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Trachtler der 15 Vereine  des Lechgaus  zogen gestern wieder in einer Wallfahrt auf den Hohen Peißenberg.

Lechgau-Trachtenwallfahrt auf dem Hohen Peißenberg

Gottesdienst erstmals auf der Nordseite

Hohenpeißenberg -  Wegen Bauarbeiten  gab es bei der Lechgau-Trachtenwallfahrt eine Änderung. Erstmals wurde der Gottesdienst auf der Nordseite gefeiert.

Der Trachtler-Nachwuchs  beteiligte sich ebenfalls an der Wallfahrt, die jedes Jahr im September auf den Hohen Peißenberg führt.

 Gleich zwei Änderungen gab es am gestrigen Sonntag bei der traditionellen Wallfahrt des Lechgau-Trachtenverbandes. Wegen Bauarbeiten in Hohenpeißenberg erfolgte die Aufstellung nicht auf der Bergmannstraße, sondern auf der Bergstraße. Und der Gottesdienst auf dem Berg konnte ebenfalls nicht am üblichen Ort – auf der Südseite der Wallfahrtskirche beim Kriegerdenkmal – gefeiert werden. Dort ist ebenfalls Baustelle. Nachdem das Regenwasser nicht mehr auf den Südhang geleitet werden darf, liegen dort Schläuche, die es auf den Parkplatz nördlich der Kirche ableiten.

Ein Ausweichen in die Wallfahrtskirche bei schlechtem Wetter wäre nicht möglich gewesen, weil dort ebenfalls gebaut wird. Der Altar ist laut Rupert Weingartner, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Wallfahrtskirche“, noch nicht fertig.

Letztere Baustelle stellte gestern absolut kein Problem dar. Bei angenehm warmen Spätsommerwetter unter einem bayerisch weiß-blauen Bilderbuchhimmel bildete das Voralpenland – die Fernsicht reichte bis München – eine herrliche Kulisse für den Festgottesdienst.

Pfarrer Hans Speckbacher, der den Gottesdienst zelebrierte, kündigte zwar an, dass die Trachtler im kommenden Jahr die Wallfahrtskirche wieder zur Verfügung haben werden, bezweifelte aber auch gleich, dass das – wenngleich renovierte – Gotteshaus bevorzugt werde. Im Freien sei es „doch noch viel schöner“, meinte er.

Der Vorstand des Lechgaus, Franz Multerer, konnte der Verlegung des Gottesdienstes auf den Parkplatz auf der Nordseite des Berges sogar etwas Positives abgewinnen: „Beim Raufgehen habt ihr die Südseite des Gaus gesehen, jetzt seht ihr die Nordseite“, sagte er. Angesichts der guten Fernsicht konnte man tatsächlich fast den ganzen Gau überblicken. Nur bis Neu-Ulm reichte der Blick nicht.

„Wir leben in einer Zeit, in der Gipfelkreuze abgeholzt werden“, so Speckbacher in seiner Predigt. Er rief die rund 500 Gottesdienstbesucher auf, Werte zu achten. Es sei ebenso ein Missbrauch des Namens Gottes, wenn jemand rufe, dass Gott groß sei und dann auf Menschen schieße, wie wenn ein Präsident sage, dass Gott mit ihm sei und er dann den Irak niederbombardiere.

In seiner Predigt rief der Pfarrer aber auch dazu auf, dass man sich selbst so annehmen solle, wie man sei, auch mit seinem Grantlertum und seinen Schwächen.

Nach dem Gottesdienst wurde die Gaustandarte weitergegeben. Peiting hatte die 1991 geweihte Standarte im Vorjahr von Neu-Ulm bekommen und gab sie an Rott weiter. Die 25 Jahre alte Standarte macht jetzt schon ihre zweite Runde durch die 19 Vereine des Gaus.

„Ohne die Wallfahrt geht mir was ab“, stellte Dismas Ritzel fest. Der stellvertretende Vorstand des Trachtenvereins „Gennachtaler Westendorf“ ist 1971 zum ersten Mal auf diese Wallfahrt gegangen. „Nur einmal musste ich aussetzen, weil ich nicht da war. Da habe ich gemerkt, dass mir was fehlt“, stellte er rückblickend fest. Sein Verein ist jedes Mal mit rund zwei Dutzend Mitgliedern vertreten, wenn es betend auf den Berg geht.

Die Altersspanne der Wallfahrer ist groß. Es gehen Kinder ebenso mit wie Senioren, die weit über 70 Jahre alt sind. Nur die ältesten, die nicht mehr die ganze Strecke gehen können, lassen sich bis zum unteren Parkplatz fahren und laufen dann nur noch den kurzen Weg zum Gipfel.

Alfred Schubert

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