Den Hagel vom 29. Juni auf dem Hohen Peißenberg hat Rudi Hochenauer fotografiert.
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Den Hagel vom 29. Juni auf dem Hohen Peißenberg hat Rudi Hochenauer fotografiert.

Wetterrückblick:

Juni brachte viel Sonne und viel Hagel

Blitz, Donner und Hagel, auch aber auch sehr viel Sonnenschein und viel wärmer als im langjährigen Mittel – der Juni war ein sehr abwechslungsreicher Monat.

Hohenpeißenberg – Der erste Sommermonat begann zunächst sehr freundlich mit drei trockenen Tagen. Die Sonne schien maximal und die Temperaturen stiegen endlich mal auf über 20 Grad Celsius – eine Wohltat nach dem zu kühlen und unbeständigen Maiwetter.

Doch ab dem 4. Juni wurde es erneut sehr unbeständig. Deutschland lag an der wettertechnisch ungünstigen Südostseite eines Azorenhochs unter Tiefdruckeinfluss. Daher kam es am 4. und 5. sowie vom 7. bis 10. Juni täglich zu Gewittern. Es war schwül und unbeständig. Die Luftdruckgegensätze waren sehr schwach, so dass sich die Gewitter, wo sie lokal entstanden, nur sehr langsam verlagerten. Das führte in Bayern punktuell zu extremen Starkniederschlägen mit Tagessummen um 100 Liter pro Quadratmeter, auf dem Hohen Peißenberg waren es am 5. Juni immerhin 32 Liter.

Vom 16. bis 19. Juni stellten sich auch auf dem Hohen Peißenberg einige Sommertage ein (Maxima über 25 Grad Celsius). Ein Tief über Westeuropa schaufelte heiße Luft direkt nach Deutschland, zeitweise erreichte uns dabei auch wieder Luft aus der Sahara. Vom 11. bis 20. Juni fiel kein messbarer Niederschlag auf dem Berg.

Am 21. Juni überquerte uns eine Kaltfront – es folgten vier Unwettertage. Hagel fiel auf dem Hohen Peißenberg am 21., 23. und 24. Juni, allerdings ziemlich moderat. An diesen vier Gewittertagen fielen 77 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – fast die Hälfte der langjährig zu erwartenden Monatssumme.

Allerdings zogen die Unwetter, die aus südwestlicher Richtung kamen, jeweils alle ganz knapp westlich am Hohen Peißenberg vorbei – und das auf „traditioneller“ Route: Sie entstehen im südlichen Lechtal, ziehen westlich an uns vorbei und schlagen danach eine Rechtskurve über dem Ammersee ein, tangieren den Starnberger See und ziehen oft südlich an München vorbei weiter nach Osten.

Rein optisch waren an den furchteinflößenden dunklen Gewitterwolken jeweils hakenförmige Spitzen nach unten am Südrand der Gewitterzellen zu erkennen (wegen der „Hakennase“ und dem Herkunftsgebiet werden solche Gewitterkomplexe in Fachkreisen auch als „Lechtalerin“ bezeichnet). An jenem Punkt wird Warmluft angesaugt und eine Tornadobildung wäre hier am wahrscheinlichsten. Erreicht die „Hakennase“ als „Rüssel“ die Erdoberfläche, wäre Gefahr im Verzug, das heißt, der Schadenseintritt ist sehr nahe und – je nach Zugbahn – auch nicht mehr aufzuhalten. Vereinigen sich diese Gewitter zu einer „Superzelle“, sind sie sehr langlebig – die Hagelkörner werden in der Wolke mehrfach in die Höhe geschleudert und wachsen heran zu großen Brocken.

Der meiste Hagel entlud sich vom 21. bis 24. Juni über Teilen Peitings – mit Korngrößen bis 2,5 Zentimeter. Dort lag der Hagel längere Zeit zentimeterhoch. Auch gab es über Peiting während dieser vier Tage Niederschlagssummen von 118 bis fast 150 Liter pro Quadratmeter.

Am 25. und 26. Juni gab es Zwischenhocheinfluss bei etwas moderateren Temperaturen um 20 Grad Celsius. Am 28. Juni strömte erneut heiße Mittelmeerluft zu uns, das Potenzial für kräftige Gewitter stieg erneut. Am 29. Juni nachmittags war es wieder so weit – ein kräftiges Gewitter entlud sich über dem Ort und auf dem Berg, Hagel fiel mit einem Durchmesser bis zu drei Zentimeter, und das zehn Minuten lang.

Die „Schafskälte“ fiel in diesem Jahr aus, nur der „Siebenschläfer“ nicht. Diese Sommerentscheidungsphase erstreckt sich vom 25. Juni bis 10. Juli und verläuft gegenwärtig sehr wechselhaft.. Siebenschläferwetterlagen enden erst, wenn sich vom Azorenhoch Ableger bilden, die nach Mitteleuropa ausgreifen, oder wenn das ganze Hoch dahinzieht. Das ist derzeit nicht zu erkennen, weshalb das unbeständige Wetter zunächst weitergeht (Schaukelwetter).

Insgesamt fiel der Juni mit einer Monatsmitteltemperatur von 16,9 Grad Celsius um 4,2 Grad zu warm aus und war von der Mitteltemperatur her doppelt so warm als der zu kühle Mai (Mittel 8,2 Grad Celsius). Es war der achtwärmste Juni seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Es gab fünf Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius). Wärmster Tag war der 18. Juni mit 27,8 Grad. Am kältesten war es am 1. Juni mit 8,2 Grad.

Die Niederschlagsverteilung im Juni war sehr unterschiedlich. Auf dem Hohen Peißenberg fielen 175 Liter pro Quadratmeter Niederschlag als Regen und Hagel. Das sind 105 Prozent der langjährig zu erwartenden Menge, d.h. ziemlich normale Verhältnisse. Das war jedoch punktuell, selbst in nächster Nähe, sehr unterschiedlich. An den bayerischen Alpen fielen etwa 250 Liter pro Quadratmeter.

An 13 Tagen traten Gewitter auf, teilweise mehrere pro Tag. Der Juni war überall sehr sonnenscheinreich. Auf dem Hohen Peißenberg schien die Sonne 272 Stunden. Die positive Abweichung lag hier bei 36 Prozent. Nur am 6. Juni schien die Sonne auf dem Berg nicht, dafür jedoch an 14 Tagen länger als zehn Stunden. Die höchste Windspitze trat am 29. Juni während des Hagelunwetters auf und betrug 24 m/s beziehungsweise 86 km/h.

Siegmar Lorenz

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