sagte er leise und schlug die Hände vor das Gesicht. Er sei nicht mehr er selbst gewesen, so der junge Mann und entschuldigte sich für alle seine im Drogenrausch begangenen Taten.

Der Angeklagte hatte schon einige Zeit vor der Gerichtsverhandlung einen sogenannten kalten Entzug gemacht, alleine zuhause. „Das war richtig hart“, sagte er. Und er hatte sich einen stationären Platz in einer Entzugsklinik besorgt. Die Therapie läuft schon seit November sehr erfolgreich für ihn. „Eine Haftstrafe ist nicht dienlich, da der Therapieverlauf nicht unterbrochen werden sollte“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, sehr zur Freude des Verteidigers. Das Gericht verhängte zwar eine Jugendstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, setzte diese aber zu Gunsten der Langzeittherapie aus. Ist diese erfolgreich abgeschlossen, muss der junge Mann noch 80 Sozialstunden leisten. Auch wurden Drogenscreenings angeordnet.

Sehr positiv wertete das Gericht, dass der Angeklagte durch sein umfangreiches Geständnis der Polizei geholfen hatte, einen weit verzweigten Drogenring aufzudecken. Er sei sehr kooperativ gewesen, so ein Polizeibeamter. „Sie haben sehr viel umgesetzt und Ihr Verhalten geändert“, sagte Claudia von Hirschfeld.

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