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Blütenpracht mit Hitzewelle:  Schöne Blumenwiesen – wie diese bei Huglfing – täuschen über die Klimaprobleme hinweg.

Bilanz der Wetterbeobachter

Schwitzen im Landkreis - so extrem war die Hitze im Juli

Der Juli war vor allem eines: heiß. Auch auf dem Hohen Peißenberg gab es einen Hitzerekord. Wetterbeobachter Siegmar Lorenz vom meteorologischen Observatorium berichtet.

Hohenpeißenberg – Der Juli begann gleich am ersten Tag mit dem Durchzug einer Kaltfront, begleitet von Gewittern und Hagel, womit die Hitzewelle der letzten Junidekade zunächst beendet wurde. Bis zum 6. Juli war es moderat sommerlich, das heißt die Temperaturen blieben auf dem Hohen Peißenberg unter 30 Grad Celsius. 

Kalte Nordseeluft

Am 7. wurde das Gebiet von einer zweiten Kaltfront überquert, welche Nordseeluft heranführte, so dass die Tagesmaxima vom 7. bis 15. sogar unter 20 Grad Celsius verharrten. Diese Kaltfront zog bis zum Mittelmeerraum nach Süden und löste über Norditalien, Griechenland, aber auch besonders an der nördlichen Adria, extrem kräftige Gewitter bislang nicht gekannten Ausmaßes aus.

Ab dem 12. Juli überquerte ein hochreichendes Tief Mitteleuropa von Nordwesten nach Südosten. Immerhin gab es deshalb vier Tage lang über Deutschland Regen, Schauer und Gewitter – es war dennoch nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Dann kam das Hoch

Ab der Monatsmitte geriet die kühle und feuchte Meeresluft unter Hochdruckeinfluss, die Temperaturen stiegen allmählich wieder an – ab dem 19. auf sommerliche Werte über 25 Grad Celsius. Dieser „Höhenflug“ steigerte sich bis zur zweiten, noch extremeren Hitzewelle dieses Sommers.

Zwischen einem Tief an der irischen Westküste und einem Hoch über dem östlichen Mitteleuropa kam afrikanische Heißluft über Spanien mit einer Südwestströmung herbei. Eine zusätzliche Erhitzung dieser Luftmasse erfolgte durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung durch den wolkenlosen Himmel. Verstärkend wirkte die Tageslänge des Juli (lange Sonnenscheindauer). 

Thermometer kletterte auf Rekord

An der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Lingen wurde am 25. eine Rekordtemperatur von 42,6 Grad Celsius gemessen. Experten der privaten Konkurrenz zweifeln diesen Wert mangels Standortqualität jedoch an und begründen das mit zu viel Bewuchs des Messfeldes (Hitzestau). Letzten Endes sind aber die Werte von 41,2 Grad Celsius, welche jeweils in Duisburg und Tönisvorst gemessen wurden, auch Rekordwerte. Eine Überschreitung der 40-Grad-Celsius- Marke an drei Tagen hintereinander an einigen deutschen Stationen hat es seit Messbeginn noch nie gegeben. Auf dem Hohen Peißenberg überstieg das Quecksilber vom 24. bis 26. die 30-Grad-Celsius-Marke und das gab es auch seit Messbeginn 1781 noch nicht.

Viel Regen in kurzer Zeit

Ab dem 27. wurde diese Hitzewelle historischen Ausmaßes deutschlandweit beendet. Die damit verbundenen Gewitter verlagerten sich sehr langsam von West nach Ost, weshalb sich die Niederschlagsmengen auch sehr unterschiedlich verteilten. Auf dem Hohen Peißenberg fielen am 28. Juli 36 Liter pro Quadratmeter Niederschlag in kurzer Zeit.

Insgesamt fiel der Juli mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,8 Grad Celsius auf dem Berg um 2,8 Grad zu warm aus. Von den zehn Sommertagen war der 24. der heißeste mit dem Monatsmaximum von 31,9 Grad Celsius. Die tiefste Temperatur betrug am 10. Juli 7,6 Grad Celsius.

243 Stunden Sonne

Messbarer Niederschlag fiel an 13 Tagen – insgesamt 106 Liter pro Quadratmeter, das heißt nur 66 Prozent der sogenannten langjährig zu erwartenden Niederschlagsmenge. Die Sonne schien 243 Stunden, was nahezu den Normalwerten entsprach. Die höchste Windspitze war am 7. Juli eine Gewitterböe mit 26 Metern pro Sekunde bzw. 94 Kilometern pro Stunde.

Drastische Auswirkungen

Die Auswirkungen der Juliwitterung auf Mensch und Natur waren sehr folgenreich. Bayern war das Bundesland mit dem zweithöchsten Niederschlag. Deutschlandweit gab es aber auch wieder Stationen, an denen nur 10 bis 20 Prozent der langjährigen Juli-Niederschläge fielen, weshalb sich, besonders in den östlichen Bundesländern, die Dürre weiter verschärfte. Der DWD spricht von „katastrophalen Ausmaßen“. Die Böden konnten sich dort noch nicht von der extremen Trockenheit von 2018 erholen. Die Pegelstände der Flüsse sanken wieder auf das Rekordniveau von 2018. Auch der Wald ist nachhaltig, teilweise unumkehrbar, durch die Trockenheit geschädigt.

Borkenkäfer großes Problem

Dazu kommt der massive Schädlingsbefall durch den Borkenkäfer. Die extreme Hitzebelastung hat erhebliche gesundheitliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem des Menschen, besonders wenn tagelang 32 Grad Celsius überschritten werden. Mit den Temperaturen erhöhen sich auch die bodennahen Ozonkonzentrationen. Ozon reizt die Schleimhäute der Augen und schränkt die Lungenfunktion ein. Eine Verringerung der Ozonkonzentration ist etwa durch Senkung von Schadstoffen wie Stickoxiden im Verkehrssektor möglich.

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